Im Kempkenholz

Begräbniswald ist bald ausgelastet

Oliver Jilg im Remscheider Begräbniswald. Die Grenzen dessen Kapazitäten sind bereits absehbar. Foto: Roland Keusch
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Oliver Jilg im Remscheider Begräbniswald. Die Grenzen dessen Kapazitäten sind bereits absehbar.

Naturnahe Bestattungen erfreuen sich großer Beliebtheit

Von Peter Klohs

Remscheid. Im Norden des Remscheider Stadtgebiets, nahe der Ortslage Oelingrath, befindet sich der ehemalige Privatwald der Familie Hinsberg. Wie Oliver Jilg, Bereichsleiter des Geschäftsbereichs Grünflächen, Friedhöfe und Forstwirtschaft, weiß, ging der Wald als Schenkung an die Stadt Remscheid über. „Wann das war, kann man nicht mehr genau sagen. Ich vermute, in der Kriegszeit.“

Seit 2004 steht der Wald „Im Kempkenholz“ für die Bestattung von Aschen zur Verfügung. „Das Interesse an einer naturnahen Bestattung ist seitdem stetig gestiegen“, verrät Jilg. „Im ersten Jahr konnten wir fünf Bestattungen verzeichnen, im Jahr 2020 waren es 187. Insgesamt hatten wir bis jetzt über 800 Bestattungen im Begräbniswald.“

Die Pflege übernimmt die Natur.

Oliver Jilg, Bereichsleiter Friedhöfe

Im Unterschied zu einem städtischen Friedhof gibt es, will man im Begräbniswald bestattet werden, einige Besonderheiten zu beachten. „Zunächst einmal ist es eine Voraussetzung, dass der Verstorbene seinen Willen, im Wald beerdigt zu werden, kundgetan hat. Dazu eignet sich am Besten ein persönlich aufgesetztes Schriftstück. Aber auch eine glaubhafte Erklärung der Hinterbliebenen reicht im Regelfall aus.“ Lesen Sie dazu auch unsere große RGA-Serie: So treffen Sie die richtige Vorsorge

Begräbniswald in Remscheid: Asche unter Familien- oder Gemeinschaftsbäumen

Der Friedhofsmeister Jürgen Kampschulte geht mit den Angehörigen der Verstorbenen durch den Wald, und gemeinsam sucht man einen Bestattungsbaum aus, in dessen Wurzelwerk die Asche des Verstorbenen beerdigt wird. Das Nutzungsrecht wird für die Dauer von 50 Jahren verliehen. Gewählt werden kann zwischen Einzel- oder Gemeinschaftsbäumen.

Unter Einzelbäumen können bis zu vier verschiedene Aschen beigesetzt werden, so dass Familien eine gemeinsame Grabstätte haben können. Bei Gemeinschaftsbäumen ist das anders: Hier gibt es kein individuelles Nutzungsrecht an einem Baum.

Ein Bestattungsplatz wird für mindestens 25 Jahre zugewiesen. Diese Wahlmöglichkeiten machen sich besonders finanziell bemerkbar. Für das Nutzungsrecht an einem Einzelbaum für 50 Jahre werden 3000 Euro erhoben, für einen Gemeinschaftbaum sind es 880 Euro.

Begräbniswald: Fällt ein Baum um, wird ein neuer gepflanzt

Oliver Jilg weist darauf hin, dass eine Pflege, wie man sie von städtischen Friedhöfen kennt, im Begräbniswald nicht stattfindet. „Die Pflege übernimmt die Natur.“ Die zur Bestattung freigegebenen Bäume sind von jedweder anderen Nutzung ausgenommen. Sollte ein Baum gefällt werden müssen oder durch äußere Einflüsse umstürzen, wird ein neuer gepflanzt.

Herkömmliche Grabbeigaben wie Bilderrahmen, Kränze oder Ähnliches sind im Wald „Im Kempkenholz“ verboten. Finden die Mitarbeiter an den Begräbnisbäumen Gegenstände, die nicht verrotten können, werden diese entfernt. „Der Begräbniswald ist jedoch nicht unendlich“, weiß Jilg: „12 Hektar sind schon eine gewisse Größe, aber so langsam kommen wir an die Grenze unserer Kapazitäten.“

Hohe Nachfrage: Zweiter Ring um Gemeinschaftsbäume

An den Gemeinschaftsbäumen haben wir begonnen, einen zweiten Bestattungsring um die Baumwurzeln anzulegen, damit mehr Menschen, die dies wünschen, bestattet werden können. Vielleicht noch zwei, allerhöchstens drei Jahre geht das noch gut. Dann müssen wir wohl Ersatzstandorte anbieten. Wir sind dazu bereits mit der Stadt Remscheid im Gespräch. Ich will aber noch nicht sagen, welche Gebiete wir ausgewählt haben. Hinterher klappt das nicht, und das sieht dann auch nicht gut aus.“

Der Lenneper Bestatter Holger Reichenbach, der mindestens eine Beerdigung pro Monat im Begräbniswald „Im Kempkenholz“ durchführt, glaubt zu wissen, was es mit dem Trend zur naturnahen Bestattung auf sich hat. „Das hat mit den zurzeit sehr hohen Kirchenaustritten zu tun“, ist Reichenbach sicher. „Die Menschen haben keinen Bezug mehr zu einem städtischen Friedhof.“

Hintergrund: Trend zur Waldbestattung in der Region

Wie Oliver Jilg (TBR) erläutert, ist der Trend der naturnahen Bestattung in den vergangenen Jahren stetig gewachsen und wächst weiter. „Auch alle städtischen Friedhöfe in Remscheid bieten so etwas Ähnliches an“, berichtet der Bereichsleiter. „Ich weiß jedoch, dass viele Menschen im Wald bestattet werden wollen.“ Andere Städte, zum Beispiel Hückeswagen, planen die Freigabe eines Begräbniswaldes.

tbr-info.de/Begräbniswald

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