Kleebachtal

Begräbniswald ist noch nicht gestorben

Am Kleebach sollen nach den Plänen der Stadt Remscheid Verstorbene ihre letzte Ruhe finden. Dagegen regt sich Widerstand von Anwohnern aber auch aus der Jägerschaft. Sie sorgen sich um die vorhandene Tierwelt. Foto: Roland Keusch
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Am Kleebach sollen nach den Plänen der Stadt Remscheid Verstorbene ihre letzte Ruhe finden. Dagegen regt sich Widerstand von Anwohnern aber auch aus der Jägerschaft. Sie sorgen sich um die vorhandene Tierwelt.
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Die Stadt möchte im Kleebachtal Bestattungen unter Bäumen möglich machen. Prompt regt sich Widerstand.

Von Axel Richter

Remscheid. Bislang sagen die Umweltschützer Nein zu einem neuen Begräbniswald zwischen Hackenberg und Wuppertalsperre. Gestorben sind die Pläne der Stadt Remscheid deshalb nicht. Markus Wolff, Leiter des Stadtforstamtes, wirbt weiter um Zustimmung: „An der Waldgestaltung ändert sich nichts“, sagt der Förster: „Und auch der Schwarzstorch, wenn er denn da war, wird weiter über den Wald fliegen.“

Die Fläche an den Hängen des Kleebachtales ist einer von zwei Standorten, an denen die Technischen Betriebe der Stadt zukünftig Baumbestattungen möglich machen möchte. Insgesamt geht es dort um 21 Hektar Wald. Nördlich der Burger Straße in Ehringhausen wird ein zweiter Begräbniswald geprüft. Dort sollen 7,5 Hektar Wald in Anspruch genommen und auf der anderen Seite der Burger Straße bis zu 14 Hektar in Reserve gehalten werden. An beiden Standorten will die Stadt rund 130 Bäume zu Bestattungsbäumen erklären und 220 Bestattungen im Jahr möglich machen.

Eisvogel und Wasseramsel brauchen Wasser. Wasser gibt’s im Tal, nicht oben im Wald.

Markus Wolff, Förster

Die Beisetzung der Totenasche in einer biologisch abbaubaren Urne unter Bäumen liegt im Trend. Im Kempkenholz auf der Stadtgrenze zu Wuppertal, wo das seit 2004 möglich ist, sind die Grabstellen deshalb rar geworden. Mehr als 800 Bestattungen haben dort bis heute stattgefunden. Nahezu alle Bäume sind belegt.

Im Kempkenholz funktioniert das Miteinander von Hinterbliebenen, Spaziergängern, Reitern und auch den Gästen der Flugvorführungen der nahen Falknerei im Örtchen Grüne. An der Wuppertalsperre regte sich dagegen prompt Protest.

Anwohner befürchten zu viel Andrang

„Wir sind dann umgeben von Toten“, erklärte eine Anwohnerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen wollte. Und ihr Nachbar befürchtet eine Zunahme des Parkverkehrs. Mit der Ruhe sei es mit dem neuen Friedhof jedenfalls vorbei.

Auch im Naturschutzbeirat, dessen Mitglieder aus Natur- und Umweltgruppen die Stadt Remscheid beraten, fiel das Vorhaben der Friedhofsplaner durch. Die Mitglieder störten sich daran, dass sie den Wald vom Landschaftschutz befreien sollten, damit die Stadt ihre Planungen fortsetzen kann. „Deshalb ist der Landschaftsschutz nicht aufgehoben“, sagt Förster Wolff. „Der bleibt bestehen.“

Eine große Bedeutung kommt dem Begriff ohnehin nicht zu. So gut wie jede Fläche rund um Remscheid ist Landschaftsschutzgebiet. Es handelt sich um die geringste Unterschutzstellung überhaupt und schränkt Land- und Forstwirtschaft allenfalls geringfügig ein. Die Mitglieder des Beirates forderten gleichwohl mehr Informationen ein. „Wir haben hier den Eisvogel, den Schwarzstorch, die Wasseramsel und den Rotmilan“, zählten die Anwohner zudem geschützte Arten auf, die sie im Wald am Kleebach gesichtet haben wollen.

An der beschriebenen Artenvielfalt meldete bereits in der Sitzung nicht nur der Stadtförster, sondern auch die Untere Landschaftsbehörde ihre Zweifel an. „Eisvogel und Wasseramsel brauchen Wasser. Wasser gibt’s im Tal, nicht oben im Wald“, sagt Förster Wolff. Der bestehe zudem nicht aus einem wertvollen Baumbestand, sondern aus japanischer Lerche, amerikanischer Küstentanne und Fichte. Anders ist das in Ehringhausen, wo der zweite Begräbniswald entstehen soll. Dort steht ein alter Buchenbestand, um den sich allerdings niemand zu sorgen scheint.

Ist auch nicht erforderlich, sagen die Technischen Betriebe, die samt ihres Leiters Michael Zirngiebl deshalb auf Überzeugungsarbeit setzen. Für tot erklärt er ihn noch lange nicht.

Begäbniswald

Grabsteine, anderweitige Kennzeichnungen, Grabschmuck oder -beigaben sind verboten im Begräbniswald. Die Urnen werden unter Bäumen in die Erde gelassen. Sie sind biologisch abbaubar. Der Wald bleibt laut Stadt unverändert und für alle Besucher weiter zugänglich. Sie will vorhandene Wege begehbar machen und nur im Einzelfall zusätzliche Fußwege anlegen. Beide Standorte – Ehringhausen und Kleebach – gelten als verkehrstechnisch gut angeschlossen.

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