Hohe Nachfrage, kaum Angebote

Baugrundstücke sind am Hasten Mangelware

Am Baumschulenweg in Hasten sollten auf diesem Areal einmal 70 Wohneinheiten entstehen. 15 Jahre beschäftigten sich Politik und Verwaltung mit dem Bauprojekt. Doch am Ende verlief alles im Sande. Nachbarn wehrten sich mit Erfolg gegen eine Erschließungsstraße.
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Am Baumschulenweg am Hasten sollten auf diesem Areal einmal 70 Wohneinheiten entstehen. 15 Jahre beschäftigten sich Politik und Verwaltung mit dem Bauprojekt. Doch am Ende verlief alles im Sande. Nachbarn wehrten sich mit Erfolg gegen eine Erschließungsstraße.
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Der Hasten ist ein beliebter Wohnort in Remscheid. Doch der Platz ist knapp und bauen ist teuer.

Von Axel Richter

Remscheid-Hasten. Ein leichter Wind streicht durch die Büsche links und rechts des Baumschulenweges auf Hasten. Hier sollten längst Familien wohnen und Kinder spielen. Doch zum Bau der geplanten 70 Wohneinheiten in Einfamilienhäusern rückte nie ein Bagger an. Stadt und Investor wiesen sich dafür später gegenseitig die Schuld zu.

Tatsächlich beschreibt das Scheitern des Bebauungsplanes 681 eindrucksvoll, warum zahlreiche kleine und große Wohnbauprojekte in Remscheid nicht vorankommen und sich oftmals nach viel vertaner Zeit in Luft auflösen. Zum Nachteil der Stadt, denn größere zusammenhängende Neubaugebiete, wie sie bei Investoren wie jungen Familien beliebt sind, gibt es in Remscheid nur wenige. In Hasten gibt es gar keine. Dabei ist der Stadtteil als Wohnort äußerst attraktiv. Mit der Folge, dass viele junge Menschen dem Stadtteil, der verwaltungstechnisch heute zu Alt-Remscheid zählt, den Rücken zuwenden. Bestenfalls finden sie anderswo in Remscheid ein Zuhause. Schlechtestenfalls verlassen sie Remscheid. In jedem Fall hat der Hasten seit 2016 rund 2,5 Prozent seiner Einwohnerinnen und Einwohner verloren. Das ist in dem Zeitraum der größte Schwund unter allen Stadtteilen.

Der Baumschulenweg beschäftigt Politik und Verwaltung geschlagene 15 Jahre, bis das Projekt schlussendlich unter Aktendeckeln verschwindet. Dabei sind die Voraussetzungen für das Neubaugebiet idealtypisch. Viele Jahre waren darauf Pflanzen und Bäume herangezogen worden. Das Gebiet „ist in weiten Teilen bereits anthropogen überformt“, wie die Verwaltung schreibt. Einwände aus Umweltschutzgründen gab es deshalb nicht, Politik und Verwaltung begleiteten das Vorhaben mit Wohlwollen.

Bauen am Hasten: Erschließung des Baugebietes Baumschulenweg scheitert - das sind die Gründe

Nach der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung 2005 gab der Rat dem Bebauungsplan 2008 grünes Licht. 2009 wurde die Baugenehmigung rechtskräftig. Doch danach geschah nichts. Der Grund: Andere Grundstückseigentümer standen dem Bau einer Erschließungsstraße im Weg. Der eine wollte keinen zusätzlichen Verkehr vor seiner Tür, der andere weiterhin im Grünen wohnen. Nach einigem Hin und Her zog die Stadt die Reißleine. „Die Erschließung des Baugebietes ist gescheitert.“

Rückblickend nennt Baudezernent Peter Heinze das ganze Verfahren für seine Behörde mehr als ärgerlich. Viel Zeit, viel Arbeit sei darauf verwendet worden. Und das am Ende für nichts. Denn auf ein Enteignungsverfahren verzichtete die Stadt. Auch weil niemand weiß, wie so etwas am Ende ausgeht.

Heinze spricht von einer „Fehlentwicklung in der Planung“. Die Eigentumsverhältnisse hätten geklärt sein müssen, bevor ein Bebauungsplanverfahren angestoßen wird. Von dem verhinderten Bauherrn, der heute im Ausland lebt, erhielt der RGA keine Stellungnahme. Ein Kontaktversuch scheiterte.

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Bauen am Hasten: Investor hofft auf Neubaugebiet zwischen Hastener und Richardstraße

Michiel Ros aus Egestorf darf unterdessen weiter hoffen. Der Investor will zwischen Hastener Straße und Richardstraße ein 12 000 Quadratmeter großes Areal erschließen, um an attraktiver Südhanglage 20 Grundstücke für Eigenheime zu verkaufen. Seit vier Jahren bemüht er sich um eine Baugenehmigung. Dafür hatte die Verwaltung zunächst keine Zeit, dann reiften Zweifel an der Umweltverträglichkeit.

Nun kam es zu einem neuen Treffen, wobei der Investor neue Auflagen entgegennahm. Bezirksbürgermeister Otto Mähler (SPD) ist zuversichtlich, dass Ros die Liste abarbeiten wird und an der Richardstraße doch noch 20 neue Wohnhäuser entstehen. „Für den Hasten wäre das gut“, sagt er: „Und für die Familien ist alles in Reichweite: Schule, Nahversorgung, Kindergarten, alles ist da.“

Hasten gehört zu den teuersten Wohngebieten in der Stadt

Der Bedarf nach Wohnraum in Hasten ist ohnehin vorhanden: „Neben Lennep und Lüttringhausen ist der Hasten ein wahnsinnig beliebter Wohnbereich“, sagt Oliver Wenzel, Leiter der Baufinanzierung bei der Volksbank im Bergischen Land. Doch außer der Ertüchtigung von Bestandsimmobilien – zum Beispiel entstehen in der historischen Sägenfabrik Richard Felde aktuell 14 neue Wohnungen – wird nicht gebaut auf Hasten.

Neben Lennep und Lüttringhausen ist der Hasten ein wahnsinnig beliebter Wohnbereich.

Oliver Wenzel, Leiter der Baufinanzierung bei der Volksbank

Beides – hohe Nachfrage, geringes Angebot - wirkt sich auf die Preise aus. Hasten gehört zu den teuersten Wohngegenden in Remscheid. Wer ein Haus kaufen möchte, muss nach Berechnungen der Firma Immowelt bereit sein, 3731,50 Euro für den Quadratmeter zu bezahlen. Für eine Eigentumswohnung werden 3356,71 Euro pro Quadratmeter fällig.

Zur Miete wohnt es sich im Vergleich zu den anderen Stadtteilen in Hasten dagegen noch günstig: 6,57 Euro sind laut Immowelt pro Quadratmeter Wohnfläche fällig.

Wer in Hasten Eigentum erwerben möchte, kann vorläufig also nur auf die Richardstraße hoffen. „Für mehrere kleinere Flächen sind wir in Gesprächen“, sagt Baudezernent Peter Heinze. In besseren hoffentlich als seinerzeit für den Baumschulenweg, wo auf unbebautem Grund und Boden der Wind leise durch die Sträucher streicht.

Die Stadtteilserie

Beim nächsten Mal beschäftigt sich die Stadtteilserie mit dem Thema Ausbildung und Arbeit am Hasten. Welche Unternehmen und Handwerksbetriebe gibt es dort? Welche Berufe sind in welchen Branchen gefragt, welche Auszubildenden sind gesucht?

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