Aktuell plant die Stadt mit 330.000 Euro

Balken im Röntgen-Museum sind marode

Der historische Teil des Röntgen-Museums, das Haus Oelbermann, wird derzeit saniert. Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1803. Foto: Roland Keusch
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Der historische Teil des Röntgen-Museums, das Haus Oelbermann, wird derzeit saniert. Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1803.
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Überraschung bei der Fassadensanierung des Hauses Oelbermann – Stadt schaltet Gutachter ein.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Es erinnert ein wenig ans Haus Cleff, auch wenn das Ausmaß nicht dasselbe ist: Bei der Fassadensanierung des alten Traktes des Deutschen Röntgen-Museums, des Hauses Oelbermann, erlebten die Stadt und die Restauratoren der Duisburger Firma Rosendahl jetzt eine Überraschung. Die Balken sind marode und teilweise von Insekten zerfressen.

Das Denkmal am Rande der Lenneper Altstadt erhält derzeit eine Verjüngungskur: Nachdem im vergangenen Jahr die rückwärtige Fassade und Teile des Holzwerks an der Wallstraße saniert wurden, werden jetzt die restlichen Fenster, Schlagläden und das Holzwerk des Patrizierhauses restauriert. Nach jahrelangem Warten, weil erst Rücklagen gebildet werden mussten, war es im April endlich soweit: Die Sanierung startete – was im Röntgenjahr 2020 besonders erfreulich ist. Seitdem ist der alte Museumstrakt eingerüstet. Es werden unter anderem Altlacke entfernt, Holzteile und Fenstermechanik überprüft, Fensterscheiben neu verkittet und das Holz mit Leinöl gestrichen. Zum Schluss werden Sockel und Treppenanlage instandgesetzt.

Als die Experten nun die Verblendungen der Gesimse öffneten, entdeckten sie den Schaden. „An der einen oder anderen Stelle haben wir festgestellt, dass die Balken teilweise oberflächlich verrottet und teilweise von Insektenlarven befallen sind“, erklärt der städtische Gebäudemanager Thomas Judt auf RGA-Nachfrage. Möglicherweise seien auch Pilze im Spiel. Welche Tiere sich hier durchs Holz geknabbert haben, kann Judt nicht sagen. Ein Gutachter müsse erst genauere Untersuchungen vornehmen. „Wir sind vorsichtig optimistisch“, sagt Thomas Judt. „Denn es handelt sich hierbei um alte Eichenbalken. Diese verlieren nur selten ihre statischen Eigenschaften.“ Wenn es nur bei einem oberflächlichen Schaden bleibe. „Wir hoffen natürlich, dass wir nicht jetzt schon in ein Fass ohne Boden laufen“, sagt der Herr der städtischen Gebäude, der zu bedenken gibt: Bei Altbautensanierungen läuft selten alles glatt.

„Wenn wir am Altbestand arbeiten, sind wir nie vor Überraschungen sicher.“
Gebäudemanager Thomas Judt

Man denke nur ans Haus Cleff oder ans Rathaus Lüttringhausen. Hier müssen derzeit Fenster, Giebel und Gesimse im Turm aufgearbeitet werden – was ebenfalls nicht geplant war. „Wenn wir am Altbestand arbeiten, sind wir nie vor Überraschungen sicher.“

So auch beim Haus Oelbermann. Das verschieferte Fachwerkhaus stammt aus dem Jahr 1803. Die Stadt erwarb das Gebäude Anfang der 1930er Jahre von der Familie Oelbermann und richtete hier 1932 das Deutsche Röntgen-Museum ein. Heute beherbergt der alte Museumstrakt einen Teil der Röntgen-Ausstellung. Er ist verbunden mit dem gläsernen Neubau. Aber noch heute prangt der Schriftzug „Röntgen-Museum“ an der Fassade des Hauses Oelbermann.

Die Stadt wartet nun auf das Angebot eines Gutachters, der sich die morschen Balken unter der Schieferverblendung noch einmal ganz genau anschaut. Man habe bereits beim Gutachterbüro nachgehakt. „Wir sind sehr verlegen darum“, betont Judt. Man wolle zügig weiterkommen. Aber: Gutachter seien derzeit gut beschäftigt, die Auftragsbücher voll. Nachdem der Experte seine Untersuchungen abgeschlossen hat, kann er den Restauratoren erklären, was getan werden muss.

Ob sich dadurch auch der Zeitplan nach hinten schiebt, sei noch offen. Die weiteren Arbeiten an der Fassade liefen aber weiter. Laut Judt sind noch kleinere Instandsetzungsarbeiten durchzuführen, zum Beispiel Fensterleimungen. Aktuell plant die Stadt mit 330 000 Euro für die Fassadenerneuerung. In der Rückstellung sei aber noch ein Puffer eingebaut, sagt Kämmerer Sven Wiertz. Es handle sich schließlich um ein historisches Gebäude. Kommende Woche soll es nähere Informationen geben.

Museums-Direktor Dr. Uwe Busch hofft indes, dass die Arbeiten bis zum 13. November abgeschlossen werden können. Denn dann starten die wegen Corona verschobenen Feiern anlässlich des Röntgenjahrs 2020 – und die internationale Wissenschaftlerszene schaut auf Lennep.

Röntgen-Feiern

Röntgenjahr: Gefeiert werden 2020 der 175. Geburtstag von Wilhelm Conrad Röntgen und 125 Jahre Entdeckung der Röntgenstrahlen.

Feiern: Am 13. November soll das Geburtshaus, Gänsemarkt 1, offiziell eröffnet werden – samt einer Feier mit Kammermusik am Abend in der Rögy-Aula. Dort soll zudem am 14. November die Verleihung der Röntgen-Plakette stattfinden.

Standpunkt

melissa.wienzek @rga-online.de

Ein Kommentar von Melissa Wienzek

Auch wenn es vielleicht ärgerlich ist und sich die Bauarbeiten dadurch verzögern könnten, das Vorgehen der Stadtverwaltung in puncto Röntgen-Museum ist richtig. Niemand konnte vorhersehen, dass sich unter der Schieferverblendung des alten Traktes morsche Balken befinden. Wohl aber hat das auch niemand ausgeschlossen. Es handelt sich nun mal um ein Gebäude aus dem Jahr 1803 – Überraschungen sind bei historischen Häusern keine Seltenheit. Deshalb hat die Verwaltung bereits vorab klug gehandelt und einen finanziellen Puffer eingebaut. Aktuell geht man noch von 330 000 Euro aus. Die Abschlussuntersuchungen des Gutachters stehen aber noch aus. Ihn einzuschalten, war der richtige Weg. Auch wenn es dadurch vielleicht etwas teurer werden sollte. 

Der Eigentümer, also die Stadt, muss wissen, wo er dran ist – man will schließlich kein Fass ohne Boden sanieren. Bleibt zu hoffen, dass die Schäden nur oberflächlicher Natur sind und das Haus Oelbermann bis zu den Röntgen-Feiern am 13. und 14. November fertig wird. 

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