Leerstand seit über 20 Jahren

Bahnhof Lennep: Möbelhaus-Ruine wird zum Risiko

Seit 2000 steht das einstige Möbelhaus leer. Der neue Eigentümer will es abreißen lassen. Fragt sich nur wann. Foto: Michael Schütz
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Seit 2000 steht das einstige Möbelhaus leer. Der neue Eigentümer will es abreißen lassen. Fragt sich nur wann.
  • Axel Richter
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Sorge um Sicherheit von Kindern – Feuerwehr stopft Löcher in der Fassade – Behörden zeigen sich machtlos.

Remscheid. Zuletzt musste die Feuerwehr anrücken und die Ruine notdürftig verrammeln. Wiederholt hatten Kinder sich darin herumgetrieben. Das alte Möbelhaus am Lenneper Bahnhof ist vom bloßen Schandfleck zum Sicherheitsrisiko verkommen. Dabei sollte es eigentlich längst abgerissen sein, um einem Neubau für Seniorenwohnungen und Pflegedienst Platz zu machen. Doch der neue Eigentümer lässt sich Zeit und die Stadt kann nur die Feuerwehr zu Hilfe rufen.

Rückblick: 2019 verkaufte die Bahnflächenentwicklungsgesellschaft, kurz BEG, eine gemeinsame Tochter der Deutschen Bahn AG und des Landes NRW, die sich um die Vermarktung ehemaliger Bahnhofsgebäude kümmert, das einstige Möbelhaus. Neuer Eigentümer wurde die Firma HT Remscheid mit Sitz in Düsseldorf. Das Unternehmen stellte bei der Stadt einen Abriss- und Bauantrag für ein Gebäude für Wohngruppen und Wohnen mit Pflegedienst. Die Stadt genehmigte beides und wartet seither mit wachsender Ungeduld darauf, dass die Firma, die Remscheid im Namen führt, die Bagger anrollen lässt.

„Ich kann die Firma nicht zum Bauen zwingen.“

Peter Heinze, Baudezernent

Stattdessen klaffen immer wieder neue Löcher in der heruntergekommenen Fassade. Kinder haben das Gemäuer als Spielplatz entdeckt – angelockt mutmaßlich auch von dem Umstand, dass sich darunter noch ein weit verzweigtes Bunkersystem aus dem Zweiten Weltkrieg befindet. Die Stadt hat mithin allen Grund dazu, Jugendliche und Abenteurer von dem alten Gebäude am Bahnhof fernzuhalten. Am vergangenen Wochenende sprach Oberbürgermeister Burkhardt Mast-Weisz (SPD) deshalb persönlich mit der Feuerwehr die dazu nötigen Schritte ab.

Altes Möbelhaus am Bahnhof in Lennep: Die Linke fordert einen Zwangsabriss

Bei der Firma HT Remscheid beziehungsweise bei der Firma TBP Generalplaner, die das Bauprojekt realisieren soll, war am Dienstag keine Stellungnahme zu bekommen. Wie schon einmal im April wurde der RGA auf die nächsten Wochen vertröstet. Der zuständige Architekt und Planer befinde sich bis dahin nicht im Haus.

Auch Politik und Verwaltung in Remscheid erfahren wenig vom Eigentümer in Düsseldorf. Weder die einen noch die anderen wissen, wann und ob überhaupt ein Abbruch und Neubau erfolgen. Der letzte Termin, der ihnen bekannt geworden war, datiert auf Anfang Mai. „Das ist alles sehr unbefriedigend“, sagt Rolf Haumann (Grüne), Bezirksbürgermeister von Lennep: „Das Haus ist ein Gefahrenpunkt.“ Die Partei Die Linke fordert deshalb einen Zwangsabriss.

Doch den wird es mit Blick auf Artikel 14 des Grundgesetzes so bald nicht geben. Der sagt zwar, dass Eigentum verpflichtet, stellt es aber auch unter besonderen Schutz. Im konkreten Fall bedeutet das: „Um Schaden für die Allgemeinheit abzuwenden, dürfen wir lediglich zum mildesten aller Mittel greifen“, erklärt Jörg Schubert, Leiter des Remscheider Bauamtes.

Mithin darf die Feuerwehr wohl die Löcher in der Fassade stopfen. Auch darf die Stadt den Eigentümer dazu auffordern, die Gefahrenstellen zu beseitigen. Sie darf die Ruine aber nicht abreißen lassen. Und, sagt Baudezernent Peter Heinze: „Ich kann die Firma auch nicht zum Bauen zwingen.“ Das wäre allenfalls beim Verkauf des Möbelhauses möglich gewesen. Eine Bauverpflichtung kann den neuen Eigentümer zum Neubau zwingen. Ob die BEG derartiges in ihren Vertrag geschrieben hat, ist unbekannt. Eine entsprechende Anfrage des RGA ließ sie unbeantwortet.

Das alte Möbelhaus ist unterdessen nicht die einzige Bahnhofsimmobilie, für die es bislang bei Ankündigungen geblieben ist. 2019 erklärte die Baufirma Krasniqi, auf dem Gelände des ehemaligen Bahnbetriebswerks ein Wohn- und Geschäftshaus errichten zu wollen. Doch nach dem Abriss des alten Heizwerkes wurde Bauschutt darauf gelagert. Heute umgibt ein Metallgitterzaun das 728 Quadratmeter große Gelände an der Robert-Schumacher Straße.

Dass darauf absehbar doch noch gebaut wird, glaubt die Stadt Remscheid jedoch fest. Problem: „Die haben einfach zu viel zu tun“, sagt Thomas Hildebrand-Effelberg von der Wirtschaftsförderung. Sobald andere Baustellen abgearbeitet seien, würden die Krasniqis anrücken, sagt Hildebrand-Effelberg und zeigt sich sicher, „dass man diesen Worten glauben schenken kann“.

Zukunft Lennep

Es geht um die Kölner Straße, um das Umfeld des geplanten Designer Outlet Centers, um die Stärkung der Altstadt und die Mobilität der Zukunft. Am Mittwoch, 1. September, will die Stadt über diese Lennep-Themen mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch kommen. Dazu lädt sie die Lenneper von 16 bis 18 Uhr zu einer Videokonferenz ein.

„Die Veranstaltung dient dazu, die aktuellen Projekte der Öffentlichkeit vorzustellen und einen Ausblick auf die weitere städtebauliche Entwicklung Lenneps zu geben“, heißt es in der Einladung. Die Stadt bittet bis 31. August um Anmeldungen unter

zukunft.lennep@remscheid.de

Standpunkt

axel.richter@rga.de

Kommentar von Axel Richter

Eigentum verpflichtet, heißt es in Artikel 14 Grundgesetz. Eigentum soll so genutzt werden, dass es allen nützt. Das wäre dann der Fall, wenn anstelle des alten Möbelhauses am Lenneper Bahnhof neue Wohnungen entstünden. Stattdessen bröckelt die Ruine ungehindert vor sich hin. Und zwar in einem Maße, dass sich jüngst der Oberbürgermeister persönlich mit der Feuerwehr um die Gefahrenabwehr kümmern musste und in der Politik die ersten von einem „Zwangsabriss“ fabulierten. So einfach ist es in unserem Rechtsstaat aber nicht, über das Eigentum anderer zu verfügen. Und das ist bei allem Verständnis für den Ärger um das alte Möbelhaus auch gut so. Wer sicher gehen will, dass innerhalb gewisser Fristen aus Ruinen neue Wohnhäuser entstehen, der muss es dem neuen Eigentümer in den Kaufvertrag schreiben. War die Bahnflächenentwicklungsgesellschaft so weitsichtig? Auf diese Frage erhielt der RGA keine Antwort. Doch wenig deutet darauf hin. Dem Unternehmen geht es darum, alte Bahnhöfe zu versilbern. Ob die neuen Eigentümer danach im Sinne von Artikel 14 damit umgehen, ist für sie bestenfalls zweitrangig.

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