Glasfahrstuhl

Bahnhöfe: Menschen mit Behinderung haben ein Recht auf Barrierefreiheit

Gestern lief der Aufzug am Hauptbahnhof, oft ist er aber kaputt: Andreas Fuhrmann (h. M.) schaltete deshalb den Landtagsabgeordneten Dennis Sonne (v. r.) ein; des weiteren auf dem Foto sind Jasmin Fuhrmann (h. r.) sowie die Beiratsvorsitzende Friederike Pohl und ihr Mann Cornelius.
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Gestern lief der Aufzug am Hauptbahnhof, oft ist er aber kaputt: Andreas Fuhrmann (h. M.) schaltete deshalb den Landtagsabgeordneten Dennis Sonne (v. r.) ein; des weiteren auf dem Foto sind Jasmin Fuhrmann (h. r.) sowie die Beiratsvorsitzende Friederike Pohl und ihr Mann Cornelius.
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Andreas Fuhrmann vom Sozialverband protestiert gegen ständig kaputte Aufzüge.

Von Andreas Weber

Remscheid. Die ständig ausfallenden Aufzüge an den Bahnhöfen in Lennep und Alt-Remscheid sind ein ständiges Ärgernis. Andreas Fuhrmann ergreift nun die Initiative und sucht Hilfe im Landtag. Der Kreisvorsitzende des Sozialverbandes im Bergischen Land ist schlecht zu Fuß, leidet an Multipler Sklerose. „Ich habe zumindest so viel Kraft, dass ich am Hauptbahnhof eigenständig die Treppe am Bahnsteig hochgehen kann.“

Was aber passiert, wenn Rollstuhlfahrer vor dem kaputten Glasfahrstuhl stehen? „Denen bleibt nur die Unterstützung der Feuerwehr oder mehrerer starker Personen, die sie hochtragen“, meint Fuhrmann und nimmt die Deutsche Bahn in die Pflicht: „Wenn ein Fahrstuhl nicht läuft, muss es möglich sein, dass binnen zwei Stunden eine Fachfirma den Betrieb wieder gewährleistet.“

Die Realität sieht anders aus. Die Bahn habe einen eigenartigen Kundenservice, der selten schnell weiterhelfe. „Ich bin das Rumgegurke leid“, schimpft Fuhrmann. Deshalb beschwerte er sich bei der Stadt, die aber nicht zuständig ist. Er kontaktierte das Europaparlament, das an den Landtag NRW verwies. Dort stieß Fuhrmann bei Dennis Sonne auf offene Ohren. Der 38-jährige Parlamentarier sitzt seit Mai für die Grünen im Parlament.

Am Donnerstagmittag kam er zu einem Pressetermin auf die Brücke am Hauptbahnhof, um auf Missstände aufmerksam zu machen. Seit 18 Jahren querschnittsgelähmt, weiß Sonne, was es heißt, auf Barrieren zu stoßen. Der langjährige Inklusionsaktivist will vor allem eins: „Die Bahn muss endlich umsetzen, was längst geltendes Recht ist.“ Sonne verweist auf die UN-Behindertenrechtskonvention.

Auch Ralf Krüger, Behindertenbeauftragter der Stadt, nervt dieser haltlose Zustand: „Es kann nicht sein, dass in einem hochentwickelten Land wie dem unsrigen Menschen von Infrastrukturleistungen ausgeschlossen werden.“ Unzählige Gespräche habe die hiesige Verwaltungsspitze geführt, um die Zustände an den Bahnhöfen zu verbessern – ohne Ergebnis. „Außer, dass die Fahrstühle ständig ausfallen, hat sich über Jahre nichts getan“, stellt Andreas Fuhrmann bitter fest. Warum, fragt Dennis Sonne, sei in anderen Ländern Barrierefreiheit eine Selbstverständlichkeit, während sich in Deutschland Behinderte bisweilen als „Zweite-Klasse-Menschen“ fühlen müssen?

Die schwarz-grüne Koalition hat sich auf die Fahne geschrieben, den Schienenpersonennahverkehr verlässlicher aufzustellen. „Wir wollen den Bahnverkehr vorantreiben, aber barrierefrei“, fordert Sonne. Das Remscheider Problem mit den Aufzügen gäbe es in ganz Nordrhein-Westfalen. Friederike Pohl, Vorsitzende des Behindertenbeirates, deren Mann Cornelius im Rollstuhl sitzt, verweist in Remscheid auch auf den Bahnhof Güldenwerth, der bislang nicht barrierefrei ist.

Ein weiteres Problem am Bahnhof: Fäkalien auf Spielplatz, Müll auf Gleisen

Mehr Mitsprache

Eine politische Forderung äußerte die Beiratsvorsitzende Friederike Pohl gestern beim Pressegespräch: „Der Behindertenbeirat fällt immer hinten über, wir brauchen mehr Mitspracherecht.“ Dazu gehöre auch eine Namensänderung. Angestrebt wird, ihn in Inklusionsrat umzubenennen.

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