Verkehr

Bahn: Jahrzehnt der Baustellen droht

Fährt ab Sonntag stündlich von Lennep (drei nach halb) und Remscheid Hbf. (acht nach halb) nach Düsseldorf: der RE 47.
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Fährt ab Sonntag stündlich von Lennep (drei nach halb) und Remscheid Hbf. (acht nach halb) nach Düsseldorf: der RE 47.
  • Andreas Weber
    VonAndreas Weber
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Im Bahnverkehr drohen durch eine marode Infrastruktur langfristige Probleme. Der RE 47 wird nicht in Lüttringhausen und Güldenwerth halten.

Remscheid. Dass es einen störungsfreien Bahnbetrieb in den kommenden Jahren geben wird, davon ist nicht auszugehen. Im Rat der Stadt standen Jochen Auler, Geschäftsführer der Vias GmbH (Frankfurt), die die S7 betreibt, und Georg Seifert, Abteilungsleiter beim Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (Gelsenkirchen), den Kommunalpolitikern angesichts der nicht endenden Störungen und Ausfälle im Schienenverkehr Rede und Antwort. Bettina Stamm (echt.Remscheid) rechnete den beiden Gästen vor, dass es auf der S7 allein in den vergangenen fünf Tagen zu 28 Ausfällen gekommen sei. Die Gründe dafür sind mannigfaltig.

VRR-Mitarbeiter Georg Seifert teilte sie in drei neuralgische Bereiche: Infrastruktur, Fahrzeuge und Personal. Die neun Loks, die Vias bei der S7 einsetzt, seien nicht das Problem. Die hohen Krankenstände außer Acht gelassen, die bei bis zu 20 Prozent liegen, sei auch die Personalfrage in den Griff zu bekommen. Was die Infrastruktur beträfe, sah Seifert jedoch rabenschwarz: „Wir werden ein Jahrzehnt der Baustellen erleben, weil es einen riesigen Sanierungsbedarf gibt.“ Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz merkte bitter an: „Wenn man 50 Jahre in Autos und Autobahnen investiert hat, tritt eben das ein, was jetzt passiert.“

Vieles läuft im Bahnbetrieb noch nicht rund: Georg Seifert, VRR-Abteilungsleiter.

Taktausdünnungen, Totalsperrungen, kurzfristige Ausfälle, Reisezeitverlängerungen, mangelhafte Kommunikation – „Vieles auf der S7 in den vergangenen anderthalb Jahren hat nicht dem entsprochen, was wir uns als Aufgabenträger vorgestellt haben“, entschuldigte sich der VRR-Vertreter. Dabei sei die notwendige „Hauruck“-Aktion, der Wechsel von der insolventen Abellio auf die Vias Rail („Für den uns viele in der Branche für verrückt gehalten haben“) glimpflich abgegangen, stellte Georg Seifert fest. 95 Prozent des Personals von Abellio habe der neue Betreiber übernehmen können. Anfangs haperte es vor allem an der Fahrzeugverfügbarkeit. Von neun waren nur vier oder fünf im Betrieb. „Ersatzteile auf dem Eisenbahnmarkt haben leider eine lange Lieferzeit“, bedauerte Jochen Auler. Da der VRR nach dem Abellio-Aus die Notmaßnahme nur für zwei Jahre aussprechen durfte, erfolgte für Dezember 2023 eine neue Vergabe. Dann wird die Transdev Rhein Ruhr die Vias ablösen. Auch die wird mit den branchenüblichen Problemen auf den Gleisen kämpfen.

„Bei der Fahrgast- information haben wir noch Luft nach oben.“

Georg Seifert, VRR

Für die Regiobahn, die am Sonntag die stündliche Direktverbindung Remscheid-Düsseldorf aufnimmt, dämpfte Seifert die Vorfreude: „Auch die Regiobahn kämpft mit Krankenständen beim Wartungs- und Fahrpersonal. Es kann zu Ausfällen kommen.“ Diese sieht die Regiobahn jedoch nicht. „Wir stellen einen leicht erhöhten Krankenstand fest. Dieser führt aktuell aber nicht zu betrieblichen Einschränkungen“, erklärte Raphael Au, für Verkehrs- und Qualitätsmanagement zuständig, auf RGA-Anfrage.

Georg Seifert gab dem mehrfach von Ratspolitikern geäußerten Vorwurf recht, dass die Fahrgastinformationen oft zu kurzfristig seien. „Da gib es noch Luft nach oben“, gelobte Seifert im Namen der Betreiber Besserung.

Nach anfänglichen Problemen 2022 rollt die Fahrzeugflotte: Jochen Auler, Vias-Geschäftsführer.

Keine Hoffnung weckte er, dass der RE 47 zusätzliche Halte in Lüttringhausen und Güldenwerth einrichten werde. Es sei schwierig genug gewesen, diese Taktung mit dem Bahnhof Lennep und Hauptbahnhof hinzubekommen. Weitere Stopps seien ausgeschlossen. Allein die sanierungsbedürftige Bahninfrastruktur in Lüttringhausen erlaube dies nicht.

Dringend gesucht werden Lokführer. „Wenn sich einmal eine Lücke beim Personal aufgetan hat, dauert es anderthalb Jahre um diese zu schließen“, erklärte Georg Seifert und fasste alle Optionen ins Auge: Man bemühe sich Frauen für eine Ausbildung zu begeistern, denke aber auch an Migranten. Jochen Auler: „Wir freuen uns über jede Bewerbung und suchen Leute, die Lust auf diesen spannenden Job haben.“ Auch wenn die Arbeitszeiten, die mitten in der Nacht beginnen, nicht die besten seien, so sei Vias bestrebt, die Bedingungen so zu gestalten, dass sie nicht gesundheitsschädlich und ausreichend Ruhezeiten vorgesehen sind.

Fahrplanwechsel

S 7: Die Fahrten nach Düsseldorf entfallen. Gibt es keine kurzfristigen Ausfälle, soll der „Müngstener“ zu den Zeiten wie bisher fahren. Nur noch seltener wird die Strecke auf den Bereich zwischen Lennep und Solingen Hbf reduziert.

Anschlüsse ab Solingen und Wuppertal: Es gibt mehr schnelle Bahnverbindungen nach Nord- und Süddeutschland. Die Deutsche Bahn richtet zusätzliche Direktverbindungen von Solingen in Richtung Hamburg sowie nach Süddeutschland in Richtung Mannheim, Stuttgart und München ein. Von Wuppertal aus geht es weiterhin stündlich per ICE Richtung Hannover und Berlin.

Busse: Die Stadtwerke passen ihren Fahrplan teils an den RE 47, teils an den fortschreitenden Umbau des Busbahnhofs auf dem Friedrich-Ebert-Platz an. Alle Änderungen im Überblick:

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