Standorte verkauft

Bären-Apotheke hat neue Inhaberin

Sie kennen einander seit vielen Jahren: Ingeborg Gebhardt und Stefan Grote. Gestern verabschiedete der Bezirksbürgermeister des Südbezirks die Apothekerin mit einem Glas echtem Remscheider Honig. Foto: Doro Siewert
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Sie kennen einander seit vielen Jahren: Ingeborg Gebhardt und Stefan Grote. Am Montag verabschiedete der Bezirksbürgermeister des Südbezirks die Apothekerin mit einem Glas echtem Remscheider Honig.

Nach mehr als 30 Jahren Selbstständigkeit tritt Ingeborg Gebhardt deutlich kürzer.

Von Manuel Böhnke

Remscheid. Mit einem ungewohnten Gefühl wird Ingeborg Gebhardt am Dienstag vermutlich aufwachen. Zum ersten Mal seit 1988 trägt sie dann keine unternehmerische Verantwortung mehr. Nach 32 Jahren Selbstständigkeit, davon mehr als 20 in Remscheid, tritt die 58-Jährige deutlich kürzer. Sie hat ihre Bären-Apotheke mit Standorten im Zentrum-Süd und an der Alleestraße verkauft. „Das fällt mir sehr schwer. Meine Mitarbeiter und ich haben die ganze Woche geheult“, sagt sie schmunzelnd.

Ihre Wurzeln hat die gebürtige Schwäbin in Biberach an der Riß. Auch ihre Ausbildung machte sie im Ländle: An der Universität Tübingen studierte sie Pharmazie, ist seit 1987 approbierte Apothekerin. Zunächst betrieb sie eine Apotheke im Schwarzwald, später in Thüringen. 1999 zog es sie nach Remscheid.

„Feiern konnten die Bären schon immer.“
Ingeborg Gebhardt

„Wir wollten aus Thüringen weg und waren auf der Suche nach attraktiven Standorten“, erzählt sie. Im damals neuen Zentrum-Süd wurde Gebhardt fündig. Bereut hat sie diesen Schritt nie: „Mein Sohn ist hier zur Welt gekommen. Remscheid ist unsere Heimat geworden.“ Immer wieder haben sich im Laufe der Jahre ihre Wege mit Stefan Grote (SPD) gekreuzt. Am Montag verabschiedete der Bezirksbürgermeister des Südbezirks Gebhardt mit echtem Remscheider Honig. Der Seestadt auf dem Berge bleibt sie aber erhalten.

Zumindest die meiste Zeit des Jahres. Denn die 58-Jährige plant, deutlich öfter zu verreisen, sobald das wieder möglich ist. „Ich freue mich darauf, mehr Zeit für mich zu haben“, erzählt sie. Ganz dem Berufsleben den Rücken kehrt Gebhardt allerdings noch nicht. Die Pharmazeutin plant, sich als Apotheken-Beraterin selbstständig zu machen. „Ich will mir rausnehmen können, auch mal vier Wochen nicht zu arbeiten, dafür aber zwischendurch eine 60-Stunden-Woche durchzuziehen.“

Die gehörten in den vergangenen Jahrzehnten zu Ingeborg Gebhardts Arbeitsalltag. Zum Standort im Südbezirk gesellte sich 2005 eine Bären-Apotheke in Radevormwald, 2008 folgte die Filiale an der Alleestraße. Mehr als 60 Mitarbeiter zählte das Unternehmen zwischenzeitlich, noch heute sind es mehr als 50. Die zu koordinieren, ist ein zeitaufwendiges Unterfangen. Selbst beraten hat Ingeborg Gebhardt deshalb nur noch selten. „Dafür war einfach keine Zeit mehr, weil Bürokratie und Dokumentation immer mehr Raum einnehmen“, bemängelt sie. Viele Apotheker klagen über diese Entwicklung. Trotzdem würde Gebhardt, die ein Studium zur praktischen Betriebswirtin für Pharmazie vorweisen kann, ihren beruflichen Weg heute wieder einschlagen: „Wenn man einem Kunden weiterhelfen konnte, ist der Tag gerettet.“

Ein Thema, das viele Pharmazeuten beschäftigt, sind Nachwuchssorgen. Davon ist die 58-Jährige jedoch größtenteils verschont geblieben. Ihr Vorteil: Viele Mitarbeiter habe sie jahrelang halten können. Teils arbeiten sie seit 1999 in der Bären-Apotheke.

Dementsprechend gut ist Gebhardts Verhältnis zu ihren Kollegen, dementsprechend schwer fällt ihr nun das Abschiednehmen. Auch viele Kunden wird sie vermissen. „Wenn ich hier in der Nähe einkaufen gehe, muss ich eine halbe Stunde länger einplanen, weil ich so viele Menschen treffe“, erzählt sie lachend.

Die müssen sich nicht neu orientieren. Sowohl die Filiale im Südbezirk als auch der Standort an der Allee bleiben erhalten. Jasmin Tomcin übernimmt. An sie hat Gebhardt vor knapp drei Jahren bereits ihre Apotheke in Radevormwald verkauft. „Damit ist der Bären-Verbund wieder komplett“, sagt Gebhardt. Als größte Herausforderung für ihre Nachfolgerin hat sie die Einführung des E-Rezeptes und die Digitalisierung im Allgemeinen ausgemacht. Wenn sie darüber spricht, wirkt die 58-Jährige nicht traurig darüber, bei dieser Entwicklung nicht in der ersten Reihe zu stehen.

Am Montag hat sich Ingeborg Gebhardt via Zoom von ihren Kollegen verabschiedet. Sobald es Corona zulässt, möchte sie mit einer großen Party „Tschüss“ sagen. Denn: „Feiern konnten die Bären schon immer.“

Apothekenzahl

Weil sie eine Nachfolgerin gefunden hat, wirkt sich Ingeborg Gebhardts Abschied nicht negativ auf die Zahl der Apotheken in Remscheid aus. 19 gibt es derzeit in der Stadt. Damit ist ein klarer Abwärtstrend erkennbar: Anfang der 2000er Jahre gab es in Remscheid noch 35 Apotheken, zehn Jahre später waren es bereits lediglich noch 24.

Eine Studie der Commerzbank zeigt den Umgang bergischer Firmen mit dem Coronavirus.

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