Nachfrage hoch

E-Mobile: Darum brauchen Käufer viel Geduld

Jan Beeck, Chef des Autohauses Aurego, steht nach eigenen Worten den Herstellern täglich auf den Füßen.
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Jan Beeck, Chef des Autohauses Aurego, steht nach eigenen Worten den Herstellern täglich auf den Füßen.
  • Axel Richter
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Putins Krieg beschleunigt die Stromer-Nachfrage. Doch die Lieferzeiten liegen zurzeit zwischen 9 und 18 Monaten. Die Gründe sind vielfältig.

Remscheid. Einen Opel Corsa als E-Mobil? Kommt frühestens in neun Monaten. So lange muss Geduld haben, wer sich den Stromer zulegen möchte. Und die Konkurrenz ist nicht schneller. Auf seinen neuen ID.3 von VW wird Thomas Grigutsch insgesamt 18 Monate warten. „Ich hoffe, dass ich ihn im Januar bekomme“, sagt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Bergischen Industrie- und Handelskammer.

Nicht jeder Autokäufer hat so viel Geduld. Im Gegenteil überlegen sich längst viele, ihre Bestellung wieder rückgängig zu machen und doch lieber den Verbrenner zu nehmen. Wobei die Lieferzeiten auf die Benziner auch nicht viel geringer ausfallen. Dennoch stellt sich mit den Problemen der Autobauer, in der Energiekrise steigende Nachfrage nach E-Mobilen befrieden zu können, eine grundsätzliche Frage: Wie soll so die Mobilitätswende gelingen?

„Das ist eine gute Frage“, sagt Jan Beeck, Geschäftsführer der Aurego GmbH, eines der größten Autohäuser im Bergischen Land mit Niederlassungen in Wuppertal und Remscheid. „Wir stehen den Herstellern nahezu täglich auf den Füßen und müssen unsere Kunden doch auch täglich um Verständnis bitten.“

„Die Kräwi scheint ja ein Hotspot der E-Mobilität zu sein.“

Roland Kirchner, WiR

Schon vor dem Ukraine-Krieg hatte die Nachfrage nach batteriebetriebenen Fahrzeugen im bergischen Großstädtedreieck deutlich zugelegt. Das zeigte sich auch in den Zulassungszahlen. Waren 2021 unter den rund 63 000 insgesamt zugelassenen Fahrzeugen gerade einmal 304 E-Mobile auf Remscheids Straßen unterwegs, sind es in diesem Jahr 701.

Das hat auch mit den Fördergeldern zu tun, die der Staat für den Kauf eines E-Mobils oder Hybrid-Fahrzeugs gab. Damit ist im neuen Jahr Schluss: Für den Hybrid zahlt Vater Staat gar nicht mehr, die Förderung der E-Mobilität wird heruntergefahren. Das bedauern nicht einmal Hersteller und Verkäufer. „Es macht ja keinen Sinn, eine Nachfrage zu fördern, die nicht befriedigt werden kann“, sagt Thomas Grigutsch, der Mann von der IHK.

Schon die Corona-Pandemie und die Unterbrechung der globalen Lieferketten sorgten dafür, dass die Hersteller mit den Bestellungen nicht nachkamen. Putins Krieg hat die Automobilindustrie nun völlig ausgebremst. Das liegt auch daran, dass viele der Kabelbäume, die in den Benzinern verbaut sind, in der Ukraine gefertigt werden. Das könnte den Umstieg auf Elektroautos beschleunigen. Doch auch in vielen E-Auto-Werken stehen die Bänder inzwischen still.

Ungeachtet dessen treiben die Kommunen den Ausbau des Ladenetzes voran, denn so die Prognose der Autobauer: „Langfristig gibt es nur eine Richtung für die Zukunft der Elektromobilität, nämlich steil nach oben.“ Auch in Remscheid plant die EWR GmbH (EWR) deshalb den Bau neuer Ladestationen. 26 Ladesäulen mit 52 Ladepunkten gibt es bereits. Mehr als 30 neue Ladepunkte sind geplant.

Über die Frage, ob die Standorte immer klug gewählt sind, herrscht in der Politik Uneinigkeit. „Die Kräwinkler Brücke scheint ja ein wahrer Hotspot der E-Mobilität zu sein“, spottete jüngst Roland Kirchner von der Wählergemeinschaft. Industrie und Handel fordern: „Ladekapazitäten gehören in die Innenstädte. Dorthin, wo die Menschen wohnen und arbeiten.“

Diese Ladestellen gibt es: Tiefgarage Rathaus, Autohaus Aurego, Emil-Nohl-Straße (Gewag), H2O, Gertenbachstraße 32, Zentralpunkt, Friedrich-Ebert-Platz, Röntgen-Museum, Möbel Knappstein, Kräwinkler Brücke, Parkhaus Allee-Center.

Die sind geplant: Martinstraße, Tannenhof, Stadion Reinshagen, Richard-Lindenberg-Platz, Alte Kölner Straße, Daniel-Schürmann-Straße, Hof Güldenwerth.

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