Aufwertung der Innenstadt

Außengastronomie: Wirt stößt mit Aufwertung an Grenzen

Möchte die Außengastro vor seiner Kneipentür weiter stärken: Gastwirt Tino Calculli am Markt 15.
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Möchte die Außengastro vor seiner Kneipentür weiter stärken: Gastwirt Tino Calculli am Markt 15.
  • Andreas Weber
    VonAndreas Weber
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Tino Calculli möchte Aufenthaltswert vor seiner Kneipe „Bei Tino“ erhöhen, kommt aber mit der Stadt nicht überein.

Remscheid. Am Mittag des 14. April diesen Jahres gab sich die Rathausspitze am Markt und in der Alten Bismarckstraße ein Stelldichein. Mit dort ansässigen Gastronomen wurde die Einweihung von Außenterrassen gefeiert. Weil bei der Innenstadtumgestaltung die Erfolge bislang ansonsten kaum nennenswert sind, war die Stärkung der Gastronomie in der Ausgehmeile ein personell entsprechend gewürdigtes Top-Ereignis. Dass es bei der 270 000 Euro teuren Maßnahme noch hakt, war schon bei der Eröffnung sichtbar. Denn Mobiliar, das gekauft worden war, ließ sich teilweise nicht nutzen, weil die Holzstege schmaler ausfielen, als den Betreibern kommuniziert worden war.

An der Breite liegt es bei Tino Calculli nicht. Aber: Vor seiner Kneipe am Markt 15 bekam er nicht die geplanten 30 Quadratmeter, sondern nur 25. Mit der Folge, dass er einen kleinen Teil seiner gekauften Tische und Stühle nicht nutzen kann. Der 46-jährige Gastronom verschmerzt dies, weil die mit einem riesigen Sonnenschirm überdachte Terrasse an sich eine Attraktion ist. Gleichwohl hängt Calculli weiter in der Luft. Mit hohem finanziellen Einsatz will er den Aufenthaltswert erhöhen, stößt aber im Rathaus an Grenzen.

Den Raucher-Pavillon, den sein Vorgänger Pino Candia angeschafft hatte, musste Tino Ende letzten Jahres entfernen. Die Stadt hatte das Sondernutzungsrecht dafür gekündigt, mit der Aufforderung, die Qualm-Ecke binnen einer Woche abzubauen. „Das war das Weihnachtsgeschenk von der Stadt an mich“, meint Calculli mit bitterem Unterton. Der Pavillon steht mittlerweile bei seinem Heimatverein, dem TS Struck. Auf ihn will er gerne verzichten, möchte aber stattdessen vor dem Eingang einen Bierwagen aufbauen zwischen seiner Terrasse und der des Nachbarn, „Rocky´s Castello“. An der Stelle steht momentan ein Zigarettenautomat, „den man aber ohne weiteres versetzen kann“, findet Calculli.

„Bei Tino“: Bierwagen wurde von der Stadt erst gestattet, dann untersagt

Der mobile, zwei Meter breite Ausschank ist seit über einem Jahr gekauft und harrt seines Einsatzes. Klein und kompakt ist er. Die Sache mit dem Bierwagen gestaltet sich jedoch extrem schwierig. Ein Leerrohr für die Versorgungsleitungen ist vor dem Bau der Terrasse bis in Tinos Keller verlegt worden. Damals wurde Calculli von städtischer Seite bestätigt, dass dieses auch für Trinkwasser- und Abwasserschlauch ausreichend sei.

Davon sei nun keine Rede mehr, meint Calculli. Der Bierwagen, in den der Wirt über 16 000 Euro investiert hat, droht noch aus einem anderen Grund, nicht zum Einsatz zu kommen. Denn die Denkmalbehörde ist hellhörig geworden. Keine hundert Meter entfernt liegt nämlich die Stadtkirche und Tinos Bierwagen wäre möglicherweise in einer Schutzzone.

„Bei Tino“: Gastwirt schreibt wütenden Brief an Oberbürgermeister Burkhard Mast -Weisz

Auch seitens des Brandschutzes wird Kritik geübt. Wenn, soll er seinen Wagen aus Sicherheitsgründen 7,50 Meter vom Haus entfernt platzieren. Warum die Stadt auf diese Überlegung kommt, erschließt sich Calculli nicht. „Denn die Holzterrasse, die im Zweifelsfall noch viel leichter brennt, steht nur 2,50 Meter von meinem Eingang entfernt. Da frage ich mich, wie die jemand in der Verwaltung genehmigen konnte.“ Dass an der Standsicherheit seines Sonnenschirms gezweifelt wird, der an die Eisenverstrebungen unter dem Boden fixiert ist, versteht Tino Calculli ebenso wenig. „Da könnte ein Panzer reinfahren und es würde sich nichts verbiegen.“ Die Stadt sähe aber lieber ein weiteres Fundament für den Schirm, das jedoch in ihrer Planung nicht vorgesehen war.

Sich mit viel Geld einzubringen und zur Steigerung der Attraktivität in einem Szeneviertel beizutragen, gleichzeitig von der Bürokratie ausgebremst zu werden, nervt. Verärgert schrieb Tino Calculli jüngst eine E-Mail an Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz, in der er sich über das Hin und Her im Rathaus beschwerte. „Ich habe die Faxen dicke“, klagt Calculli. Von Baudezernent Peter Heinze hat der Gastwirt prompt telefonisch eine Antwort bekommen: Die Stadtverwaltung werde sich nach den Sommerferien um die Angelegenheit kümmern.

Hintergrund

Am Markt und in der Alten Bismarckstraße stärken seit April fünf Terrassen aus Lärchenholz die Außengastro. 200 000 Euro kostete das Projekt, plus 70 000 Euro für den Tiefbau. Das Fundament legte der MyViertel-Verein, der sich um Nachbarschaftshilfe, Straßenfeste und die Kneipenszene kümmert. Der Anstoß kam von den Wirten Niklas Bergmann und Tino Calculli und dem Ex-Innenstadtmanager Jonas Reimann.

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