Azubis fürs Handwerk

Welche Ausbildung passt zu mir? Hier gibt´s Tipps, Tests und Hilfe

Beratung für das Leben nach der Hauptschule: (v.l.) Dr. Christian Uibel, Jörg Zimmermann, Anna-Daniela Butte-Reiter, Sylvia Morasch. Foto: Roland Keusch
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Beratung für das Leben nach der Hauptschule: (v.l.) Dr. Christian Uibel, Jörg Zimmermann, Anna-Daniela Butte-Reiter, Sylvia Morasch.
  • Andreas Weber
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Im frisch eingerichteten Beratungspoint in der Wilhelmstraße werden die Jugendlichen auf den Beruf vorbereitet.

Remscheid. Noch stehen die Hauptschüler bisweilen scheu vor dem Eingang zur ehemaligen Hausmeisterwohnung im 1. Stock des Hauptschulgebäudes Wilhelmstraße und wissen nicht recht, ob sie reinspazieren dürfen. Doch die einladenden Gesten von Anna-Maria Butte-Reiter und Sylvia Morasch lassen keinen Zweifel: Im Beratungspoint ist jeder willkommen, die Türen zum Gespräch stehen jederzeit offen. Frisch eingerichtet, findet sich hier die geballte personelle Kompetenz für das, was Hauptschüler im Anschluss an das zehnte Schuljahr benötigen: eine Ausbildungsstelle, die ihren Neigungen entspricht.

Der Beratungspoint erweitert das Angebot der Berufsorientierungsbüros (BOB), die es an allen NRW-Schulen gibt. Neben dem Besprechungszimmer und der Teeküche reihen sich die Büros bestens vernetzter Ansprechpartner aneinander. Zum einen Anna-Daniela Butte-Reiter, ehemalige Handwerksmeisterin, die sich seit ihrem Friseurmeister 2005 um benachteiligte Jugendliche kümmert, die Berufseinstiegsbegleitung wertschätzen lernte und seit Oktober 2018 an der Hauptschule beschäftigt ist.

Berufspraktika sind in der Stufe 9 und 10 ein wichtiger Baustein

Vom Kolping-Bildungswerk kennt sie ihre heutige Kollegin, die Diplom-Pädagogin Sylvia Morasch. Nummer 3 und 4 im Bunde sind die Berufseinstiegsbegleiter Jörg Zimmermann und Melanie Konopka, die sich das dritte Büro teilen und in Diensten des Kolping-Bildungswerks stehen. Auch Dr. Christian Uibel, Berufswahlkoordinator an der Hauptschule schaut hier vorbei. In enger Zusammenarbeit mit Susanne Kuhstoß von der Agentur für Arbeit werden die Schüler behutsam an einen realistischen Berufsweg herangeführt.

„Alle wollen in die Industrie“, beobachtet Jörg Zimmermann. Bei den Jungen liegt der Zerspanungsmechaniker vorne, Mädchen präferieren Erzieherin oder medizinische Fachangestellte. Butte-Reiter weist die jungen Leute gerade in der Corona-Zeit auf eins hin: „Denkt mal nach: Wer hat in der Pandemie seinen Job verloren? Die Handwerker waren es bestimmt nicht.“ Maler, Installateure oder Schreiner. Alle Betriebe suchen händeringend Nachwuchs.

Um die Hauptschüler auf die Fährte zu setzen, besuchen sie in der Stufe 8 die „Talentschmiede“ in der Gelben Villa, um an 27 Stationen den Spaß für einem Beruf zu entdecken. Stufe 9 bringt ein zweiwöchiges Blockpraktikum. „Wenn es Sinn macht, schließen sich Langzeitpraktika an, die einmal wöchentlich die Bindung zu den Betrieben intensiviert“, erklärt Sylvia Morasch. Die Abschlussklassen in der 10 bleiben weiter am Ball. Typ A/B werden in ein weiteres Blockpraktikum geschickt, an das sich für Typ A (Abschluss nach Klasse 10) weitere Langzeitpraktika anschließen können.

Beratungspoint ist Kummerkasten für alle Lebenslagen der Schüler

„Aus unserer Schule rekrutiert sich die Fachkraft fürs Handwerk“, betont Morasch. Rund 40 Prozent unterschreiben nach dem Abschluss einen Vertrag. Dabei kommt es nicht so sehr auf die Noten an. „Zuverlässigkeit, Teamfähigkeit, gutes Benehmen und ein Händchen für den späteren Beruf sind für die Arbeitgeber wichtig“, weiß Butte-Reiter. Selbst über die Schule hinaus werden die Hauptschüler in ihren Ausbildungsbetrieben begleitet. „Wir schnüren das Rundum-Sorglos-Paket“, versichert Butte-Reiter.

Schluss gemacht mit dem Freund, Busticket eingezogen, Brille passt nicht mehr, Zahnspange wackelt – der Beratungspoint ist Kummerkasten für alle Lebenslagen der Schüler. Vor allem beim Schreiben von Bewerbungen und Lebensläufen sowie dank der Vernetzung mit Tipps für Ansprechpartner und Lehrstellen. Auch skeptische Eltern holen die Berater ins Boot. „Gerade bei Migranten-Eltern herrscht nämlich oft die vorgefertigte Meinung: Mach kein Handwerk, das ist zu anstrengend“, meint Jörg Zimmermann.

Berufswahlsiegel

Passend zum jungen Beratungspoint an der Dependance Wilhelmstraße der Hauptschule Hackenberg ist die Schule für vier Jahre rezertifiziert worden mit dem Berufswahlsiegel NRW der Bergischen Unternehmerverbände.

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