Hydro wird Fertinger Tube

Aus einer Sorge 2020 wird eine Perspektive 2021

Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (l.) und Baudezernent Peter Heinze (2. v. r.) besichtigen mit Geschäftsführer Veit Schmid-Schmidsfelden, Betriebsleiter Ralf Reuber und dem Betriebsratsvorsitzenden Thilo Klünder (v. l.) das Fertinger-Werk in Lennep. Foto: Doro Siewert
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Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (l.) und Baudezernent Peter Heinze (2. v. r.) besichtigen mit Geschäftsführer Veit Schmid-Schmidsfelden, Betriebsleiter Ralf Reuber und dem Betriebsratsvorsitzenden Thilo Klünder (v. l.) das Fertinger-Werk in Lennep.

Österreichischer Mittelständler engagiert sich in Lennep und rettet 80 Arbeitsplätze.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Als im vergangenen Sommer der norwegische Konzern Hydro ankündigte, seinen Standort in Lennep schließen zu wollen, waren rund 130 Arbeitsplätze in Gefahr. Einige Monate später stand fest: Mehr als 80 der Jobs können gerettet werden, der österreichische Mittelständler Fertinger übernimmt das Remscheider Unternehmen und benennt es in Fertinger Tube GmbH um. Nun stellten sich die neuen Besitzer, mit ein wenig pandemiebedingter Verzögerung, der Öffentlichkeit vor.

„Ich bin schon ein bisschen ein Remscheider geworden“, bekannte Veit Schmid-Schmidsfelden, geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensgruppe, im Gespräch mit Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz. Das Bergische Land sei die metallverarbeitende Region in Deutschland. „Es gibt hier eine Tradition, die man spüren kann.“ Ein Ball, den der OB gern aufnahm: „Willkommen zu Hause“, begrüßte er den Österreicher.

Firma hat „gute Wachstumschancen“

Über fünf Standorte mit zusammen rund 530 Mitarbeitern verfügt die Gruppe nun, drei davon in Österreich, einer in Polen und eben den in Lennep. Hergestellt werden insbesondere Rohre aus Aluminium, die in Wärmetauschern verbaut werden, zum Beispiel in Öl- oder Batteriekühlern. Etwa 45 Kunden in 22 Ländern hat die Firma, überwiegend weltweit tätige Konzerne aus dem Bereich Automotive. „Wir liefern diese Rohre nach Mexiko und China, weil es die dort in dieser Qualität nicht gibt“, sagt Schmid-Schmidsfelden.

Der Markt habe zwar durch Corona einen „empfindlichen Dämpfer“ erfahren, langfristig erwarte man aber gute Wachstumschancen, so der Geschäftsführer: „Wir haben uns das im Rahmen der Akquisition sehr genau angeschaut.“ In den kommenden Jahren rechne man mit Zuwächsen von sieben Prozent pro Jahr.

Wir liefern diese Rohre nach Mexiko und China, weil es die dort in dieser Qualität nicht gibt.

Veit Schmid-Schmidsfelden

Und das nicht trotz, sondern teils wegen der Umbrüche, die der Mobilitätsbranche bevorstehen. Auch E-Fahrzeuge und vor allem Hybrid-Autos würden Kühler wie die aus Lennep benötigen, betont Schmid-Schmidsfelden: „Mit Hybrid werden wir weiter wachsen.“

Dabei bleiben die Lenneper eine eigenständige GmbH, deren Geschäftsführer Veit Schmid-Schmidsfelden und sein Kollege Andreas Zwerger sind. Geführt werden soll das Unternehmen aber insbesondere vor Ort von einem Team um Betriebsleiter Ralf Reuber. Der 56-jährige Ingenieur aus Attendorn im Sauerland heuerte im April an. „Unsere Philosophie sind sehr selbstständig geführte Werke“, sagt Schmid-Schmidsfelden.

Oberbürgermeister zeigt sich über Übernahme erleichtert

Gleichwohl erhoffe man sich Synergieeffekte innerhalb der Gruppe, die zum 1. Juni auch einen neuen Namen bekommt, was Veit Schmid-Schmidsfelden exklusiv in Lennep bekanntgab: Innerio Group. Dabei stehe der erste Teil für Innovation, während der zweite den Klang von Air Condition, also dem englischen Wort für Klimaanlage, aufgreife, erklärt Veit Schmid-Schmidsfelden: „Das hat eine gewisse Leichtigkeit.“

Erleichtert zeigt sich der Oberbürgermeister: „Aus der Sorge 2020 ist die Perspektive 2021 geworden.“ Er lud Fertinger und Innerio in das Netzwerk der Stadt ein, erinnerte an Institutionen wie das BZI, die Forschungsgemeinschaft Werkzeuge und Werkstoffe und die Bergische Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft. „Wir haben sicherlich nicht den niedrigsten Gewerbesteuersatz“, bekannte Mast-Weisz. Deswegen sei man bemüht, den Unternehmen vor Ort als verlässlicher Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen: „Wenn es der Wirtschaft in der Stadt gut geht, geht es der Stadtgesellschaft gut.“

Hintergrund

Gegründet wurde Fertinger 1944 in Wien, die zweite Generation der Unternehmerfamilie verkauft die Firma 2002 an eine Beteiligungsgesellschaft. Heute sitzt das Unternehmen im niederösterreichischen Wolkersdorf im Weinviertel.

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