Nach dem Fest ist es voll in den Geschäften

„Nach-Weihnachtswelle“: Warum jetzt so viel los ist in den Geschäften

Nach dem Fest werden die Gutscheine umgesetzt, so auch bei Günter Mäueler im Saturn. Bis etwa Donnerstag noch für Unterhaltungselektronik, schätzt der Geschäftsführer. Danach sind vor allem Fondues und Ähnliches für Silvester gefragt.
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Nach dem Fest werden die Gutscheine umgesetzt, so auch bei Günter Mäueler im Saturn. Bis etwa Donnerstag noch für Unterhaltungselektronik, schätzt der Geschäftsführer. Danach sind vor allem Fondues und Ähnliches für Silvester gefragt.
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Gutscheine, Geldgeschenke und Freizeit: Der Einzelhandel hat auch nach dem Fest gut zu tun. Das hat entgegen landläufiger Meinung kaum mit Umtausch zu tun.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Fast schien es, als wollte das Weihnachtsgeschäft in eine zweite Runde gehen: In der Remscheider Innenstadt war am Dienstag stellenweise richtig was los, vor allem am frühen Nachmittag füllten sich Straßen wie Geschäfte. „Der Tag nach Weihnachten ist schon immer ein starker Tag für uns“, sagt Günter Mäueler, Geschäftsführer des Saturn-Marktes im Allee-Center. „Eigentlich ist die ganze Woche stark.“

Allerdings nicht, wie der Volksmund vielleicht zu wissen meint, weil unpassende Geschenke umgetauscht werden. Diese Annahme verbannt Mäueler ins Reich der Mythen. Die lange Schlange am Service-Schalter seines Geschäfts habe einen anderen Grund gehabt, versichert der Geschäftsführer: „Da werden Online-Bestellungen abgeholt.“ Denn zum Fest habe es Gutscheine und Bargeld gegeben, beides werde nun umgesetzt. „Die Leute haben ja Zeit.“

Ähnliches berichtete Cornelia Wüllenweber, Filialleiterin beim Bekleidungshaus Boecker auf der Alleestraße. Schon seit Jahren werde nach den Feiertagen immer weniger umgetauscht, hat sie beobachtet: „Die meisten kaufen inzwischen sehr gezielt, da werden die Wünsche vorher konkret besprochen.“

Wenn dafür keine Zeit blieb, seien oft Gutscheine verschenkt worden, so Wüllenweber. „Die gingen vor allem in den letzten Tagen vor Weihnachten sehr gut.“ Und anders als bei Unterhaltungselektronik, wo es gerade bei gefragten Produkten nach wie vor zu Lieferschwierigkeiten kommen kann, hätten es die Beschenkten bei Kleidung offensichtlich nicht allzu eilig, diese einzulösen. „Die sind ja lange haltbar“, sagt Cornelia Wüllenweber. Und im Januar kommen erst Rabatte auf Winter-Ware und dann schon die ersten neuen Teile.

Laut Handelsverband Deutschland waren Gutscheine auch 2022 wie schon im Vorjahr das beliebteste Weihnachtsgeschenk, gefolgt von Spielwaren, Büchern und Schreibwaren. „Wer einen nicht ausdrücklich befristeten Gutschein unter dem Weihnachtsbaum entdeckt, kann ihn im Geltungszeitraum von drei Jahren ab Ende des Kaufjahres einlösen“, betont der Verband. Gutscheine aus diesem Jahr sind also in der Regel bis Ende 2025 gültig.

Rechtlich eindeutig ist auch die Situation beim Umtausch: Einen Anspruch gibt es bei Kauf vor Ort nämlich meist nicht. „Wenn nicht schon beim Kauf schriftlich zugesichert wurde, dass das Geschenk umgetauscht werden kann, muss es kein Händler zurücknehmen, weil es Ihnen nicht gefällt“, sagt die Verbraucherzentrale NRW. Nur bei Defekten gebe es ein Recht auf Reklamation, ansonsten sei man auf die Kulanz des Verkäufers angewiesen.

„Wer ein Weihnachtsgeschenk umtauschen möchte, sollte das persönliche Gespräch mit dem Händler suchen“, rät der Handelsverband. Gerade rund um Weihnachten kämen viele Geschäfte ihren Kunden mit Kulanzangeboten entgegen.

Denn egal, wie gezielt die Kunden inzwischen kaufen, daneben greifen kann immer mal passieren. „Gerade war jemand da, der hatte ein Playstation-Spiel gekauft, der Beschenkte besitzt aber eine X-Box“, berichtet Günther Mäueler. Solche Fälle seien meist schnell erledigt.

Noch bis etwa Donnerstag dauere die Nach-Weihnachtswelle an, schätzt der Saturn-Geschäftsführer. So lange verkaufe man vor allem Handys, Spielekonsolen und andere Unterhaltungselektronik. Ab dem 30. Dezember seien erfahrungsgemäß ganz andere Geräte gefragt. „Dann kommen die Leute rein und kaufen noch schnell eine Raclette oder ein Fondue, weil sie beim Auspacken gemerkt haben, dass ihres kaputt ist.“

Das Weihnachtsgeschäft

Von einem „Wechselbad für den Handel“ spricht der Handelsverband NRW mit Blick auf das zurückliegende Weihnachtsgeschäft. Nachdem sich anfänglich rund die Hälfte aller Geschäfte zufrieden gezeigt hätten, sei die Zufriedenheit in der vierten Adventswoche auf ein knappes Viertel gesunken, sagt Geschäftsführer Thomas Schäfer. Selbst wenn der Umsatz zum Jahresende nominell gestiegen sei, spiegel das wohl nur die Preissteigerungen wider.

Standpunkt von Seven Schlickowey: Freude ohne Rennerei

sven.schlickowey@rga.de

Was nicht passt oder gefällt, wird einfach umgetauscht. Das ist längst selbstverständlich, obwohl es darauf gar keinen Rechtsanspruch gibt. Aber der Einzelhandel vor Ort weiß, und das nicht erst seit Amazon und Co. im Netz lauern, dass nur zufriedene Kunden wiederkommen.

Doch siehe da: So viel, wie der Volksmund meint, wird nach dem Fest gar nicht umgetauscht, sagen die Händler, weil die Menschen sich vorher absprechen. Oder gleich Gutscheine verschenken. Zugegeben, kleine Umschläge machen nicht so viel her wie große Pakete, und bei vorher vereinbarten Geschenken leidet die Spannung ein wenig, dafür ersparen diese Varianten dem Beschenkten manche Rennerei.

Beim Schenken geht es doch darum, eine Freude zu machen. Und das klappt halt am besten mit Geschenken, mit denen der Beschenkte auch wirklich etwas anfangen kann.

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