Gemessen wird schon vor dem Blitzen

Für das Aufstellen von Starenkästen gibt es klare Regeln

Weil auf der Lenneper Straße nachts auf einem relativ kurzen Stück Tempo 30 gilt, steht hier – anders als an der Freiheitstraße – eine fest installierte Blitzanlage. Foto: Roland Keusch
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Weil auf der Lenneper Straße nachts auf einem relativ kurzen Stück Tempo 30 gilt, steht hier – anders als an der Freiheitstraße – eine fest installierte Blitzanlage.

Die Chancen, dass Forsten einen weiteren Blitzer bekommt, stehen schlecht.

Von Sven Schlickowey

Remscheid Manfred Dolezych ist enttäuscht. Als es vor einigen Monaten hieß, die Ortschaft Forsten an der Grenze zu Hückeswagen bekomme einen Blitzer, hatte er fest damit gerechnet, dass dieser in der eigentlichen Hofschaft, da wo Tempo 30 ist, aufgestellt würde.  Direkt vor seinem Haus komme es immer wieder zu brenzligen Situationen, weil sich Autofahrer nicht ans Tempolimit halten, berichtet Dolezych: „Ich wäre ja schon froh, wenn die Leute 50 fahren würden.“ Da könne eine solche Anlage sicher helfen.

Doch die Blitze wurde ein paar hundert Meter weiter aufgestellt, hinter der Ortschaft. Und das aus gutem Grund, wie Jürgen Beckmann, Leiter des Remscheider Ordnungsamtes, erläutert: „Die Anlage wurde dort auf Veranlassung der Unfallkommission installiert.“ In der Kommission kommen regelmäßig Experten zusammen und analysieren das Unfallgeschehen. „Die Beschlüsse sind bindend“, sagt Beckmann. „Wir können überlegen, wie wir es machen. Aber nicht ob.“

Ähnliches gelte für jeden Ort, an dem der Verkehr überwacht werde, egal ob mit einer stationären Anlage oder aus einem Fahrzeug heraus, sagt Jürgen Beckmann: „Wir müssen immer einen Grund haben, dass wir blitzen dürfen.“ Das könnten unter anderem schutzbedürftige Personen sein, vor Schulen und Kindergärten zum Beispiel. Aber auch Unfallschwerpunkte und Baustellen. Oder wenn zuvor festgestellt wurde, dass an dieser Stelle viele Autofahrer zu schnell unterwegs sind.

Solche Stellen wiederum findet das Ordnungsamt häufig nach Hinweisen aus der Bevölkerung. So auch zuletzt in Forsten. Während die stationäre Anlage unten im Tal wegen fehlender Stromversorgung noch nicht lief, stand in der Hofschaft einige Tage lang der semistationäre Blitzer, den die Stadt vor einiger Zeit angeschafft hatte, um vor allem das nächtliche Tempo 30 an der Freiheitstraße zu überwachen.

„Ich habe der Stadt angeboten, mein Grundstück zu nutzen.“
Manfred Dolezych, Anwohner in Forsten

„Es hatte Beschwerden von Anwohnern gegeben“, berichtet Beckmann. Weil die Straße zwischen Hückeswagen und Radvormwald derzeit gesperrt ist, führt eine Umleitungsstrecke über Forsten und Lüdorf. Mit der Zunahme des Verkehrs hätten auch die Geschwindigkeitsverstöße zugenommen, vermuteten die Anwohner.

„Wir haben versucht, das nachzuhalten“, sagt Beckmann. „Und die Sorge war berechtigt.“ Doch das sei nicht immer so, sagt der Ordnungsamtsleiter: „Die subjektive Wahrnehmung wird durch die objektiven Messungen nicht immer bestätigt.“

Gibt es aber einen objektiven Grund für eine Geschwindigkeitsüberwachung, richtet das Ordnungsamt einen sogenannten Messpunkt ein, immer in Absprache mit der Polizei. Ein solcher Messpunkt dient dann entweder in unregelmäßigen Abständen als Standort für ein Überwachungsfahrzeug, dessen Einstellungen immer auf den jeweiligen Ort angepasst werden müssen. Oder dauerhaft für eine stationäre Anlage.

Das richte sich oftmals nach den örtlichen Gegebenheiten, erklärt Beckmann. Sowohl auf der Lenneper Straße als auch auf der Freiheitstraße gilt zum Beispiel nachts aus Lärmschutzgründen Tempo 30. Doch während es sich bei der Lenneper Straße um ein relativ kurzes Stück handelt, auf dem kaum Platz für ein Überwachungsfahrzeug oder den semistationären Blitzer wäre, würde eine stationäre Anlage an der viel längeren Freiheitstraße eventuell dafür sorgen, dass Autofahrer sich nur an deren Standort ans Tempolimit halten. Entsprechend steht an der Lenneper Straße eine feste Säule, während an der Freiheitstraße die semistationäre Anlage an wechselnden Punkten zum Einsatz kommt.

Die Chancen, dass Forsten einen weiteren Blitzer bekommt, stehen aber schlecht. Obwohl die semistationäre Anlage viele Fahrer erwischt hat. Denn wenn die Straße zwischen Hückeswagen und Rade wieder frei ist, dürfte auch der Verkehr abnehmen. Trotzdem hält Manfred Dolezych an seiner Forderung fest – und hat auch schon einen Standort dafür ins Auge gefasst: „Ich habe der Stadt angeboten, mein Grundstück zu nutzen“, berichtet er. „Die könnten auch den Strom von mir haben.“

Haushalt

Durch Bußgelder steuert das Ordnungsamt Jahr für Jahr einen siebenstelligen Betrag zum städtischen Haushalt bei. Dabei werden aber nicht alle Knöllchen auch zu Geld. Klagt ein Fahrer zum Beispiel vor Gericht, geht eine eventuelle Strafe an die Justiz- statt die Stadtkasse.

Im Mai und Juni zog allein der neue Blitzer, der überall am Straßenrand platziert werden kann, 2250 Verfahren nach sich.

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