Coronavirus

Auf die Pandemie folgt Personalmangel

Im und am Allee-Center ist das Leben zurückgekehrt. Viele Menschen zieht es derzeit in die Innenstadt. Foto: Roland Keusch
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Im und am Allee-Center ist das Leben zurückgekehrt. Viele Menschen zieht es derzeit in die Innenstadt.
  • Frank Michalczak
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Gaststätten fehlen zunehmend Mitarbeiter – Allee-Center verzeichnet deutliche Belebung.

Remscheid. Nach der monatelangen Zwangspause dürfen Geschäfte und Gaststätten zwar wieder öffnen – von Normalität kann aber noch keine Rede sein. Dies ist die Kernaussage, die Vertreter aus Handel und der Gastronomie abgeben. Aber es gibt dabei Lichtblicke, wie der Manager des Allee-Centers, Nelson Vlijt, aufzeigt. Die Menschen kehren zum Einkaufsbummel zurück: „Seit dem Wegfall von Test- und Terminverpflichtung begrüßen wir teilweise doppelt so viele Kundinnen und Kunden, als es noch im Mai der Fall war“, zieht er eine positive Bilanz.

Sommerfeste und runde Geburtstage werden wieder in Gaststätten gefeiert

Für ein erstes Fazit in der Gastro-Branche sei es noch zu früh, sagt Markus Kärst, Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Remscheid. „Einige Kollegen öffnen ja erst in diesen Tagen.“ Erfreulich sei jedoch die große Reservierungsnachfrage. Nachdem größere Treffen wieder erlaubt sind, kämen zahlreiche Gäste dann doch auf die Idee, „ihren 40. oder 50. Geburtstag zu feiern“, erklärt Kärst. „Außerdem planen manche Betriebe nun ein kleineres Sommerfest.“

Nelson Vlijt freut sich über Rückkehr der Kunden.

Als Problem stelle sich in vielen Gaststätten aber Personalmangel dar. Im Zuge der Pandemie hätten zahlreiche Mitarbeiter berufliche Alternativen gefunden. Den Wirten fehlten vor allem Aushilfskräfte. „Viele von ihnen haben in den Testzentren Arbeit gefunden“, sagt der Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands, dem rund 100 Betriebe in Remscheid angehören. Dass ihnen Mitarbeiter abhandengekommen sind, habe in manchen Fällen Folgen: „Die Inhaber müssen Öffnungszeiten verändern, einen weiteren Ruhetag eingelegen. Und das, obwohl wir ja jetzt richtig durchstarten wollen“, hebt Kärst hervor. „Aber ohne Personal geht das eben nicht.“

Markus Kärst beklagt Personalmangel.

Klaus Kreutzer, Vorsitzender des Handelsverbands in der Region Bergisches Land, spricht von einer „Verunsicherung“, die bei den Kunden nach der Pandemie-Pause vorherrscht. „Das ist ja auch kein Wunder. Diese Zeit hat bei uns allen Spuren hinterlassen.“

Remscheid: Kundenstimmung schwankt zwischen Freude und Gereiztheit

„Inhaber müssen Öffnungszeiten verändern, einen weiteren Ruhetag einlegen.“

Markus Kärst über den Personalmangel in den Gaststätten

Er bekomme aus der Geschäftswelt in Remscheid und den umliegenden Städten ein unterschiedliches Stimmungsbild gespiegelt. „Viele Kunden freuen sich sehr über das Wiedersehen mit dem Händler und darüber, dass sie die Waren wieder dreidimensional vor sich sehen. Es ist eben ein anderes Einkaufserlebnis als im Internet.“ Andererseits stellen seine Kollegen bei manchen Kunden auch eine gewisse Gereiztheit fest.

„Auch dies ist sicher auf den Lockdown zurückzuführen“, sagt Kreutzer, der sich darüber freuen würde, wenn das Infektionsgeschehen so weit zurückgeht, dass die Maskenpflicht entfällt. Denn auch diese sei ein Hindernis für einen unbeschwerten Einkaufsbummel. „Und auch für die Mitarbeiter ist es alles andere als angenehm, die Maske acht Stunden auf der Nase zu haben – erst recht nicht bei dieser Hitze“, erklärt der Vorsitzende des Handelsverbands.

Klaus Kreutzer hofft auf ein Ende der Maskenpflicht.

Von deutlicher Belebung spricht derweil Center-Manager Nelson Vlijt. „95 Prozent unserer Shops sind wieder geöffnet, die restlichen bereiten die Öffnung aktuell vor.“ Die meisten Geschäfte hätten die letzten Monate „trotz der herausfordernden Umstände“ so gemeistert, dass es nur zu einzelnen meist bundesweit bekannten Insolvenzen gekommen sei.

„Dazu gehörten im Allee-Center die Insolvenzen der Filialisten Esprit, Galeria Reisen, CCC Shoes und Bonita“, zählt der Manager auf, der sich aber zuversichtlich zeigt: „Die aktuellen Lockerungen führen dazu, dass auch Gespräche mit potenziellen neuen Mietpartnern frischen Wind erhalten.“

Hintergrund

Nachdem Remscheid durch die rapide gesunkenen Infektionszahlen die Inzidenzstufe 1 erreicht hat, dürfen die Gastronomen nun auch wieder ihre Innenräume öffnen – ohne dass die Gäste einen Negativ-Test vorlegen müssen. Diese sind aber noch für Partys nötig, die außen für bis zu 100 und innen für 50 Besucher gestattet sind.

Standpunkt: Lokalen Handel nutzen

frank.michalczak@rga.de

Kommentar von Frank Michalczak

Leerstände im Allee-Center, Personalmangel in zahlreichen Gaststätten – das sind nur zwei Hinterlassenschaften der Corona-Krise. Ihre Folgen werden noch viele Jahre hinweg spürbar sein und unseren Alltag überschatten. Wie sehr die Pandemie nachhaltig den Einzelhandel verändern wird, gleiche einem Blick in die Glaskugel, erklärt Verbandsvorsitzender Klaus Kreutzer. Da hat er recht: Mag sein, dass im Zuge der Pandemie noch mehr Menschen die Internet-Einkäufe für sich entdeckt haben. Mag aber auch sein, dass sich nun wieder mehr Kunden auf die Dienstleistung und den Service ihres Händlers vor Ort besinnen. Dass der persönliche Kontakt unschätzbar viel Wert ist, hat Corona vor Augen geführt. Hoffentlich profitiert der lokale Handel von dieser Erkenntnis. Denn allen muss klar sein: Ohne Umsätze hat er keine Chance zu überleben. Wer ausschließlich online bestellt, darf sich daher nicht wundern, dass die Innenstädte weiter veröden. Es kommt auf jeden einzelnen Verbraucher an, dem Abwärtstrend mit seinem Einkaufsverhalten zu begegnen.

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