Juso-Chef wirft CDU-Fraktion „Getöse ohne Herzblut“ vor

Auch Christdemokraten begrüßen Projekt „Ein Baum für jedes Baby“

Der Wassersack hilft jungen Bäumen.
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Der Wassersack hilft jungen Bäumen.

Auch die CDU-Ratsfraktion fordert, dass für jedes Baby, das in Remscheid zur Welt kommt, ein Baum gepflanzt wird.

Remscheid. Sie greift damit ein Projekt auf, das im Kommunalwahlprogramm 2020 stand. Dazu soll die Stadtverwaltung ein Konzept entwickeln und die voraussichtlichen Kosten ermitteln.

Die Christdemokraten folgen dem Beispiel ihrer Parteifreunde in Rade, die das Projekt in der Nachbarstadt vorantreiben. „Wir fänden es schön, wenn diese Bäume nicht einzeln im Stadtgebiet stünden, sondern eine eigene Waldfläche entsteht“, erklären Fraktionschef Markus Kötter und Bernd Quinting, Sprecher der CDU im TBR-Betriebsausschuss. „Dies wäre ein Zeichen der Willkommenskultur für unsere Neubürgerinnen und Neubürger.“ Attraktive, gepflegte und abwechslungsreiche Grünflächen seien in einer dicht bebauten Stadt wie Remscheid wertvoll für das Mikroklima. Mit einem identischen Vorstoß („Ein Baum für jedes Baby ab 2022“) hatten sich vor zwei Wochen die Remscheider Jusos zu Wort gemeldet.

Daniel Pilz, Vorsitzender der SPD-Nachwuchsorganisation, schlug vor, entweder eine freie städtische Fläche auszumachen oder durch Umweltbedingungen entstandene große Lücken im Forstgebiet aufzufüllen. „Am ehesten befürworten wir eine einheitliche Fläche, auf der ein neuer Remscheider Generationen-Wald entstehen kann“, erklärt Pilz. Die Idee verbinde Klimaschutz mit einem sozialen Aspekt.

Dass die Christdemokraten den Vorstoß unterstützen, begrüßt Daniel Pilz. Dies lasse auf eine breite Mehrheit im Stadtrat hoffen. Dennoch reagieren die Jusos verärgert. Das Verhalten der CDU-Fraktion nennen sie „problematisch“. Daniel Pilz kritisiert: „Offenbar geht es den Kolleginnen und Kollegen nicht um das Projekt, jedem Baby zur Geburt einen Baum zu schenken, vielmehr scheint es wieder einmal um die eigenen Parteilorbeeren zu gehen und aus einem schönen Projekt einen Parteien-Zirkus zu veranstalten.“

Die vermeintlichen „Herzensthemen“ der CDU aus dem Wahlkampf hätten bereits in den letzten eineinhalb Jahren in die entsprechenden Gremien gebracht werden können. Das sei nicht nur für eine Oppositionspartei möglich, es sei, wie allgemein bekannt, auch deren parlamentarische Aufgabe. „Offenbar handelte es sich hierbei nur um leeres Wahlkampfgetöse ohne viel Inhalt und leider mit nur wenig Herzblut“, geht Pilz die CDU scharf an. zak/AWe

Kommentar: Ermüdendes Gezänk

Von Axel Richter

axel.richter @rga.de

Gemessen an der Wortwahl ließe sich annehmen, die SPD sei mit der CDU in einer für Remscheid bedeutenden Frage aneinandergeraten. Ist sie aber nicht. Es geht um ein Kinderwäldchen, in dem für jedes Neugeborene, das in Remscheid zur Welt kommt, ein Bäumchen gepflanzt wird. Das ist eine sympathische Idee. Mehr aber auch nicht. Es lohnt sich nicht, darüber zu streiten. Und richtig peinlich wird es, wenn es im öffentlich ausgetragenen Parteienstreit darum geht, wer denn wohl als erster die Idee dazu hatte. Angesichts der riesigen Herausforderungen, vor denen Remscheid zu Beginn dieses Jahres steht, sollten sich die Parteien vergleichbare Auseinandersetzungen schenken. Es sei denn, sie wollen die ihnen verbliebenen Wählerinnen und Wähler vollends langweilen. Wer wie die beiden größten Ratsfraktionen Gestaltungswillen für sich reklamiert, der muss Antworten auf die großen Zukunftsfragen unserer Stadt liefern. Wie die Stadt mehr Tempo für ihre Erneuerung aufnehmen kann zum Beispiel. Oder wie Remscheid nicht weiter seine jungen Bürgerinnen und Bürger an andere Städte verliert. Darüber darf, darüber muss gestritten werden. Stattdessen? Geht es in Remscheid ermüdend lange schon um parteipolitische Geländegewinne auf Kosten des politischen Gegners. Und das zu allem Überfluss viel zu oft auf Kinderwäldchen-Niveau.

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