Weltweite Trauer

Auch Bergische trauern um die Queen

Eintrag ins Goldende Buch des NRW-Landtages in Düsseldorf. Dietmar Stark durfte der Queen den Stift reichen. Später bedankte sie sich mit einem Bild mit Widmung bei dem Protokollchef.
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Eintrag ins Goldende Buch des NRW-Landtages in Düsseldorf. Dietmar Stark durfte der Queen den Stift reichen. Später bedankte sie sich mit einem Bild mit Widmung bei dem Protokollchef.
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2004 besuchte Elizabeth II. Düsseldorf: Ein Radevormwalder führte Protokoll, die Symphoniker spielten.

Von Axel Richter

Remscheid. Der Tod ihrer Königin lässt die Briten innehalten. Nicht als Pflichtübung. „Man merkt ihnen den Verlust an“, sagt die Remscheiderin Michelle Jünger. Der RGA erreichte seine Volontärin im Urlaub auf dem Weg in die Stadt York in Mittelengland. „Unserem Hotelier, den wir gerade verlassen haben, geht das extrem nahe“, sagt Michelle Jünger.

Nicht nur bei den eigenen Bürgern, auch bei Menschen im Bergischen Land hat Elizabeth Eindruck hinterlassen. Dabei gibt es kaum jemanden, der ihr so nahekam wie Dietmar Stark. 2004 organisierte der SPD-Politiker aus Radevormwald als Protokollchef den Besuch der Königin im Düsseldorfer Landtag. Dabei kam es zu einem viertelstündigen Vier-Augen-Gespräch, das er nicht vergessen wird.

„Ich dachte zunächst, ich hätte etwas falsch gemacht“, erzählt Dietmar Stark. Hatte er nicht, aber das sollte sich erst später aufklären. Stark war verantwortlich für jeden Programmpunkt, für jedes Händeschütteln und jeden Auftritt. Auch für den der Bergischen Symphoniker.

Queen Elizabeth II. ist tot - Charles III. wartet auf Krönung

Für das große Ensemble gab es im Landtag zu wenig Platz. Also trennte der Protokollführer die Musiker, und Romely Pfund musste in ungewohnter Weise den Taktstock nach links und nach rechts schwingen.

Gespielt wurden „My Fair Lady“ und natürlich der „Pomp and Circumstance March No. 1“ natürlich. Der Queen gefiel es offensichtlich, denn sie wippte mit dem Fuß mit und bestellte den Cheforganisator ins Düsseldorfer Ständehaus, wo sie ihr königliches Haupt eigentlich für eine Stunde zur Ruhe betten sollte. Stattdessen ließ sie Stark mit einem Wagen vorfahren.

„Sie wollte sich persönlich bedanken für die Vorbereitung“, erzählt der 69-Jährige. Als kleines Dankeschön hielt sie ein Bild von sich und Prinz Philip samt Widmung bereit. „Es war der beeindruckendste Staatsempfang, den ich erlebt habe“, sagt der Protokollchef von damals. „Trotzdem können Sie sich denken: Als sie wieder im Flieger saß, ist alles von mir abgefallen.“

„Während im Königreich so einiges schief ging, stand sie für Anstand.“

Robin McKenzie Chadwick, Bergische Symphoniker

Der Musiker Robin McKenzie Chadwick gehörte schon damals zu den Bergischen Symphonikern. Beim Besuch seiner Königin ließ der Kanadier seine Violine für sie erklingen. Heute ist er ebenso traurig wie viele seiner Landsleute. „Die Queen stand über der oft schmutzigen Politik. Während im Königreich einiges schief ging, stand sie für Anstand und Moral.“

Sven Wolf verpasste den damaligen Besuch der Queen in Düsseldorf dagegen um sechs Jahre. Der SPD-Mann ist erst seit 2010 Mitglied des Landtages. Und von Kindesbeinen an ein Englandfan und Royalist, wobei sich die Begeisterung für die Monarchie auf das britische Königshaus beschränkt. Das zeigt sich auch bei ihm zu Hause, wo die Queen von Tellern und Tassen winkt. „Dort heißt es dann schon mal: Bring bloß keine neuen Becher mit“, erzählt Wolf.

Bei allem Sinn für Kitsch und Tand, die ihn mit vielen Verehrern der Queen vereint: Die Trauer der Briten hat auch für ihn nichts Aufgesetztes. „Ob Tories oder Labour, ob upper oder working class - alle haben über ihre Königin immer mit größtem Respekt gesprochen.“ Vor vier Wochen noch saß Wolf selbst im Garten von Schloss Balmoral, wo die Queen am Donnerstag verstarb. „Das ist eine wunderschöne Anlage“, sagt der Schottland-Urlauber und findet darin etwas Tröstliches: „An diesem Ort friedlich einzuschlafen, ist vielleicht auch ein Geschenk“, sagt er.

Michelle Jünger, die beim RGA die Ausbildung zur Redakteurin genießt und aktuell durch Großbritannien reist, stellt sich unterdessen auf einen anderen Urlaub ein als geplant. Viele Konzerte und Ausstellungen sind abgesagt, viele Pubs geschlossen. Am Sonntag wird sie nach London reisen. Ins Zentrum des Gedenkens an Queen Elizabeth II.

Flaggen

Flaggen auf Halbmast.

Am Donnerstagabend erreichte die Nachricht vom Tod der Queen den Stadtrat, der zur gleichen Zeit zu einer regulären Sitzung in der Aula der Albert-Einstein-Gesamtschule zusammengekommen war. Auf die Bitte des Oberbürgermeisters erhoben sich die Mitglieder von ihren Sitzen und verharrten in einer Schweigeminute. Vor dem Rathaus wehen die Europa-, Deutschland- und NRW-Flagge auf Halbmast. Die Stadt folgt damit einer Anordnung von Innenminister Herbert Reul (CDU). Zusätzlich zog sie den britischen Union Jack auf. Das sei auch ein Zeichen der Solidarität in Richtung Ashington und Newbiggin-by-the-Sea, den beiden Partnerstädten Remscheids im Nordosten Englands.

Die Welt trauert um Queen Elisabeth. Eine ihrer Vorgängerinnen kam aus dem Bergischen Land. 

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