Sternenhimmel

Ohne Reparatur sind Remscheids einzigartige Fernrohre gefährdet

Die Fernrohre mit einer Brennweite von 1,98 bzw. 2,50 Meter können Sonne, Mond, Planeten, Kometen, Sterne und Galaxien beobachten: Peter Kalbitz mit Vorstandskollegin Erika Welp.
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Die Fernrohre mit einer Brennweite von 1,98 bzw. 2,50 Meter können Sonne, Mond, Planeten, Kometen, Sterne und Galaxien beobachten: Peter Kalbitz mit Vorstandskollegin Erika Welp.
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Der Astronomische Verein bittet die Stadt bei der Wartung der Dr.-Hans-Schäfer-Sternwarte im Bismarckturm um Unterstützung.

Von Andreas Weber

Remscheid. Die Dr.-Hans-Schäfer-Sternwarte im Bismarckturm muss gewartet und repariert werden. Der Astronomische Verein als Mieter bittet den Eigentümer, die Stadt, um Unterstützung. 15.000 Euro an Kosten haben die Sterngucker errechnet. Die Summe ist nicht hoch, gleichwohl: „Die Arbeiten, insbesondere an der Kuppel, sind dringend notwendig, da sonst eindringendes Regenwasser und Schnee den Zustand der wertvollen, einzigartigen Fernrohre und der Kuppel verschlechtern und den Betrieb gefährden“, befürchtet Peter Kalbitz, der 2. Vorsitzende.

Die Sternwarte gibt es seit über 50 Jahren

Eindringendes Regenwasser und Schnee können den Betrieb gefährden.

Peter Kalbitz, 2. Vorsitzender

Die beiden in München gefertigten Linsenfernrohre aus 1878 und 1887 sind nach Recherchen seiner Betreiber mit die ältesten in Deutschland, wenn nicht weltweit, die aktiv für Beobachtungen des Firmamentes eingesetzt werden.

Ein Türschloss muss ersetzt werden, ein defekter Schalter an der Kuppeldrehung sowie Schneebürsten am Kuppelspalt. Des Weiteren müssen die Kuppelrollen ausgetauscht, die Kuppelspaltmechanik gängig gemacht und der Kuppellaufkranz entrost und geschmiert werden.

Bezirksbürgermeister Otto Mähler hat sich bei der Stadtspitze für schnelle Abhilfe eingesetzt und will auch die BV Alt-Remscheid überzeugen, aus ihrem Verschönerungstopf Mittel beizusteuern. Von Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz gibt es nach Abstimmung mit der Kämmerei die Zusicherung, den Beobachtungsposten auf 22 Meter Höhe instandzusetzen. Mit dem Solinger Andreas Berger hätte der Verein einen Spezialisten an der Hand, der selber mal Mitglied in Remscheid war und sich mit seiner Firma Astrogeräte bestens in Wartungen auskennt.

Verein will am Tag des Denkmals am 11. September teilnehmen

Der städtische Gebäudemanager Thomas Judt wird die Mängelbehebung koordinieren. Dass dies bis 11. September klappt, ist unwahrscheinlich. Am Tag des Denkmals würde der Astronomische Verein erstmals nach mehr als zwei Jahren Pause gerne ohne Einschränkungen Gäste in der Volkssternwarte begrüßen. Traditionell wird die Öffentlichkeit sonntagnachmittags für 90 Minuten zur Sonnenbeobachtung eingeladen. Als einziger Verein in Deutschland bieten die Remscheider auch regelmäßig geführte Sternwanderungen an, die am H2O in Hackenberg starten. Das Schmuckstück des Vereins aber bleibt der 27 Meter hohe Bismarckturm am Stadtpark, mit seiner fünf Meter hohen Kuppel an der Spitze.

Blick vom Rundgang auf den Stadtkegel in der Innenstadt: Der Lenneper Peter Kalbitz schaut gerne in den Himmel, aber auch ins Umland.

Am 15. Juni 1901 wurde das dicke Mauerwerk aus Naturstein eingeweiht. Hochgezogen vom Remscheider Verschönerungsverein als Aussichtsturm mit Öffnungen, die damals noch ohne Fenster waren. Für Burkhard Mast-Weisz ist es ein „Ankerpunkt des Tourismus“, Otto Mähler schwärmt von dem „Remscheider Highlight mit der gigantischen Fernsicht“. Auch Peter Kalbitz weiß um das Privileg, von diesem erhabenen Ort in das Sonnensystem zu blicken, die vier galileischen Monde des Jupiter, die Gaseruptionen an der Sonne oder den Ringnebel in der Leier ins Visier zu nehmen.

Der verstorbene Physiklehrer am Leibniz, Dr. Hans Schäfer, ebnete dafür den Weg. Auf sein Betreiben wurde der im 2. Weltkrieg von der Royal Air Force zur Ruine zerbombte Turm von 1963 bis 1968 zu einer Volkssternwarte ausgebaut. 18 Jahre dirigierte Schäfer die beiden Linsenfernrohre gen Universum.

1982 stieg der Astronomische Verein ein. Die Stadt überließ ihm kostenlos die Nutzung des Gemäuers, von dessen Rundgang auf 22 Meter Höhe ein 360-Grad-Panorama bis zu 100 Kilometern in die Hohe Venn, in jedem Fall bis Düsseldorf und Köln winkt. IT-Fachmann Kalbitz blickt bis zu seinem Arbeitgeber, Thyssenkrupp Steel in Duisburg. Die Vereinsmitglieder haben den unvergleichlichen Aussichtspunkt „Balkon des Bergischen Landes“ getauft.

Lesen Sie auch: Remscheids Stadtbild soll aufgehübscht werden

Hintergrund

Wer mehr über die Volkssternwarte und den Verein mit seinen 55 Mitgliedern wissen will, der neben Sonnenbeobachtungen und Wanderungen zu interessanten Vorträgen in sein Turmstübchen einlädt, geht auf sternwarte-remscheid.de

Standpunkt von Andreas Weber: Hans Schäfer hatte Recht

andreas.weber@rga.de

Sternenbeobachter Dr. Hans Schäfer hatte ein Ziel: Unter der Kuppel des Bismarckturms sollte jeder Remscheider einmal gewesen sein, hatte er einst formuliert. Weil es so schön, so lehrreich, so faszinierend ist. Nicht nur, weil hier die Sterne zum Greifen nahe sind.

Wer sich auf dem Rundgang in luftiger Höhe über dem Stadtpark und dem Schützenplatz eine Auszeit gönnt, seinen Blick bis zum Rhein bei Dormagen, dem Rheinischen Braunkohlerevier mit Kraftwerken und Abraumhalden und der Hohen Acht in der Eifel schweifen lässt, wird die 129 Stufen in dem bei Hitze angenehm kühlen Gemäuer runtersteigen mit der Erkenntnis, dass es keinen besseren Panoramablick in dieser Stadt gibt.

In der Heimat ist es doch am schönsten. Dafür lohnt es sich, die Perspektive zu wechseln und Schäfer zu folgen. Noch haben viele Remscheider dieses Ausflugsziel nicht entdeckt. Sie sollten es schleunigst nachholen und dem Himmel über Remscheid näherkommen.

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