Prozess

Angeklagte muss Anwaltskosten selbst tragen

Strafprozess um Flucht nach einem Verkehrsunfall.
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Strafprozess um Flucht nach einem Verkehrsunfall.

Landgericht stellt Verfahren um Unfallflucht gegen Geldzahlung ein.

Von Dirk Lotze

Remscheid. Mit Zahlung von 1000 Euro für eine gemeinnützige Einrichtung beendet eine 48 Jahre alte Angeklagte aus Remscheid ihren Strafprozess um Flucht nach einem Verkehrsunfall, bei dem es durch Glück bei Sachschaden geblieben war. Laut Anklage war die Frau im Solinger Stadtteil Widdert mit einem fremden Auto zusammengestoßen und weggefahren, ohne ihre Personalien aufnehmen zu lassen. Zur Berufung im Landgericht Wuppertal gab sie zu: Es kann sein, dass der Vorwurf stimmt. Damit vermeidet die nicht vorbestrafte Frau ein Urteil mit Geldstrafe. Der Vorsitzende Richter fasste zusammen: „Es braucht hier niemand zu Kreuze zu kriechen.“

Thema des Verfahrens war ein Geschehen vom Oktober 2019: Die Angeklagte fuhr mit ihrem Sportcoupé Opel Tigra rückwärts von einem Parkplatz auf eine Hauptverkehrsstraße – als gerade ein Linienbus kam. Sie zog weiter zurück und soll dabei einen Pkw getroffen haben, der auf der gegenüberliegenden Straßenseite parkte. Im Gericht erläuterte die Frau, sie habe den elektrisch betriebenen Oberleitungsbus zunächst nicht kommen sehen: „Ich hab’ mich erschrocken.“

Zeugen konnten Knall des Zusammenstoßes im Bus hören

Der Busfahrer, inzwischen 69 Jahre alt und im Ruhestand, und ein Fahrgast sagten aus, sie hätten den Knall des Zusammenstoßes gehört. Der Fahrer ergänzte: Die Angeklagte sei Richtung Innenstadt davon gefahren, ohne sich umzublicken. Er habe mit dem Bus einen Zusammenstoß mit dem Tigra verhindert, indem er auswich und bremste. Durch Glück wurde niemand im Bus verletzt. Zeugen riefen die Polizei und gaben eine Beschreibung des flüchtenden Opels durch, nebst Kennzeichen.

Die Besatzung der alarmierten Funkstreife rückte mit Blaulicht an, entdeckte durch Zufall den gesuchten Wagen im Verkehr und stoppte ihn. Die Angeklagte soll zunächst gesagt haben, sie wisse, worum es geht.

„Der Busfahrer ist schuld! Den zeige ich an!“

Angeklagte an der Unfallstelle

Mit der Polizei zurück am Unfallort soll die Frau allerdings von dieser Linie abgerückt sein. Sichtlich aufgebracht habe sie erklärt, sie habe nichts bemerkt. Womöglich habe sie eine Laterne getroffen. Dann wiederum soll sie gerufen haben: „Der Busfahrer ist schuld! Den zeige ich an!“ Der 85 Jahre alte Besitzer des beschädigten Autos sagte darüber: „Für mich war das schon ein Geständnis.“ Später habe die Frau ihm angeboten, sein Auto billiger unter der Hand reparieren zu lassen. Das sei ihm ebenfalls verdächtig vorgekommen. Er habe Gutachten und Reparatur offiziell über die Herstellerwerkstatt abgewickelt. Die Versicherung der Angeklagten habe bezahlt.

Die Wende hin zum Einräumen eines möglichen Fehlers erspart der Angeklagten die Kosten für Gericht und Unfallsachverständigen. Sie muss ihren Anwalt für die Verhandlungen in Amts- und Landgericht selbst zahlen, weil sie nicht rechtsschutzversichert ist. Während des Verfahrens war für mehrere Monate ihr Führerschein sichergestellt. Der Einstellung des Verfahrens hat die Staatsanwaltschaft zugestimmt.

Passend zum Thema: Versuchter Totschlag: 36-Jähriger angeklagt

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