Anwohner im Morsbachtal machen sich große Sorgen

Alte Deponie besteht Stresstest im Starkregen

Steil hinab bis in die Hofschaft Morsbach: Die alte Deponie ist ein imposanter Anblick und liefert gigantische Ausblicke. Aber die Hanglage sorgt bei intensivem Niederschlag auch für Probleme im Tal. Foto: Michael Schütz
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Steil hinab bis in die Hofschaft Morsbach: Die alte Deponie ist ein imposanter Anblick und liefert gigantische Ausblicke. Aber die Hanglage sorgt bei intensivem Niederschlag auch für Probleme im Tal.
  • Andreas Weber
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CDU bat TBR-Leitung zum Ortstermin.

Remscheid. 125 Meter beträgt der Höhenunterschied der alten Deponie an der Solinger Straße. Der höchste Punkt liegt bei 270 Meter über dem Meeresspiegel. Gigantisch ist der Blick vom Plateau des 17 Hektar großen Rekultivierungsareals runter ins Morsbachtal. Die Bewohner im Tal blicken auf den riesigen Baukörper, der zum Teil schon wieder begrünt ist, mit Respekt, aber auch mit Angst.

Immer wenn der Himmel seine Schleusen öffnet, befürchten die Morsbacher, dass die Konsequenzen sie treffen könnten. Nicht nur einmal vermeldete der RGA: Bei Starkregen säuft die Hofschaft ab. Letztmalig war dies im Juni 2018 der Fall. Etwas mehr als drei Jahre später prasselte das als „Jahrtausendereignis“ bezeichnete Unwetter in einer nie dagewesenen Intensität auch auf den Steilhang ein.

Zwar gab es nach dem 14./15. Juli bei den Technischen Betrieben Remscheid (TBR) zwei Anrufe von Anwohnern im Morsbach, denen die Keller vollgelaufen waren, aber insgesamt habe die terrassenförmig angelegte Fläche den Stresstest bestanden, resümierte TBR-Chef Michael Zirngiebl. Bei einem Gespräch mit der CDU traten er und sein Kollege Ulrich Dreesen Befürchtungen entgegen. Fraktionschef Markus Kötter, Karl Heinz Humpert und Norbert Schmitz, der als Morsbacher die Verhältnisse vor Ort sehr gut kennt, hatten um einen Ortstermin gebeten, weil im Umfeld der alten Deponie immer wieder Besorgnis geäußert, gar von „Angst“ gesprochen wird. Die TBR-Vertreter hielten fest, dass der Regen keinen Abrutsch ausgelöst habe. „Es ist viel ausgewaschen worden, abgeschwemmt und in den Rinnen gelandet, aber für eine solch exponierte Fläche ist bei dieser unfassbaren Wucht der Natur wenig passiert“, bilanzierte Zirngiebl.

TBR wollen Sicherheitssysteme der Deponie an der Solinger Straße kritisch durchleuchten

Insgesamt habe der Abfluss unten in den verrohrten Vieringhauser Bach und den Mischwasserkanal weitgehend funktioniert. Allerdings sei es bei der Übergabe von den Gräben in den Bach zu Verstopfungen gekommen, die von der Feuerwehr direkt freigemacht wurden. Auch seien unmittelbar nach dem Niederschlag die Straßen in der Hofschaft von der braunen Brühe und dem Dreck gereinigt worden, erklärte Zirngiebl. Der Leiter der Technischen Betriebe versicherte aber auch, dass jetzt noch einmal alle Sicherheitssysteme kritisch durchleuchtet, Verbesserungen geprüft würden. So sollen die Gräben gereinigt und ausgebessert und möglicherweise zusätzlicher Rückhalteraum geschaffen werden.

Für diese exponierte Fläche ist bei dieser unfassbaren Wucht der Natur wenig passiert.

Michael Zirngiebl, TBR-Chef

Insgesamt habe die vorgeschriebene Vorschüttung, die 2002 begonnen und 2018 abgeschlossen wurde, ihre Wirkung entfaltet und die Standsicherheit über der ehemaligen Hausmüllkippe, die bis 1976 betrieben worden war, erhöht. Acht Millionen Euro wird die Rekultivierung kosten. Bis spätestens 2025 wird sie abgeschlossen sein. An ihrem Ende wird der Wertstoffhof, der jetzt auf beengtem Raum in das Gelände gequetscht ist, auf dem Scheitel adäquat ausgebaut und die Müllabgabe für die Bürger komfortabler und schneller werden.

Ob die alte Deponie danach ein attraktiver Freizeitstandort für Remscheids Bürger wird, ließ Zirngiebl im Gespräch mit der CDU offen. Es wird letztlich eine politische Entscheidung sein. „Ich habe immer gesagt, der Südhang böte beste Voraussetzungen für einen Weinberg, hier könnte ein guter Bordeaux reifen“, meinte Michael Zirngiebl scherzhaft. Jüngst haben sich die EWR den Standort in Vieringhausen angeschaut. Denn auch für den Aufbau von Solarmodulen käme die alte Deponie sehr gut infrage.

Erhöhung bauen

Norbert Schmitz (CDU) fordert, als Schutz im Tal kleinere Erhöhungen neben den von Wassermassen von dem Deponiegelände bedrohten Häusern in der unteren Ackerstraße und in der Hofschaft Morsbach zu bauen – wie sie früher in Morsbach (rechts talabwärts) vorhanden waren.

Die Durchfahrt zwischen der Gerstau und Müngsten über die Morsbachtalstraße ist noch nicht möglich.

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