Der Puls der Stadt schlägt im MyViertel

Alte Bismarckstraße: Terrassen wurden eröffnet

Eröffnung der Terrassen: (v.l.) Peter Heinze, Peter Hartmann und Nadine von der Burg (TBR), Fotis Kiriazidis (Spielhalle Royal‘s). Foto: Roland Keusch
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Eröffnung der Terrassen: (v.l.) Peter Heinze, Peter Hartmann und Nadine von der Burg (TBR), Fotis Kiriazidis (Spielhalle Royal‘s).
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200 000 Euro kostete das Projekt, 70 000 Euro kamen für den Tiefbau obendrauf.

Remscheid. Am Markt und in der Alten Bismarckstraße nimmt die Belebung der Innenstadt Gestalt an. Fünf Holzterrassen stärken die Außengastronomie. Am Donnerstagmittag wurden sie von Politik, Verwaltung und den Kneipen-, Café- und Restaurantinhabern nach dreijähriger Planung eingeweiht. Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz spekulierte in seiner Ansprache, dass hier die „Altstadt Remscheids“ entstehen könne. 200 000 Euro kostete das Projekt, 70 000 Euro für den Tiefbau kamen obendrauf.

Das Fundament dafür legte der MyViertel-Verein, der sich seit vier Jahren um Nachbarschaftshilfe, Straßenfeste und eine rege Kneipenszene kümmert. Angestoßen wurde die Idee von den Wirten Niklas Bergmann und Tino Calculli und dem damaligen Innenstadtmanager Jonas Reimann. Nachdem viele planerische Hindernisse aus dem Weg geräumt worden waren, können die Gäste an fünf Standorten auf den der Schräge angepassten Podeste aus Lärchenholz Platz nehmen.

Die beiden größeren (5 x 6 Meter) - versehen mit einem riesigen roten Sonnenschirm - befinden sich am Markt vor der Kneipe „Bei Tino“ von Tino Calculli und der Pizzeria Rocky‘s Castello von Ridvan Dushi. Ein Stück weiter unterhalb schließen sich vor dem Markt-Café, der Weinbar „vis-a-vis“ und der Spielhalle Royal‘s drei weitere schmale Terrassen (2,20 x 8 Meter) an. Alle sind fest in den Boden eingelassen: 75 Zentimeter sind die Betonfundamente tief, hinzugesellen sich 30 Zentimeter Bodenabdeckung.

Ausgehviertel: Menschen dürfen bis 22 Uhr draußen bewirtet werden

Die Investition soll bei gutem Wetter noch mehr Menschen in das Ausgehviertel locken – neben der Hindenburgstraße auf der anderen Seite der Allee das einzige in Alt-Remscheid, das seinen Namen verdient. Bis 22 Uhr dürfen die Gäste draußen bewirtet werden. Ärger mit Anwohnern ist vorprogrammiert. „Es wird nur mit gegenseitiger Rücksichtnahme gehen“, fordert Burkhard Mast-Weisz.

Niklas Bergmann, Betreiber des Saxo und „vis-a-vis“, hat ein weiteres kleines Problem. Vor seiner Tür passen die gekauften Tische und Stühle nicht auf den länglichen Steg, der Parkplatz-Größe hat. Bergmann war von anderen Maßen ausgegangen. Er nimmt es weitgehend gelassen, sieht sich nach Ersatz um, mit anderen Tischen und Barhockern. Das bereits gekaufte Mobiliar soll auch seine Verwendung finden. Mit dem „Sahnetörtchen“ plant Bergmann ein Büdchen am Stadtpark mit Sitzgelegenheiten, momentaner Stand zwischen Sternwarte und Haupteingang. Die Gespräche über eine Genehmigung laufen mit der Stadt.

Bezirksbürgermeister Otto Mähler erklärte, dass die Rechnung für die Getränke, mit denen die 40 Anwesenden anstießen, von der Bezirksvertretung Alt-Remscheid übernommen werde. Mähler wollte offene, kritische Punkte an diesem Tag nicht ansprechen, kündigte aber an, dies im Gespräch mit der Verwaltung nachzuholen. Fürs Erste zeigte er sich hochzufrieden: „Die Menschen wollen sehen, wo die Gelder hinfließen. In Remscheid dauert vieles etwas länger. Aber: Hier schlägt jetzt der Puls der Stadt.“ MyViertel-Macher Marvin Schneider riet er: „Bleibt am Ball. Man kann auch im Kleinen viel erreichen.“

Baudezernent Peter Heinze bestätigte, dass Geduld gefragt gewesen sei. „Wir haben 2019 mit der Planung angefangen, alles immer wieder neu aufgedröselt mit einer umfangreichen Detailplanung.“ 2022 werde es mit der Revitalisierung weitergehen. An der Bismarckstraße soll es noch Fahrradständer geben und auf der Allee wird die Beleuchtung im Laufe des Jahres ausgetauscht. Es werden neue Laternen kommen, verbunden mit neuen Mülleimern.

Pläne für die Innenstadt

Bis 2025 sollen sich große Teile der Innenstadt verändern. Baudezernent Peter Heinze sprach bei der Einweihung der Außenterrassen an der Alten Bismarckstraße gestern Mittag von 13 Millionen Euro, die die Stadt in die Hand nehmen könne. Dies ist möglich, weil es eine Förderung von 80 Prozent durch das Land gibt. Nach der neuen Beleuchtung für die Allee ist die Umgestaltung des Busbahnhofs am Ebert-Platz an der Reihe.

Standpunkt: In Zeitlupe zum Ziel

Kommentar von Andreas Weber

andreas.weber @rga.de

Die Stärkung der Gastro-Szene in Alt-Remscheid bedeutet einen großen Schritt für das MyViertel und einen kleinen für die Stadt. In Zeitlupentempo nähert sich Remscheid seinem Ziel, der sterbenden Innenstadt Flair einzuhauchen. Allein die komplizierte Geschichte der Holzterrassen zeigt, wie zäh die Entwicklungsprozesse laufen. 2019 tauchte die Idee auf, ursprüngliche Planungen gingen von einer Fertigstellung 2020 aus, die korrigierte Zeitschiene sah den Herbst 2021 vor. Im Frühjahr 2022 können die Gastronomen zwischen Markt und der Alten Bismarckstraße nun ihr Freiluftgeschäft endlich anbieten. Bei den Beteiligten hat sich die Erkenntnis durchgesetzt: Besser spät als gar nicht. Auch wenn es offene Fragen gibt, die geklärt werden müssen wie die Barrierefreiheit oder die Behandlung des Holzuntergrundes, so ist das Ergebnis das Warten wert. Was momentan auf der Habenseite steht, die neu aufgestellten Bänke auf der Allee und die Außengastro im MyViertel, bleibt jedoch nur ein bescheidener Anfang bei der Umsetzung der hochfliegenden Pläne, die vor den Stadtentwicklern liegen.

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