Aktionsbündnis Remscheid Tolerant

Alltagsfragen von Muslimen und Christen stehen im Fokus

Berufsschulpfarrer Andreas Artschwager moderierte die Diskussionsrunde, zu der Remscheid Tolerant Muslime und Christen eingeladen hatte. Foto: Roland Keusch
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Berufsschulpfarrer Andreas Artschwager moderierte die Diskussionsrunde, zu der Remscheid Tolerant Muslime und Christen eingeladen hatte.

Das Aktionsbündnis Remscheid Tolerant hatte zum ersten Runden Tisch in das Bürgerhaus Süd eingeladen.

Von Peter Klohs

Remscheid. Die Gemeinsamkeiten zwischen Christen und Muslimen sind größer als die Unterschiede zwischen ihnen. Das zu erkennen, erfordert nicht mehr als gesunde Neugier. Das war eine der Erkenntnisse des Runden Tisches, der zum ersten Mal stattfand und zu dem das Aktionsbündnis Remscheid Tolerant am Montagabend in das Bürgerhaus Süd an der Auguststraße eingeladen hatte.

Der ursprünglich geplante Runde Tisch war in der Internationalen Woche gegen Rassismus im März dieses Jahres geplant, fiel wegen der Corona-Pandemie aber aus und konnte jetzt nachgeholt werden. In lockerer Runde sollten Alltagsfragen von Christen und Muslimen angesprochen und wenn möglich, geklärt werden.

Teilnehmer diskutierten drei Stunden

„Warum essen die Christen Schweinefleisch? Was schenkt man Muslimen zum Fastenbrechen am Ende des Ramadan?“ Der Moderator des Abends, Berufsschulpfarrer Andreas Artschwager, schilderte seinen Alltag im Berufskolleg Technik. „In meinen Klassen sitzen alle Glaubensgemeinschaften zusammen“, berichtete er, „und ich hatte schon alles dabei: Freundliche Satanisten, radikale Atheisten, alle Glaubensrichtungen, die Sie sich vorstellen können. Ich habe viel Erfahrungen mit dem Thema und bringe sie auch gerne ein.“

Es entwickelte sich ein fast dreistündiges Gespräch zwischen den 15 Teilnehmern des Runden Tisches, wobei innerhalb des Themas verschiedenste Aspekte berührt wurden. Erste Erfahrungen mit fremden Religionen wurden angesprochen. Artschwager erzählte, dass er in Duisburg die erste Erfahrung mit dem Islam gemacht hätte. Er hatte sich in ein türkisches Café einladen lassen und wurde von einem konvertierten Deutschen bedient. Murat Bakiernay äußerte die Auffassung, dass die Bibel und der Koran nicht sehr unterschiedlich wären. „Es ist wie bei den Menschen“, fasste er zusammen, „die Gemeinsamkeiten sind größer als die Unterschiede.“ Barbara Kempf, neugewähltes Mitglied in der Bezirksvertretung Süd, fügte an, dass man nur in einer freien Gesellschaft leben könnte, wenn alle Menschen aufeinander zugehen würden. „Jede Person, die nicht integriert ist, wird ihre Probleme multiplizieren.“

Die Vorsitzende von Remscheid Tolerant, Anne Marie Fassbender, die multikulturell aufgewachsen ist, berichtete aus ihrem Erfahrungsschatz. „Wenn ich den Islam kenne und weiß, dass ich vor ihm keine Angst zu haben brauche, dann ist das ein großer Vorteil.“ Aber es erfordere Neugier am Nachbarn, um so weit zu kommen. „Und viele Menschen, auch in unserem Land, sind leider der Ansicht, dass alles so bleiben soll wie im Moment.“ Aber das sei ein Trugschluss, schloss Fassbender, das Leben ändere und bewege sich ständig, ob man es nun wolle oder nicht.

Die Erkenntnis, dass die Menschen unterschiedlicher Religionsgruppen gegenseitig aufeinander zugehen müssten, zog sich durch den ganzen Abend. „Denn im Gegensatz zu den ersten Gastarbeitern in unserem Land sind die Flüchtlinge von 2015 gekommen, um zu bleiben.“

Dem Aktionsbündnis Remscheid Tolerant ist klar, dass es auf allen Seiten Menschen gibt, die nicht belehrbar sind und die ihre Einstellung auch nicht ändern wollen. Selbstkritik wäre sicher hilfreich, aber die könne man ja schließlich nicht verordnen.

Für Kontroversen sorgte eine Bemerkung, die Andreas Artschwager von einem seiner (nicht anwesenden) arabischen Freunde weitergab: Die Zuwanderung müsse begrenzt werden, so der Freund, da ansonsten eine Schieflage im Land entstehen würde. Dieser Aussage wurde von verschiedenen Besuchern vehement widersprochen.

Der Abend im Bürgerhaus Süd war der erste seiner Art. Remscheid Tolerant plant weitere Aktionen, die dann ein etwas enger gefasstes Thema behandeln sollen.

Remscheid Tolerant

Das Aktionsbündnis Remscheid Tolerant wurde Anfang 2014 mit dem Ziel gegründet, in Remscheid für Toleranz, den uneingeschränkten Schutz der Demokratie, für Religionsfreiheit, Gewaltlosigkeit und die Menschenwürde einzutreten. Zu den Unterzeichnern der Gründungserklärung gehören unter anderen die Stadtsparkasse Remscheid ebenso wie die ehemalige OB Beate Wilding und die Schulen und Kirchengemeinden.

www.remscheid-tolerant.de

Remscheid Tolerant setzt ein Zeichen für Toleranz, Demokratie und gegen Rechtsextremismus.

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