Stadtbild aufhübschen

Alleestraße: Zelt von Pommes & Friends ist weg

Pommes-&-Friends-Inhaber Özgür Alagöz muss den Außengastrobereich nach dem Abbau des Zeltes neu gestalten.
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Pommes-&-Friends-Inhaber Özgür Alagöz muss den Außengastrobereich nach dem Abbau des Zeltes neu gestalten.

Im Gestaltungshandbuch sind die Richtlinien festgelegt. Ein Sanierungsträger für die Umsetzung fehlt noch.

Von Michelle Jünger

Remscheid. Lange stand das Zelt der Pommesbude Pommes & Friends auf der oberen Alleestraße noch. Bis es Anfang Juli auf Bestreben der Stadt abgebaut wurde. Ähnlich ergeht es auch anderen Zelten, Aufstellern oder großen Warenauslagen. Denn diese sollen nicht mehr zum zukünftigen Stadtbild gehören.

Schon 2018 hatte der Rat das Gestaltungshandbuch für Einzelhandel und Gastronomie als Leitlinie für die Remscheider Innenstadt beschlossen. Ziel war es, bis 2020 das Stadtbild zu verbessern. „Nicht nur mobile Aufsteller oder Zelte, sondern auch die Fassaden werden im Handbuch aufgegriffen“, sagt Christina Kutschaty, Leiterin des Fachdienstes Stadtentwicklung.

Alleestraße: Früher Glanz und Gloria, heute Sanierungsgebiet

Über die einheitliche Gestaltung muss sich Gedanken gemacht werden.

Christina Kutschaty, Fachdienst Stadtentwicklung

Dazu gehören Markisen und Kragplatten – das sind die Dachvorsprünge, die derzeit in vielen Größen und Formen die Warenauslagen und Einkaufenden vor Wind und Wetter schützen sollen. Ein weiterer Dorn im Auge sind die vielen angebrachten Werbeschilder. Nach dem Handbuch sollen sich solche Elemente besser in die Fassaden einfügen. Ein Schilderwald aus grellen Farben inklusive Rechtschreibfehler und übergroße Tafeln, die über mehrere Stockwerke gehen, gehören entsprechend zu den Tabus.

Für die Gastronomie sollte es statt Zelten oder abgeschlossenen Aufstellern mit Werbeaufdrucken laut Handbuch Blumenkübel und transparenten Wände geben, um beim Essen vor Wind zu schützen. Enthalten sind für die Außengastronomie auch Materialempfehlungen. Holz, Metall oder hochwertiger Kunststoff sollte es für Tische und Stühle am besten sein. Der Abbau der Zelte ist also nur der erste Schritt. „Über die einheitliche Gestaltung muss sich Gedanken gemacht werden“, fügt Kutschaty hinzu.

Viel weiter seien die Planungen für die Verschönerung der Innenstand laut Kutschaty auch noch nicht. Die Ziele seien gesetzt, geplant werden könne aber erst, wenn ein Sanierungsträger für Remscheid gefunden wurde. Nur mit einem Träger könne auch eine Sanierungssatzung aufgesetzt werden. Das dürfte aber noch dauern: Der Träger muss erst ausgeschrieben und gefunden werden. „Durch die europaweite Ausschreibung dauert es mindestens sechs Monate, bevor wir richtig in die Planung gehen können“, so Kutschaty. Bis dahin sind auch Aussagen zu Kosten oder Dauer der Umbaumaßnahmen nicht möglich.

Der Gastronom ist ungehalten, dass das Zelt nun weg musste

Dennoch ist das Handbuch Grundlage für die Stadtentwicklung. Bei Verstößen schreitet deshalb das Ordnungsamt zur Tat. Özgür Alagöz wurde wiederholt vom Ordnungsamt angeschrieben, da ein solches Zelt eine Sondernutzungserlaubnis erfordert. Dabei wurde der Imbissinhaber zudem aufgefordert das Zelt abzubauen. Die Kosten für die Sondernutzungsgenehmigung beliefen sich in diesem Fall auf 1600 Euro im Monat, so Alagöz. Eine große Stange Geld, weshalb das Zelt nun endgültig weg ist.

Das sorgt jedoch für Unmut beim Gastronom. Bei rekordverdächtigen Temperaturen sei es ohne Zelt kein Problem, sagt er. Im Moment brauche es nur mehr Sonnenschirme. Der Winter sei das Problem. Ohne Zelt gäbe es keinen Schutz vor Wind und Wetter. „Auch die Kunden fragen schon, wie das im Winter gehen soll“, fügt Alagöz hinzu. Er hätte gerne eine Lösung, bis die kalte Jahreszeit anbricht.

Jetzt stehen erstmal einige Blumenkübel, Tische und Stühle – die aus dem Zelt – auf einer 35 Quadratmeter großen Fläche vor der kleinen Pommesbude. Für die sind 175 Euro im Monat fällig. Ideen für etwas Neues hat Alagöz schon. Von neuen Podesten mit Plexiglasscheiben und Markisen spricht er. Doch findet er auch unfair, dass in der Bismarckstraße Podeste von der Stadt finanziert worden seien und er hier alles selbst tragen müsse. „Wenn, dann sollten alle dasselbe bekommen“, sagt er.

Lesen Sie auch: City in Remscheid soll autoärmer und verkehrsberuhigter werden

Handbuch

Das gesamte Gestaltungshandbuch ist online auf der Website der Stadt Remscheid einzusehen. Dieser Leitfaden gilt vor allem für das direkte Umfeld des Erdgeschosses. Darüber steht zudem noch die Gestaltungssatzung, die allumfassender ist. Das Handbuch gilt für ein Gebiet rund um die Allee Straße und das Allee-Center inklusive Markt und dem Friedrich-Ebert-Platz.
remscheid.de

Standpunkt von Michelle Jünger: Da fehlt die Bewegung

michelle.juenger@rga.de

So sehr der Unmut auf der einen Seite zu verstehen ist, weil keine direkte Lösung für die Neugestaltung da ist: Das Gestaltungshandbuch der Stadt liegt nicht erst seit Kurzem vor. Andere Geschäftsinhaber sind den Aufforderungen schon viel früher nachgekommen. Schon jetzt wirkt der obere Teil der Allee ganz anders.

Klar ist trotzdem: Der Weg zur Neugestaltung der Alleestraße und dem näheren Umfeld ist lang und fängt bei der Beseitigung von Zelten, Aufstellern und unordentlichen Auslagen gerade erst an. Da muss viel mehr Bewegung rein und das am besten schon gestern. Von der einst schönen Innenstadt, wie sie alte Fotos zeigen, ist schon lange nichts mehr übrig.

Ein Handbuch allein hilft nicht viel, wenn die Umsetzung sich immer länger hinzieht. Unansehnliche Fassaden und große Leerstände malen so weiter ein trauriges Bild von unserer Stadt. Die Ordnung und Einheitlichkeit braucht Remscheid. Ebenso mehr Charme, den die düster wirkenden Gebäude einfach nicht haben.

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