Niedergang der Einkaufsmeile soll gestoppt werden

Alleestraße: Stadt will Immobilien kaufen

2,7 Millionen Euro will das Rathaus für den Kauf von Immobilien an der Allee ausgeben – dafür kommt auch das Kino infrage. Foto: Sven Schlickowey
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2,7 Millionen Euro will das Rathaus für den Kauf von Immobilien an der Allee ausgeben – dafür kommt auch das Kino infrage.
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2,7 Millionen Euro will das Rathaus für den Erwerb von Geschäftshäusern ausgeben.

Von Frank Michalczak

Remscheid. Die Stadt Remscheid plant den Ankauf von Geschäftshäusern an der Alleestraße. 2,7 Millionen Euro sollen dafür nach Vorstellung der Verwaltungsspitze bis 2025 ausgegeben werden. Ins Visier der Planer rückt offenbar unter anderem das ehemalige Metropol-Kino, das verschwinden könnte, um auf der Fläche Fußgängern eine Verbindung zwischen dem Friedrich-Ebert-Platz und der Alleestraße zu bieten. „Grundsätzlich hat die Stadt die Möglichkeit, an der Allee ihr Vorkaufsrecht zu nutzen. Dies muss aber mit Augenmaß geschehen“, erklärt Baudezernent Peter Heinze, der keinesfalls „surreale Preise“ zahlen will. Dies gelte auch für andere Immobilien an der Allee.

Der Niedergang der Einkaufsmeile soll gestoppt werden, indem sie 2021 zum Sanierungsgebiet erklärt wird. Die Hausbesitzer sollen dabei auch durch finanzielle Anreize bewegt werden, in ihr Eigentum zu investieren und auch Alternativen zu reinen Verkaufsflächen in ihren leerstehenden Ladenlokalen zu finden. Mit Kauf und Umnutzung von Gebäuden durch die Stadt sei für die Hauseigentümer ein wichtiges Signal verbunden, sagt Heinze: „Es wird dadurch deutlich, dass Remscheid bereit ist, einen Beitrag für die Zukunft der Allee zu leisten.“

Dies sieht Ralf Wieber, Geschäftsführer der Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG), ähnlich: „Die Idee finde ich stark.“ Es sei ein wichtiges Zeichen, wenn die Stadt als Investorin aktiv werde. „Andere Kommunen sind diesen Schritt bereits gegangen und haben Gebäude gekauft, um Impulse bei der Stadtentwicklung setzen zu können,“ sagt Wieber, der für den Zusammenschluss der Haus- und Geschäftsbesitzer an der Allee im Einsatz ist. Zudem erwartet er Impulse, weil die Volkshochschule (VHS) einen Trakt der Allee-Arkaden übernehmen und dort ab Frühjahr 2021 Sprachkurse anbieten will. Auf einer Fläche von 1170 Quadratmetern werden die bisherigen VHS-Standorte Bökerhöhe und Hölterfeld in der zentralen Lage gebündelt – und Leerstände behoben.

Alleestraße soll zur Bewegungszone werden

Dem Verfall an der Allee will Remscheid auch durch bauliche Maßnahmen begegnen. Sie soll zwar ihre Funktion einer Einkaufszone behalten, aber zusätzlich neue Akzente setzen. Stoßrichtung sei eine „Bewegungsfläche“. Diesen Begriff gelte es aber noch, mit Leben zu füllen, erklärt Baudezernent Heinze. Denkbar wären Spiel- und Sportmöglichkeiten bis hin zu „einer Riesenschaukel“ für Erwachsene, nennt er Beispiele, über die der Stadtrat bald diskutieren kann.

Hoffnung setzt Heinze auf ein Landesprogramm, das Sofortmaßnahmen im Kampf gegen Leerstände bietet. Dahinter verbirgt sich ein Schulterschluss zwischen Vermietern und der öffentlichen Hand. Heinze erläutert dies mit einem Beispiel. „1000 Euro müsste ein Mieter monatlich für ein leerstehendes Ladenlokal zahlen. Der Vermieter verzichtet auf 300 und erhält nur noch 700 Euro.“ Die Stadt würde den Vertrag mit ihm abschließen und die Räume an Interessenten weitervermieten – für 200 Euro, wobei das Land den Differenzbetrag übernimmt. Auf zunächst zwei Jahre ist das Programm befristet.

In der Innenstadt, aber auch in Lennep, soll die reduzierte Mietzahlung Existenzgründer ermutigen, es mit einer Geschäftsidee zu versuchen, weil für sie das finanzielle Risiko deutlich kleiner wird. Aber auch andere Nutzungen kämen in Frage. „Zum Beispiel hätten Sportvereine die Möglichkeit, sich zu präsentieren und Artikel zu verkaufen“, erklärt Heinze. Zudem hätten Produzenten aus Remscheid und der Region die Chance, sich und ihr Angebot in den Ladenlokalen zu präsentieren. Das Spektrum sei breit und reiche vom selbst gebrautem Bier bis zu frisch geröstetem Kaffee. Auch Handwerker oder sonstige Dienstleister könne die niedrige Miete motivieren, die verwaisten Läden zu beleben. Zudem sei eine Präsentation von Produkten aus der Werkzeugindustrie denkbar. Kurzum: Lokale Anbieter sollen die Allee für sich entdecken – und beleben. 

Hintergrund

Seit 2014 soll ein Investitionsprogramm in der Innenstadt umgesetzt werden mit einem Volumen von 15 Millionen Euro. Losgelöst davon sollen weite Teile der Allee zum Sanierungsgebiet erklärt werden. Es ist ein weiteres Instrument, um Impulse auf der Einkaufsmeile setzen zu können.

Standpunkt: Handeln ist angesagt

Von Frank Michalczak

Endlos lang scheinen im Rückblick die Debatten darüber, wie dem Niedergang der Alleestraße zu begegnen ist, wo sich längst Leerstand an Leerstand reiht. Es wurde in Rat und Verwaltung über die Tristesse immer wieder eifrig diskutiert – geschehen ist wenig. Daran ändert auch die

frank.michalczak@rga-online.de

Tatsache nichts, dass sich die Remscheider 2021 über neue Sitzbänke freuen dürfen, bei deren Auswahl sie mitwirken durften. Es ist allerhöchste Zeit, dass es zu sichtbaren Veränderungen kommt, insbesondere im unteren Teil der ehemals pulsierenden Einkaufsmeile. Der Ankauf von Immobilien durch die Stadt, eine neue Verbindung von der Allee zum Busbahnhof und auch das Sofortprogramm des Landes, bei dem die Mietzahlungen für Geschäftsbetreiber reduziert werden, nähren die Hoffnung auf eine Belebung der Fußgängerzone. Aber bitte: vorerst keine Diskussionsforen, keine Expertenrunden und keine Workshops mehr. Es ist nun entschlossenes Handeln angesagt – auch vom Stadtrat, wo das Thema zur Nagelprobe der neuen rot-grünen Mehrheit werden könnte. 

Bei der Frage nach der Zukunft der Alleestraße kommt den Immobilieneigentümern eine entscheidende Rolle zu. 

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