Teure Ruine

Sinn-Leffers soll knapp 2 Millionen kosten

Der Eigentümer bietet die Ruine der Stadt erneut zum Kauf an.
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Der Eigentümer bietet die Ruine der Stadt erneut zum Kauf an.
  • Axel Richter
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Der neue Eigentümer des Sinn-Leffers auf der Alleestraße bietet die Immobilie der Stadt erneut zum Kauf an.

Remscheid. Nach 4,5 Millionen soll sie nun 1,86 Millionen Euro kosten. Die Firma hatte den Sinn zuvor für eine Million Euro gekauft, weil die Stadt es versäumt hatte, ihr Vorkaufsrecht auszuüben. Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) kommentierte das Angebot nicht. -ric-

Artikel vom 15.2.2022

Poker um Sinn-Leffers geht weiter

Bekommt die Allee doch noch einen neuen Treffpunkt? Am Mittwoch sprechen Stadt und Eigentümer über den alten Woolworth.

Remscheid. Nach dem gescheiterten Kauf der Sinn-Leffers-Ruine sucht die Stadt nach einer Alternative für ihren sogenannten „Dritten Ort“ auf der Alleestraße. Am Mittwoch führen Baudezernat und Wirtschaftsförderung dazu ein erstes Gespräch mit Leo Schönhals, Eigentümer der ehemaligen Woolworth-Immobilie.

Der Remscheider, dem zahlreiche Gebäude auf der Alleestraße gehören, will die Immobilie verkaufen. Sein Kaufhaus Bingo, in dem es nach dem Auszug von Woolworth allerlei Billigware zu kaufen gab, hatte sich nicht gerechnet. Schönhals schloss den Laden, einen neuer Mieter für das Haus fand er jedoch nicht. „Ich will das Ding deshalb jetzt loswerden“, sagt Schönhals im Gespräch mit dem RGA.

Das Interesse der Stadt Remscheid sollte ihm deshalb gerade recht kommen. Wie berichtet, hat die große Pläne auf der Allee und wollte zu deren Verwirklichung ursprünglich die seit mehr als zehn Jahren leerstehende Einzelhandelsruine des ehemaligen Sinn-Leffers kaufen.

„Ich favorisiere den Sinn. Wir wollen doch die untere Allee stärken.“

Karl Heinz Humpert, Kulturpolitischer Sprecher der CDU

Nach dem Abriss der Ruine sollte die Stadtbibliothek von der Scharffstraße dorthin umziehen. Mit der Volkshochschule und einem Café sollte danach ein so genannter „Dritter Ort“ als neuer Treffpunkt mit Aufenthaltsqualität entstehen. Die Voraussetzungen dafür schienen günstig, denn die Stadt verfügte über ein Vorkaufsrecht für den größten Leerstand in der Innenstadt.

Um dieses Recht beim Verkäufer, einer Immobiliengesellschaft in Luxemburg, anzumelden, hatte das Baudezernat der Stadt drei Monate Zeit. Dennoch versäumte es die Behörde, die Urkunde rechtzeitig bei der Post aufzugeben. Ein anderer Käufer kam deshalb zum Zuge.

Doch auch die Immobilie von Leo Schönhals kommt in den Überlegungen der Stadt als Ort der Begegnung und Kultur in Frage. Am Mittwoch wird erstmals darüber verhandelt.

Die Hollmann & Klassen GmbH & Co. KG in Stuhr bei Bremen erstand die Immobilie auf der Alleestraße in Remscheid zum vergleichsweise günstigen Preis von rund einer Million Euro. Nun will das Unternehmen seinen Neuerwerb wieder loswerden - für annähernd das Doppelte der gezahlten Kaufsumme.

„Wir stehen mit drei Interessenten in Kontakt“, berichtet Volker Mädel, Geschäftsführer der Firma PVS in Herford. Sein Unternehmen sollte sich ursprünglich um die Entwicklung des Grundstücks kümmern. Jetzt hat er den Auftrag, das Objekt an den Mann zu bringen.

Die potenziellen Käufer dächten an Wohnbaunutzung insbesondere für ältere Menschen, berichtet Mädel. Doch von den 4,5 Millionen Euro, die er für seinen Auftraggeber erzielen wollte, musste er sich nach eigenen Worten zwischenzeitlich verabschieden.

Nach aktuell vorliegenden Angeboten seien nur bis zu zwei Millionen Euro zu erzielen, so Mädel: „Ich bin deshalb gespannt, ob die Stadt Remscheid nicht doch noch einmal von ihrem Vorkaufsrecht gebrauch machen möchte.“

Tatsächlich könnte sie das. Das eingetragene Vorkaufsrecht steht ihr bei jedem neuen Verkauf der Immobilie zu und erlaubt es ihr, die Ruine samt Grundstück zum gleichen Preis zu erwerben. Findet sich also ein Käufer, der den alten Sinn-Leffers für zwei Millionen Euro kauft, so könnte sie für diesen Preis selbst zuschlagen.

Das müsste die Stadt allerdings wollen. Wäre das Baudezernat beim ersten Vorkaufsversuch schneller bei der Post gewesen, hätte alles schließlich nur die Hälfte gekostet und die Immobilie befände sich längst im städtischen Eigentum.

Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) scheint dennoch nicht abgeneigt zu sein. „Der alte Sinn-Leffers ist eine Schlüsselimmobilie für die Stadt“, sagt er. Deshalb wolle man nichts unversucht lassen und mit dem neuen Eigentümer ins Gespräch kommen. Dass Baudezernat und Wirtschaftsförderung gleichzeitig mit Leo Schönhals über den ehemaligen Woolworth beziehungsweise Bingo sprechen, bestätigt der OB auf Nachfrage zwar. Zu den Hintergründen mag er sich aber noch nicht äußern. „Ich möchte die Gespräche abwarten, bevor ich sie bewerte“, sagt er.

„Für weniger als dreieinhalb Millionen gebe ich das nicht ab.“

Leo Schönhals, Eigentümer des ehemaligen Woolworth

Leo Schönhals hat unterdessen klare Vorstellungen für den Verkauf seines Gebäudes. „Für unter dreieinhalb Millionen Euro gebe ich das nicht ab“, sagt er. Schließlich sei die Gebäudesubstanz intakt – anders als der alte Sinn-Leffers. „Den kann man doch nur abreißen“, sagt er.

Genau das hatte die Stadt vor dem Bau ihres „Dritten Ortes“ freilich vor. Das Gebäude sollte komplett abgetragen werden und an seiner Stelle zunächst eine Grünfläche entstehen, bevor dann mit Fördergeldern jener neue Treffpunkt entstehen sollte.

Neben dem Oberbürgermeister hat auch die CDU das Projekt noch nicht abgeschrieben. „Ich favorisiere den Sinn“, sagt deren kulturpolitischer Sprecher Karl Heinz Humpert: „Wir wollen mit dem Dritten Ort doch die untere Allee stärken.“ Gegenüber dem Woolworth habe der alte Sinn weitere Vorteile. Die Volkshochschule, die ja mit der Bibliothek zum neuen Treffpunkt werden soll, ist schon vor Ort. Sie nutzt Räume in den benachbarten Allee-Arkaden. „Im Zweifel“, sagt Karl Heinz Humpert, „sollten wir deshalb in den sauren Apfel beißen und den höheren Preis für den Sinn bezahlen.“ | Standpunkt

Dritter Ort

Im Kulturviertel Töölönlahti im finnischen Helsinki gibt es ihn bereits, den „Dritten Ort“. Es handelt sich um eine Bibliothek, in der gelesen wird, aber ebenso gelacht und musiziert. So etwas soll auch auf der Allee in Remscheid entstehen. Zwei Orte gelten mittlerweile als möglich: der ehemalige Woolworth und weiterhin Sinn-Leffers.

Standpunkt

axel.richter@rga.de

Kommentar von Axel Richter

Zwei Millionen Euro will der heutige Eigentümer des alten Sinn-Leffers für die Immobilie haben. So viel sei ein anderer Kaufinteressent bereit, dafür auf den Tisch zu legen. Ob es diesen anderen Interessenten wirklich gibt, sei dahingestellt. Am Ende spielt es keine Rolle. Die Stadt braucht die Sinn-Leffers-Ruine, um auf dem Grundstück für die untere Alleestraße etwas Neues entstehen zu lassen. Dabei darf man hinterfragen, ob jener „Dritte Ort“ der Weisheit letzter Schluss ist. Fakt ist, dass der größte Leerstand in der Innenstadt endlich verschwinden muss. Und dass an seiner Stelle etwas entstehen muss, das die Menschen auf die einst stolze Einkaufsmeile zurückbringt. Wenn der Markt das nicht regeln kann, dann muss es die öffentliche Hand tun - auch wenn sie dafür einen höheren Preis zahlt als jenen Preis, den sie hätte zahlen müssen, wenn die Verantwortlichen bei der Stadt Remscheid rechtzeitig zur Post gegangen wären. Und der Woolworth von Leo Schönhals? Zunächst einmal ist es gut, wenn sich verschiedene Optionen anbieten. Am Ende aber wird sich die Stadt für den Sinn-Leffers entscheiden. Erst recht nach dem Debakel um das DOC bleibt ihr gar nichts anderes übrig.

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