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Alleestraße: Früher Glanz und Gloria, heute Sanierungsgebiet

Hier war mal mehr los: Das leeerstehende Kaufhaus Sinn-Leffers ist zum Symbol für den Niedergang an der Alleestraße geworden. Die Stadt will es kaufen. Verhandlungen laufen.
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Hier war mal mehr los: Das leeerstehende Kaufhaus Sinn-Leffers ist zum Symbol für den Niedergang an der Alleestraße geworden. Die Stadt will es kaufen. Verhandlungen laufen.
  • Frank Michalczak
    VonFrank Michalczak
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Die Alleestraße in Remscheid soll sich wieder zum Positiven wandeln. Unter anderem wird die Handelszone verkleinert.

Remscheid. Tabakwarenhändler Wilhelm Göbel (84) beobachtet seit Jugendtagen den Wandel an der Alleestraße. „Früher war das Geschäftszentrum im unteren Bereich, in Richtung Markt“, blickt er zurück. Als Auszubildender erlebte er dort in den 50er-Jahren seine Lehrzeit als Drogist und blickte auf ungezählte Menschen, die alltäglich die Kundenmagneten ansteuerten.

„Kaufhof, Sinn, Feinkost Sackermann, das Textilhaus Vogel - das waren gut gehende Geschäfte“, nennt er Beispiele. Von Glanz und Gloria ist nichts mehr übrig. Zuletzt erklärte der Stadtrat die Allee mit all ihren leerstehenden Läden und Problemimmobilien zum Sanierungsgebiet.

Baudezernent Peter Heinze hofft, dadurch dem Niedergang begegnen zu können. „Wir schaffen mit diesem Instrument finanzielle Anreize, dass die Hausbesitzer in ihr Eigentum investieren.“ Dazu zwingen könne er niemanden. Es gebe aber eine neue Basis für Gespräche - auch über steuerliche Vergünstigungen in einem Sanierungsgebiet, die dazu motivieren könnten, Geld für Umbauten, Renovierungen und Modernisierungen auszugeben. „Und es ist im allgemeinen Interesse, den Bodenwert zu stabilisieren, der zuletzt an der Alleestraße gesunken ist“, stellt Heinze fest.

Wilhelm Göbel erinnert sich und gibt eine Lageeinschätzung.

Die Stadt werde ihren Beitrag leisten, indem sie Immobilien kaufe - und ertüchtige. Und dies mit einer klaren Stoßrichtung. Nur noch der obere Abschnitt der Einkaufsmeile, etwa bis zum ehemaligen Woolworth-Standort, soll dem Handel vorbehalten bleiben. In der Mitte soll der Akzent aufs Wohnen, unten auf Freizeitaktivitäten gesetzt werden. Dabei will die Stadt Impulsgeber sein und zum Beispiel Kultureinrichtungen in Richtung Markt verlegen. So ist weiter „Der dritte Ort“ im Gespräch - mit Bibliothek und Räumen, die zum Treffpunkt werden und den Menschen Gemeinschaft und Aktivitäten bieten.

„Wir schaffen finanzielle Anreize, dass die Hausbesitzer in ihr Eigentum investieren.“

Dezernent Peter Heinze über das Sanierungsgebiet Alleestraße

Wilhelm Göbel fehlt bei diesen und anderen Plänen die Beteiligung der Bürger. „Mein Eindruck ist, dass vieles einfach aus der Schublade geholt wird. Andererseits - es muss ja was geschehen“, sagt er. Aus seiner Sicht sind die fehlenden Parkmöglichkeiten an der Allee ein nicht zu lösendes Problem für den Handel. Ein anderes sei das bergische Wetter: „Anfang der 80er-Jahre gab es mal den Vorschlag, die komplette Allee zu überdachen, um darunter flanieren zu können. Es ist schade, dass daraus nichts geworden ist. Und es wäre finanzierbar gewesen“, erinnert er an eine der vielen Debatten rund um die Zukunft der Innenstadt.

Dieser verordnete der Stadtrat 2014 ein 15 Millionen Euro schweres Reaktivierungsprogramm, das unter der Regie von Peter Heinze nun schrittweise umgesetzt wird. Neue Bänke wurden aufgestellt, an der Alten Bismarckstraße sind Terrassen für die Außengastronomie entstanden, in diesem Jahr sollen moderne Laternen mit Lichtspielen folgen.

Und: Bis 2025 soll ein neuer Busbahnhof entstanden sein. „Und ganz sicher gibt es auch Handlungsbedarf auf dem Theodor-Heuss-Platz am Rathaus“, erklärt Peter Heinze. Auf dem Areal sähe er gerne mehr Außengastronomie. Zudem könnte das Rathaus mit neuer Beleuchtung in Szene gesetzt werden, nennt er zwei Ideen. Konzepte, die es zu erarbeiten gilt, müssten jedoch einen Aspekt berücksichtigen: „Der Theodor-Heuss-Platz muss auch weiterhin als Veranstaltungsfläche dienen können.“

Nur einen Steinwurf entfernt, an der oberen Allee, verkauft Wilhelm Göbel weiterhin Tabakwaren, Zeitungen und nimmt Lottoscheine entgegen. 1964 übernahm er das Geschäft seiner Eltern, die zuvor ihren Stoffhandel in einen Tabakwarenladen umgewandelt hatten.

Es waren die Wirtschaftswunderjahre: Textilketten wie etwa C & A waren in Mode gekommen. Immer weniger schneiderten und nähten selber. Dafür boomten Luxusartikel. „Wir waren auf Zigarren spezialisiert“, berichtet Göbel, dessen Laden längst zur Institution und zur Kommunikationszentrale geworden ist - mit der Belegschaft an seiner Seite. „Eine persönliche Beziehung zu den Kunden aufzubauen, ist entscheidend dafür, dass sie wiederkommen. Dafür sind gute Mitarbeiter nötig“, sagt der 84-Jährige, der an der Allee so viele Veränderungen erlebt hat. Diese Erkenntnis aber ist geblieben.

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