Interview der Woche

Alexa Bell: „Mein Bauchgefühl sagt mir, dass das klappt“

„Die Remscheider sind nicht stolz, Remscheider zu sein. Das müssen wir ändern“: Alexa Bell, Oberbürgermeisterkandidatin der CDU Foto: Roland Keusch
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„Die Remscheider sind nicht stolz, Remscheider zu sein. Das müssen wir ändern“: Alexa Bell, Oberbürgermeisterkandidatin der CDU
  • Axel Richter
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Der RGA spricht mit den Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl: Alexa Bell tritt für die CDU an.

Das Gespräch führte Axel Richter 

Frau Bell, was machen Sie am Morgen des 14. beziehungsweise 28. September?

Alexa Bell: Dann sitze ich ab 7.30 Uhr an meinem Arbeitsplatz in der Stadtsparkasse Solingen, um meinen Nachfolger einzuarbeiten. Dafür habe ich dann noch ein paar Wochen Zeit, denn am 1. November ist Amtsübergabe im Rathaus.

Das ist mal eine Kampfansage. Sie gewinnen also die OB-Wahl gegen Burkhard Mast-Weisz?

Bell: Ja. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass das klappt. Die Stimmung in der CDU und im Wahlkampf auf der Straße ist gut. Und nur weil sich mit SPD, Grünen und FDP drei Parteien für Burkhard entschieden haben, heißt das doch nicht, dass ich keine Chance gegen ihn hätte.

Sie duzen den OB. Sie haben ein gutes Verhältnis zueinander?

Bell: Ja. Ich mache seit 30 Jahren Politik in Remscheid, er arbeitet seit 19 Jahren bei der Stadtverwaltung. Persönlich haben wir deshalb ein gutes Verhältnis. Deshalb wird es zwischen uns auch keinen Wahlkampf unterhalb der Gürtellinie geben. Das heißt allerdings nicht, dass ich ihn auf der Sachebene nicht scharf angehe.

Im Rat haben Sie sich mit Angriffen aber bisher zurückgehalten.

Bell: Ich bin dort nicht der Fraktionssprecher und ich sitze dort auch weiterhin in der letzten Reihe. Ich nehme auch weiterhin meine Funktion in der Bezirksvertretung wahr, wenn es zum Beispiel um Schmutz im Brunnen auf der Alleestraße geht. Dafür haben mich die Menschen gewählt.

Als es um die Prämie für die sogenannten Coronahelden ging, sind Sie im Rat dagegen aufgestanden.

Bell: Ja. Weil ich eine solche Prämie für ein falsches Zeichen in die Stadt und auch in die Verwaltung halte. Viele Menschen hätten eine solche Prämie verdient.

Was unterscheidet Sie von Herrn Mast-Weisz?

Bell: Ich bin Remscheiderin und hier noch einmal anders verwurzelt als er. Ich lebe seit meinem achten Lebensjahr in Remscheid, mein Vater war Leiter der Stockder Stiftung, ich bin dort aufgewachsen. Entscheidungen im Rathaus sind fest mit meiner eigenen Biografie verbunden. Ich kenne die Probleme vor Ort aus eigener Erfahrung. Ich weiß, was es bedeutet, hier selbstständig zu sein, und ich war Mitglied in 20 Vereinen gleichzeitig. Ich stehe bei den Festen der Feuerwehr Morsbach hinter der Theke und verkaufe Kuchen. Wenn ich dort als Politikerin hinkomme, komme ich als Alexa. Das werde ich auch als Oberbürgermeisterin sein. Außerdem bin ich ein rationaler Mensch, der sehr diszipliniert auf ein Ziel hinarbeitet.

Was machen Sie anders als der Amtsinhaber?

Bell: Ich werde vor allem die Wirtschaftsförderung anders anpacken. Wir brauchen ein Dienstleistungszentrum für Unternehmen, in dem die Anliegen der Wirtschaft zeitnah bearbeitet werden. Die Unternehmen brauchen zudem einen Kümmerer, der ihnen auf dem Weg durch die Verwaltung hilft. Es kann nicht sein, dass sie zunächst mit dem Ordnungsamt, dann mit dem Umweltamt, dann mit dem Stadtmarketing und wieder mit anderen Behörden zu tun haben. Sie brauchen einen Ansprechpartner. 

Als Oberbürgermeisterin werde ich zudem einen Wirtschaftsbeirat ins Leben rufen, der sich den Wirtschaftsthemen annimmt und ich werde ein Wirtschafts- und Kulturmarketing unmittelbar im OB-Büro ansiedeln, denn wir müssen Remscheid viel besser vermarkten - nämlich als für Investitionen attraktiver Industriestandort und als lebenswerte Großstadt im Grünen mit sehr guten Schulen und interessanten Kulturangeboten.

Aber Remscheid hat doch eine Wirtschaftsförderung.

Bell: Wir haben ein Stadtmarketing, das nicht das tut, was es tun sollte. Wir verkaufen uns unter Wert. Das ist keine Kritik an den Mitarbeitern. Die sind alle gut, aber wir müssen uns dort neu aufstellen, um bundesweit ein besseres Image zu gewinnen. Die Remscheider sind nicht stolz, Remscheider zu sein. Das müssen wir ändern.

Wie ändern Sie das?

Bell: Indem wir zum Beispiel schneller werden. Ich plane in der Politik bestimmt seit 20 Jahren die Alleestraße neu. Es ist in dieser Zeit viel Zeit und Geld verpulvert worden. Ich möchte, dass die Planung, die jetzt erstellt wird, auch umgesetzt wird. Danach lässt sich immer noch nachsteuern. Stattdessen erleben wir seit Jahren an vielen Stellen Stillstand. Ob es die Kreuzung Eisernstein in Lüttringhausen ist oder die Kölner Straße in Lennep. Ich möchte, dass die Dinge endlich umgesetzt werden, denn ich möchte in dieser Stadt alt werden und nicht ständig hören: „Das geht nicht, weil das war schon immer so.“

Gesetzt den Fall, Sie werden Oberbürgermeisterin: Was ist Ihre erste Amtshandlung im Rathaus?

Bell: Ich werde zunächst eine Bestandsaufnahme vornehmen, das heißt, ich werde mir die Prozesse anschauen und dann dort ansetzen, wo es sinnvoll ist. Diese Veränderungen brauchen Zeit, mindestens ein Jahr. Wichtig ist mir, dass meine Tür immer offensteht, und jeder, der möchte, wird bei mir einen Termin bekommen.

Welche Vision verfolgen Sie für Remscheid?

Bell: Es gab einmal den Werbeslogan 1A an der A1. Da will ich wieder hin.

Das dürfte in den nächsten Jahren nicht einfacher werden. Die Corona-Krise reißt ein riesiges Loch in die ohnehin spärlichen Stadtfinanzen. Ist es da seriös, den Menschen zum Beispiel die millionenschwere Sanierung des Freibades zu versprechen?

Bell: Das Freibad erfüllt eine ganz wichtige soziale Funktion. Mir ist es deshalb wichtiger als der geplante Anbau des Rathauses oder ein neuer Friedrich-Ebert-Platz.

Für den Friedrich-Ebert-Platz gibt es allerdings Verträge.

Bell: Ja, da kommen wir auch nicht raus. Wir können aber zum Beispiel die Kosten deckeln, wofür die CDU im Rat aber keine Mehrheit bekommen hat. Und beim Rathaus können wir heute sehr wohl sparen. Muss zum Beispiel ein neuer Ratssaal sein? Brauchen wir wirklich so ein neues Wohnzimmer? Oder reicht statt eines neuen Prachtbaus vielleicht doch ein kleinerer Anbau?

Wo steht Remscheid nach fünf Jahren OB Alexa Bell?

Bell: Wir sind dann in der Stadtentwicklung noch nicht fertig, aber deutlich vorangekommen. Jedenfalls möchte ich bis dahin manches Band durchschnitten haben.

Und was wird aus Ihnen, wenn Sie es nicht die neue OB werden?

Bell: Darüber denke ich nach, wenn es so sein sollte. Heute kann ich sagen: Ich will es schaffen.

Biografisches

Alexa Bell ist 45 Jahre alt und arbeitet als Controllerin bei der Stadtsparkasse Solingen. Sie ist Mutter eines erwachsenen Sohnes und lebt seit fünfeinhalb Jahren in einer Patchworkfamilie. Geboren ist die OB-Kandidatin in Recklinghausen, danach lebte sie bis zu ihrem achten Lebensjahr in Bernau, wo die Stadt Remscheid damals ein Kindererholungsheim betrieben hat. Ihr Vater führte die Einrichtung. 

Später wechselte er zur Stockder Stiftung nach Remscheid. Alexa Bell legte ihr Abitur am Leibniz-Gymnasium ab und absolvierte eine Ausbildung zur Bankkauffrau bei ihrem heutigen Arbeitgeber. Bereits mit 15 Jahren trat sie in die CDU Remscheid ein. Seither engagiert sie sich in zahlreichen Parteigremien sowie im Rat, seinen Ausschüssen und in der Bezirksvertretung Alt-Remscheid.

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