Sana-Klinikum

Ärztetag schlägt digitalen Weg ein

Das ist er gewohnt: Doc Esser vor laufender Kamera, Samstag im Forum Ovale des Sana. Foto: Roland Keusch
+
Das ist er gewohnt: Doc Esser vor laufender Kamera, Samstag im Forum Ovale des Sana.

Sana streamt mit aufwendiger Technik – Virtuelle Veranstaltung weist Weg für die Zukunft.

Von Sabine Naber

Remscheid. Neue Wege beim Remscheider Ärztetag: Erstmals ist aus der Präsenzveranstaltung im Sana-Klinikum ein digitales Event geworden. Während die Experten im Forum Ovale am Samstag vor der Kamera standen, um ihre Kolleginnen und Kollegen in den Bereichen Herz und Gefäße, Pneumologie und Diabetes auf den aktuellen Stand zu bringen, konnten die Teilnehmer der Fachtagung zu Hause bleiben. „Das setzt eine aufwendige Technik voraus, die wir angemietet haben“, erklärte Professor Dr. Burkhard Sievers, der mit seinem Team für die wissenschaftliche Leitung verantwortlich war.

Kamen zu den fünf Präsenzveranstaltungen bisher je rund 180 Ärzte, so nahmen am frühen Samstagnachmittag schon rund 600 Teilnehmer – auch aus dem deutschsprachigen Ausland – an diesem Ärztetag teil. „Die Firma, die es für uns streamt, braucht eine starke Datenleitung. Fragen können im Chat beantwortet werden und die Referenten haben eine ruhige Umgebung, wenn sie hier vor der Kamera stehen“, nannte Sievers die Vorteile.

„Mit den Erfahrungen dieser ersten digitalen Fachtagung soll der Ärztetag zukünftig zu einer Hybrid-Veranstaltung werden“, deutete Sandra Lopez Bravo (Sana-Marketing) am Ende eines erfolgreichen Tages an. Dem Thema, welche Auswirkungen Covid-19 auf die Krankenhäuser hat und was daraus gelernt wurde, widmete sich Dr. Steffen Hehner (McKinsey & Company). Er sprach von einer prägenden Zäsur. Covid habe als Katalysator die Veränderungen beschleunigt, aber der Reformbedarf steige. „Wir rechnen mit einer wirtschaftlichen Abkühlung in den nächsten vier bis fünf Jahren. Jedes Krankenhaus wird es spüren. Denn allein 2020 waren enorme Mehrausgaben für Schutzausrüstungen und Personal nötig. Diese Probleme können nur durch strukturelle Maßnahmen gelöst werden.“ Die Digitalisierung müsse beschleunigt werden, Deutschland läge da bestenfalls im Mittelmaß. „Die Krankenhäuser zeigen den großen Handlungsbedarf an. Wir werden deshalb gefördert. Und das ist wichtig, um den Quantensprung zu schaffen.“

Hoher Anteil von Impfängstlichen stimmt Doc Esser traurig

Der Trend zur Telemedizin werde nicht zurückgehen. Mehr Zentralisierung, Spezialisierung, Kooperation und kleinere Vernetzungen im ambulanten Bereich seien nötig. Die Bertelsmann-Stiftung habe herausgefunden, dass fünf Millionen Patienten auch ambulant hätten behandelt werden können. Der Katalog ambulanter Leistungen müsse überarbeitet werden.

Lungenfacharzt Dr. Heinz-Wilhelm (Doc) Esser machte deutlich, dass die Ärzte viel Erfahrung in der Behandlung von Covid-Erkrankten gesammelt hätten. „Die Krankheit verläuft in mehreren Schüben, erhöhte Thrombosen und Lungenembolien kommen dazu.“ Ihm mache der hohe Anteil der Impfängstlichen – auch in Krankenhäusern – traurig. Immer wieder würde er gefragt, wie sicher der Impfstoff sei. „Seit zwei Jahrzehnten wird er in Tierversuchen eingesetzt. Arbeitsgemeinschaften wurden zusammengelegt, um die lange Entwicklungszeit zu verkürzen. Der Impfstoff ist durch alle Verfahren gegangen. Inzwischen sind weltweit einige Millionen Menschen geimpft. Er ist sicher“, betonte Doc Esser.

Wer geimpft sei, gehöre zu den Privilegierten. Eine lokale Rötung an der Impfstelle, eventuell ein leichter Infekt, mehr sei nach der Impfung nicht zu erwarten. „Wir kommen aus der Pandemie-Situation ohne Impfung nicht heraus, sollten Überzeugungsarbeit leisten“, empfahl er. „Der Biontech-Impfstoff wirkt gegen die neue Mutation des Virus. Aber die Mutationen könnten noch dramatischer werden.“ Mit Blick auf den dritten Impfstoff von Astra-Zeneca, der kurz vor der Zulassung steht, machte Esser deutlich, dass dieser leicht zu verarbeiten sei, weil er nicht so extrem gekühlt werden müsse. „Der wird vor allem für Länder wie in Afrika wertvoll sein“. meinte Esser. 

Samstagmittag schauten zwei KOD-Mitarbeiter bei einem ungewöhnlichen Einsatz im Gebäude nach dem Rechten.

Hintergrund

Das Sana-Klinikum ist erste Anlaufstelle für akute und chronische Erkrankungen. Fachübergreifend gewährleisten 14 Abteilungen und acht interdisziplinäre Zentren Behandlungen. Das spezialisierte Spektrum an Leistungen bietet eine Generationenmedizin für alle Altersschichten.

Standpunkt: Gelungener Einstieg

andreas.weber@rga-online.de

Ein Kommentar von Andreas Weber

Der Mediziner steht für Nähe. Zuverlässige Diagnosen und Heilung für Patienten kann es nur äußerst bedingt aus der Distanz geben. Seit einigen Jahren revolutioniert aber die Telemedizin den Beruf. Auch wenn der Fernbehandlung Beschränkungen auferlegt sind, haben Ärzte in Deutschland seither erstmals die Möglichkeit, ohne persönlichen Kontakt zu helfen. Video und Internet haben an Bedeutung gewonnen. Wenn Schulen über Digitalisierung reden, wenn Arbeitgeber Homeoffice ermöglichen, dann liegt es nahe, dass sich Deutschlands Krankenhäuser jenseits von individueller Akuthilfe digital präsentieren. Der erste Remscheider Ärztetag ohne Präsenz war zwar aus der Corona-Not geboren, aber am Ende ein gelungener Einstieg in ein Zeitalter, dass es erlaubt die Fachwelt, aber auch interessierte Bürger per Stream zu informieren. Der erste Test ist geglückt. Das Sana wird auf dieser Schiene weitermachen. Nicht nur mit dem Ärztetag 2022, sondern wahrscheinlich auch mit den regelmäßigen, monatlichen Patientenveranstaltungen zu diversen Themen, die aufgrund der Pandemie vor Ort nicht stattfinden können.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Einfamilienhaus brennt an der Honsberger Straße
Einfamilienhaus brennt an der Honsberger Straße
Einfamilienhaus brennt an der Honsberger Straße
Kriminelle sprengen Geldautomat in Lüttringhausen
Kriminelle sprengen Geldautomat in Lüttringhausen
Kriminelle sprengen Geldautomat in Lüttringhausen
Neues Rätsel: Erkennen Sie diese Straßenzeile?
Neues Rätsel: Erkennen Sie diese Straßenzeile?
Neues Rätsel: Erkennen Sie diese Straßenzeile?
Corona: Inzidenz sinkt in Remscheid auf 36,8
Corona: Inzidenz sinkt in Remscheid auf 36,8
Corona: Inzidenz sinkt in Remscheid auf 36,8

Kommentare