Sechsmonatsfrist ist Voraussetzung

Ärzte sorgen in Remscheider Pflegeeinrichtungen für dritte Impfung

Das Impfzentrum ist verwaist. Vize-Amtsleiter Jens Pfitzner und Dezernent Thomas Neuhaus setzen auf die Dienste der Hausärzte. Fotos: Roland Keusch/Doro Siewert
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Das Impfzentrum ist verwaist.
  • Frank Michalczak
    VonFrank Michalczak
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Das Gesundheitsamt hat eine Erhebung gestartet, wie viele Menschen in den Heimen vor Corona geschützt sind.

Remscheid. In den Remscheider Pflegeeinrichtungen kümmern sich Hausärzte darum, dass die Bewohner ihre Auffrischungsimpfung gegen eine Corona-Infektion erhalten. Wie viele mittlerweile den dritten Piks bekommen haben, also „geboostert“ sind, kann der stellvertretende Leiter des Gesundheitsamts, Jens Pfitzner, derzeit zwar nicht sagen. „Aber wir haben eine Erhebung gestartet. Die Einrichtungen sollen uns mitteilen, wie die Impfquote beim Personal und bei den Bewohnern aussieht. Die Angaben sind aber freiwillig.“ Mit Ergebnissen rechnet er in den nächsten 14 Tagen.

Vize-Amtsleiter Jens Pfitzner

Mit rund 50 Einrichtungen steht die Behörde in Kontakt – darunter 15 Pflegeheime und 15 Wohngemeinschaften für Senioren bzw. Demenzkranke. Alle Dienste müssen dem Gesundheitsamt mitteilen, ob Ärzte bei ihnen im Einsatz sind, um die Auffrischungsimpfungen vorzunehmen. Und in den allermeisten Fällen sei dies gewährleistet. „Zum Beispiel in allen Pflegeheimen“, erläutert Pfitzner. Zwei Tagesdienste hätten signalisiert, dass die medizinische Versorgung für das Boostern noch nicht angelaufen sei. „Das liegt daran, dass seit der letzten Impfung der Menschen, die dort betreut werden, noch keine sechs Monate verstrichen sind“, erläutert der stellvertretende Behördenchef.

Erst- und Zweitimpfungen vom 16. bis 18. November im Gesundheitsamt

Die Beachtung der Sechsmonatsfrist ist die generelle Voraussetzung für die Auffrischungsimpfung, die derzeit unter anderem allen Frauen und Männern ab 70 Jahren und Menschen mit schwereren Vorerkrankungen von der Ständigen Impfkommission (Stiko) empfohlen wird. Darum kümmern sich auf Wunsch ihre jeweiligen Hausärzte.

Wer möchte, kann aber auch am 16., 17., 18. November im Gesundheitsamt, Hastener Straße 15, vorbeischauen, wo zwischen 11 und 18 Uhr zwei Mediziner bereitstehen. Interessierte erhalten dort ihre Erst- bzw. Zweitimpfung. Sie können sich aber auch boostern lassen, vorausgesetzt die Interessierten sind mindestens 70 Jahre alt und die letzte Impfung liegt sechs Monate zurück.

Diese Achterbahn der Entscheidungen kann doch niemand mehr nachvollziehen.

Thomas Neuhaus über denkbare Rückkehr der Impfzentren

Dieses Angebot im Gesundheitsamt stieß bei der Premiere Ende Oktober auf reges Interesse. 347 Menschen erhielten in der ehemaligen Hausmeisterwohnung an drei Tagen ihre Erst-, Zweit- oder Auffrischungsimpfung, zumeist mit Biontech. Die Kombination aus temporären Angeboten im Gesundheitsamt und die Impfdienste der niedergelassenen Ärzte entsprächen den Erlassen des Landes NRW, fügt Jens Pfitzner hinzu.

Eine Rückkehr zu den großen Impfzentren, die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ins Gespräch gebracht wurde, stößt auf wenig Gegenliebe bei Sozialdezernent Thomas Neuhaus. „Diese Achterbahn der Entscheidungen ist doch überhaupt nicht mehr nachzuvollziehen.“

Remscheid: Ärztenetz bildet das Impfzentrum

Dezernent Thomas Neuhaus

Das größte Impfzentrum sei ohnehin das Netzwerk aus den niedergelassenen Ärzten, die dafür sorgten, dass die „Boosterimpfung funktioniert“. Er glaube nicht daran, dass ein Impfzentrum in der Dimension der Sporthalle West in Reinshagen noch einmal aufgebaut werde, um die Auffrischungsimpfungen zu beschleunigen. „Wenn es dazu käme, würde sich auch die Frage stellen, wer dies denn eigentlich finanzieren soll“, sagt Neuhaus.

Angesichts der wieder steigenden Zahl an Neuinfektionen seit den Herbstferien steht für ihn aber eines fest: „Der Druck auf ungeimpfte Menschen wird weiter wachsen.“

186 Covid-19-Tote

Drei weitere Remscheider im Alter von 84, 89 und 97 Jahren sind mit oder an Covid-19 verstorben, teilt die Stadt mit. Somit steigt die Zahl der Corona-Toten seit Beginn der Pandemie auf 186. Von den 9 Covid-Patienten in den Krankenhäusern liegt einer auf der Intensivstation. In unserem Blog finden Sie die neuesten Informationen zu Entwicklungen rund um das Coronavirus in Remscheid.

Standpunkt: Kurze Wege zum Impfen

Kommentar von Frank Michalczak

frank.michalczak@rga.de

Die niedergelassenen Haus- und Fachärzte sollen es richten und für Schwung in der nächsten Impfrunde sorgen. Das gilt aktuell sowohl für den Schutz der Bewohner in den Alten- und Pflegeheimen als auch für alle Menschen, die älter als 70 Jahre sind. Dabei ist es höchst wahrscheinlich, dass die Auffrischungsimpfung schon bald weiteren Personengruppen empfohlen wird. Und spätestens dann steht die Frage im Raum, ob die Kapazitäten der niedergelassenen Mediziner und ein paar Impfangebote im Gesundheitsamt an der Hastener Straße ausreichen. Schon jetzt klagen Ärzte über maximale Belastung durch Infektionen, die nichts mit Corona zu tun haben, durch die aktuelle Grippeschutz- und durch die Auffrischungsimpfung gegen Covid-19. Wie wollen sie denn den Andrang bewältigen, wenn alle den dritten Piks bekommen dürfen? Es ist nur eine Frage der Zeit, dass es weitere Impfstellen geben muss. Vielleicht kein großes Zentrum wie in der Sporthalle West, sondern mehrere kleinere Anlaufstellen, die auf die Stadtteile verteilt werden sollten. Die Wege zum Impfen müssen kurz sein.

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