Praxen kämpfen mit Andrang

Ärzte empfehlen ihren Patienten einen Coronatest

Bei den Corona-Teststationen melden sich immer wieder Patienten, die von ihren Ärzten geschickt wurden.
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Bei den Corona-Teststationen melden sich immer wieder Patienten, die von ihren Ärzten geschickt wurden.
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Menschen mit Symptomen werden nicht immer sofort behandelt.

Von Andreas Tews und Timo Lemmer

Remscheid. In den Arztpraxen herrscht Hochbetrieb. Das bestätigt die Remscheider Ärztin Dr. Bettina Stiel-Reifenrath. Wer aber mit starken Erkältungssymptomen zum Arzt geht, muss in einigen Praxen damit rechnen, dass er nicht sofort behandelt wird. Die Betroffenen werden zunächst zu einem Schnelltest in einem Corona-Testzentrum geschickt, um zu klären, ob sie an Covid-19 erkrankt sind. Ärzte bitten um Verständnis und verweisen darauf, dass sie bei den derzeit vollen Wartezimmern den Andrang regulieren müssen. Patienten hingegen sind verärgert – zumal in Testzentren bei Symptomen in der Regel keine Schnelltests vorgesehen sind.

Rechtliche Lage: Vorgeschrieben sind negative Coronatests für einen Arztbesuch nicht (). Liege kein Notfall vor, dürfe ein Kassenarzt nach Angaben des nordrhein-westfälischen Gesundheitsministeriums eine Behandlung aber unter bestimmten Bedingungen ablehnen. Als Beispiele denkbar seien ein Überschreiten der Behandlungskapazität, eine Bedrohung oder Beleidigung der Ärztin oder des Arztes oder das Nichtvorlegen der elektronischen Gesundheitskarte. Das Ministerium stellt aber klar: „Die Nichtvorlage eines negativen Tests gehört nicht dazu.“

Verstöße melden: Sollte tatsächlich ein Patient nicht behandelt werden, empfiehlt das Ministerium, dies bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) vor Ort zu melden.

Zwiespalt bei den Ärzten: Viele Ärzte befinden sich derzeit in einem Zwiespalt zwischen dem Versorgungsauftrag für die Patienten und den Schwierigkeiten, die Arbeit in den vollen Praxen zu organisieren. Christopher Schneider, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, verweist ebenfalls darauf, dass Patienten ohne Test eine Behandlung nicht verweigert werden dürfe. Er zeigt aber Verständnis dafür, dass die Ärzte und Ärztinnen in ihren Praxen Vorsicht walten lassen, um Krankheitsfälle beim eigenen Personal und daraus folgende Praxisschließungen zu vermeiden. Es seit ratsam, für Patienten mit entsprechenden Symptomen eine spezielle Infektionssprechstunde einzurichten. Nicht möglich sei es den Ärzten, in der derzeit angespannten Situation entsprechende Tests vor Ort selbst vorzunehmen.

Lage in Remscheid: Dr. Bettina Stiel-Reifenrath ist Vorsitzende der KV-Kreisstelle Remscheid. Bei der Allgemeinmedizinerin sowie ihren Kolleginnen und Kollegen ist in diesem Monat besonders viel los: „Der Andrang in den Praxen ist derzeit sehr hoch“, berichtet sie. Es könne daher der Entlastung dienen, wenn Patienten mit entsprechenden Symptomen vor dem Arztbesuch einen Test vornehmen. Das diene auch dazu, Patienten mit Corona-Infektionen von denen mit anderen Erkrankungen zu unterscheiden. Stiel-Reifenrath erklärt: „Sicherlich ist es sinnvoll, bei Erkältungssymptomen erst einmal einen Corona-Test zu machen, da Patienten mit vielfältigen Virus-Erkrankungen aktuell in den Praxen vorstellig werden.“

Ärger um die Bürgertests: Der Ärger unter Patienten wird auch dadurch gesteigert, dass der Bürgertest für einen Arztbesuch nicht kostenlos ist. Viele geben im Testzentrum darum an, dass bei ihnen ein Krankenhausbesuch ansteht. Wenn sie denn überhaupt dort getestet werden. Denn eigentlich, so erklären mehrere Anbieter auf Anfrage, wird bei Patienten mit Corona-Symptomen im Testzentrum kein Schnelltest gemacht. Einige machen Ausnahmen, andere verweisen an Arztpraxen, die Tests anbieten, wieder andere bieten für Patienten mit Symptomen einen PCR-Test an. Auf dessen Ergebnis muss man aber 24 bis 48 Stunden warten.

Ratschläge für Patienten: Patienten und Patientinnen, die Ärger oder einen unnötigen Weg zum Arzt vermeiden wollen, empfiehlt KV-Sprecher Schneider, vorher in der Praxis anzurufen. Dabei könne man erfragen, ob es gesonderte Infektionssprechstunden oder digitale Angebote wie Videosprechstunden gibt. Außerdem sei eine Krankschreibung telefonisch zu erhalten. Schneider: „Alternativ können Patientinnen und Patienten notfalls auch auf andere Praxen im Umfeld ausweichen.“

Regelung

Weder die Coronaschutzverordnung noch das Infektionsschutzgesetz erlangen nach Angaben des NRW-Gesundheitsministeriums einen negativen Test für einen Arztbesuch. Das Ministerium empfiehlt den Ärzten auch nicht, einen solchen Test zu verlangen. Durch die Regelungen werde der Wille von Bund und Land zum Ausdruck gebracht, medizinische Behandlungen nicht von einem negativen Testergebnis abhängig zu machen. Aus Sicht des Ministeriums reicht die in Arztpraxen geltende FFP2-Maskenpflicht in Verbindung mit Impfungen und gesonderten Infektionssprechstunden als Schutz aus.

Alle weiteren Nachrichten zur Corona-Lage in Remscheid finden Sie in unserem Live-Blog.

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