Kräwi

Aus Äpfeln und Birnen wird in Minutenschnelle leckerer Saft

Familie Guthoff ist aus Düsseldorf zur Kräwi angereist, damit aus ihren Äpfeln wohlschmeckender Saft gepresst wird. Foto: Doro Siewert
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Familie Guthoff ist aus Düsseldorf zur Kräwi angereist, damit aus ihren Äpfeln wohlschmeckender Saft gepresst wird.

Familie Rapp machte mit ihrer mobilen Saftpresse an der Kräwi Station.

Von Peter Klohs

Remscheid. Mein Besuch des Freizeitparks Kräwinkler Brücke (Kräwi), um die mobile Mosterei von Udo Rapp genauer in Augenschein zu nehmen, beginnt mit einem Scherz. „Haben Sie einen Presstermin?“, ruft mir schon von weitem ein Mitarbeiter zu. „Nein“, antworte ich, „ich habe einen Pressetermin.“ Wir lachen über die Bedeutung eines einzigen Buchstabens.

Der Mitarbeiter entpuppt sich schnell als Florian Siegmund, Schwiegersohn von Udo Rapp. „Ich helfe aus“, verrät er. „Die Schwiegermutter kann heute nicht.“ Nebenher füllt er 5-Liter-Behältnisse mit frisch gepressten Apfelsaft ab. Die Äpfel liefern die Kunden selber an, die mobile Mosterei presst.

Den Platz an der Kräwi hat Gärtnermeister Klaus Nöske dem Mettmanner Mostbetrieb vermittelt. „Die biologische Station Mittlere Wupper aus Solingen hat uns angesprochen, ob wir einen Platz wüssten, auf dem Familie Rapp aus Äpfeln Saft pressen kann. Und da ich mit der Kräwi sehr viel zu tun habe und hier Wasser, Strom und ein aufnahmefähiger Gully vorhanden sind, habe ich Nikolaus Dirlein gefragt, der die gute Seele des Geländes ist und sofort zugestimmt hat.“

Am Dienstagmorgen ist der Betrieb an der mobilen Mosterei überschaubar, was jedoch verständlich ist. „Wir mussten die Kunden bitten, sich vorher anzumelden“, erzählt Udo Rapp. „Anders ist das in Coronazeiten nicht zu bewältigen. Auf diese Weise sind nie zu viele Kunden gleichzeitig bei uns, und wir haben trotzdem immer genug zu tun.“

Eine Solinger Familie packt gerade 50 Liter Saft in den Kofferraum ihres Autos. „Es ist so toll, seinen eigenen Saft trinken zu können“, schwärmt das Paar. Udo Rapp nickt wissend. Seit 2012 arbeitet das Ehepaar Rapp mit ihrer Mosterei. In seinem vorherigen Berufsleben war Udo Rapp Zahntechnikermeister in einem eigenen Dentallabor. Aber vor allem die stetig steigende Bürokratie sorgte dafür, dass er sich davon abwandte. „Das kann man gut als Rentner machen“, sagt der rüstige Mettmanner. „Leben kann man von der Mosterei nicht. Zwei Monate im Jahr Hochbetrieb. Und dann?“

In den acht Jahren hat er schon viel erlebt und kann viel erzählen. „Das vergangene Jahr war mau“, weiß er zu berichten, „das Obst hatte schon Frost abbekommen. In diesem Jahr sind die Äpfel klein und zum Teil durch die Sonneneinstrahlung verbrannt. Die haben echt einen Sonnenbrand.“

Wenn die Betreiber der mobilen Mosterei richtig Gas geben, schaffen sie es, fast 600 Kilogramm Äpfel pro Stunde in Saft zu verwandeln (Saftausbeute zwischen 70 und 75 %), in Spitzenzeiten sechs Tonnen am Tag. „Automatisch gewaschen, kernschonend gemahlen, siebbandgepresst und nach kurzer Erhitzung vitaminschonend haltbar gemacht“, wie Udo Rapp erklärt. „Der naturtrübe Saft hält sich rund 18 Monate, davon drei bis vier, ohne im Kühlschrank gelagert werden zu müssen.“

Remscheid: Den Trester erhalten Gänse und Schweine

Das Einzugsgebiet der mobilen Mosterei erstreckt sich von Aachen bis nach Remscheid. Sehr viele Kunden sind „Wiederholungstäter“, berichtet Florian Siegmund, während er im bereitgestellten Wassereimer ein wenig Schaum von den Saftbehältern abwäscht. Gelernte Handgriffe, die automatisch geschehen. Hier ist der Pressvorgang durchgeplant und gut organisiert.

Ist auch der „Abfall“ schon verplant? „Der Trester, der nach dem Pressvorgang übrig bleibt, kann noch verwendet werden, zum Beispiel als Tierfutter für Gänse oder Schweine.“ Die nächsten Kunden sind angekommen und entladen zahlreiche Säcke mit ihrem Obst: Äpfeln und Birnen wild gemischt. „Das geht natürlich auch“, weiß Rapp. „Wir sind eine der ganz wenigen Mostereien, die auch noch Quitten auspressen können. Aber das ist dann schon sehr anstrengend und arbeitsintensiv. Quitten haben eine andere Konsistenz als Äpfel. Da wechseln wir quasi alle 10 Minuten die Filter. Aber: Quittensaft ist schon extrem lecker.“

www-mettmanner-mosterei.de

Mobile Saftpresse

Seit 2012 ist Udo Rapp mit seiner mobilen Mosterei zwischen Aachen und Remscheid unterwegs. Der Presstermin an der Kräwi wurde vom Arbeitskreis Obstwiesen Bergisches Städtedreieck und Arbeit Remscheid gGmbH organisiert. Ab einer Obstmenge von 2 Tonnen kommt die Mosterei auch zu den Kunden. Anmeldungen sind nur telefonisch möglich, Tel. 0174 88 77 800.

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