Familie

Adoption: Das müssen Familien wissen

Heike Koch (l.) und Lisa Böhne sind die Adoptionsvermittlerinnen der Stadt. Sie begleiten vor, während und nach der Adoption. Foto: Michael Schütz
+
Heike Koch (l.) und Lisa Böhne sind die Adoptionsvermittlerinnen der Stadt. Sie begleiten vor, während und nach der Adoption.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
    schließen

Lisa Böhne und Heike Koch von der Stadt vermitteln und beraten – Neues Gesetz sorgt für mehr Offenheit

Remscheid. Zwei Kindern haben Lisa Böhne und Heike Koch vergangenes Jahr ein neues Leben geschenkt. Denn diese beiden Kinder wurden adoptiert. Zwei weitere sind angemeldet. Und genauso viele erwachsene Bewerber sind wiederum für eine Adoption vorgemerkt. Während die sogenannten Fremdadoptionen weniger werden, steigt die Zahl der Stiefkinder, berichtet Lisa Böhne. Gemeinsam mit Heike Koch leitet sie die Adoptionsvermittlung bei der Stadt Remscheid. Was Familien, die sich mit dem Gedanken tragen, wissen müssen, erklären wir im Folgenden.

Was ist die Fremdadoption?

„Entweder wird das betroffene Kind im Krankenhaus anonym geboren, oder es wendet sich eine Schwangere direkt an uns. Dann gibt es viele lange Gespräche mit der leiblichen Mutter“, erklärt Lisa Böhne. Denn die beiden Expertinnen haben Kontakte zu den Remscheider Einrichtungen, können vermitteln, beraten – und so manche Mutter auch schon mal umstimmen. Manchmal sei eine Mutter-Kind-Einrichtung oder eine flexible Erziehungshilfe auch eine Lösung. Es gebe aber immer weniger Eltern, die ihr Kind zur Adoption freigäben, sagt Böhne.

Wie läuft die Fremdadoption ab?

Sollte es dennoch dazu kommen und ein Kind im Krankenhaus in eine Fremdadoption vermittelt werden, gilt eine Wartezeit von einem Jahr. „Wir gehen dann zum Notar, es wird ein Vormund bestellt, weil das Kind ja keinen rechtlichen Vertreter hat.“ Adoptivpflegeeltern kümmern sich dann ein Jahr lang um das Kind, Koch und Böhne besuchen sie regelmäßig. Nach diesem einen Jahr schreibt das städtische Vermittlungsteam einen Bericht – und erklärt darin, ob das Kind zur Adoption freigegeben werden kann.

Was müssen Paare, die ein Kind adoptieren möchten, mitbringen?

Laut den Richtlinien des LVR sollten die potenziellen Adoptiveltern nicht älter als gemeinsam 80 Jahre sein. „Es sollte dem Zyklus einer normalen Frau entsprechen.“ Böhne und Koch informieren die Eltern dann – erkundigen sich aber auch genau über deren Leben, ihre Wertvorstellungen und ihre eigene Kindheit. Auch in Einzelgesprächen. „Damit wir passgenau vermitteln können.“ Zudem müssen die Adoptiveltern ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen. Den Vordruck gibt es bei den Adoptionsvermittlerinnen. Auch ein Gesundheitsattest, zum Beispiel vom Hausarzt, muss beigebracht werden. „Wir müssen sicherstellen, dass die Bewerber physisch und psychisch in der Lage sind, ein Kind zu erziehen.“ Das Team berät vor, während und nach der Adoption.

Wie läuft die Stiefkindadoption ab?

Beispiel: Ein Partner bringt ein Kind mit in die zweite Ehe, und der andere Partner möchte das Kind nun adoptieren. Dann geht die Familie zur Adoptionsvermittlung und erhält dort einen Beratungsschein. „Der beinhaltet, dass wir mit dem annehmenden und dem leiblichen Elternteil sprechen, sie alle beraten. Denn der abgebende Elternteil muss immer mitreden.“ Manchmal komme es vor, dass ein leiblicher Vater nicht auszumachen sei, auch nicht nach gründlicher Recherche des städtischen Teams. Dann kann eine Adoption nicht durchgeführt werden.

„Es ist für die Betroffenen wie eine Lebenslüge.“

Lisa Böhne

Mit dem besagten Schein muss die Familie dann zum Notar, der Unterlagen benötigt wie Meldebescheinigung, Geburtsurkunde, Gesundheitsattest & Co. Liegt alles vor, schickt der Notar die Unterlagen ans Gericht. „Dann bekommen wir eine Akte vom Gericht und müssen eine fachliche Äußerung abgeben“, erklärt Böhne. Die Vermittlerinnen besuchen die Familie mehrmals, führen Gespräche. Passt alles und fällt die fachliche Stellungnahme positiv aus, müssen die Eltern mit dem Kind schließlich zum Gericht. Dort gibt es dann den Beschluss der Adoption.

Und was ist mit einer gleichgeschlechtlichen Adoption?

Hier gilt das Gleiche. Nur ist hier meist das Problem, dass es sich um eine Samenspende handelt und sich eine Eltern-Kind-Beziehung daher erst später aufbauen lässt. Doch gerade das ist den Beraterinnen der Stadt wichtig, es muss eine Bindung zwischen Kind und Eltern zwingend vorhanden sein. „Vor dem ersten Jahr funktioniert eine Adoption daher meist nicht.“

Gibt es auch den Fall, dass Pflege- zu Adoptivkindern werden?

Ja, diese Fälle hat das Team aktuell dieses Jahr. Also wenn das Kind bereits mehrere Jahre bei den Pflegeeltern lebt, und diese irgendwann sagen: Wir adoptieren das Kind. Dann muss aber auch der leibliche Elternteil der Adoption zustimmen. Alle müssen dann wieder zum Notar.

Was bringt das neue Gesetz?

Mit dem Adoptionshilfe-Gesetz sind zum 1. April neue Regelungen für die Adoptionsvermittlung in Kraft getreten. Es fördert die Transparenz und den offenen Umgang aller Beteiligten. „Das Kind hat ein Recht zu erfahren, wer seine Eltern sind und wo es herkommt. Es braucht dieses Wissen für seine Entwicklung.“ Auch die Herkunftsfamilie habe dabei mehr Rechte, zu erfahren, wie es dem Kind geht. Früher war das undenkbar. „Die alten Akten sind nur ganz dünn“, erzählt Lisa Böhne. Nicht selten komme es vor, dass ein Mitte 40-Jähriger heiraten möchte und aus allen Wolken falle, wenn in seiner Geburtsurkunde die Randbemerkung „adoptiert“ auftauche. „Das ist für die Betroffenen wie eine Lebenslüge.“ Das neue Gesetz soll dies verhindern.

Kontakt

Stadt Remscheid, Fachdienst Jugend, Abteilung Soziale Dienste Pflegekinderdienst/Adoptionsangelegenheiten, Haddenbacher Straße 38. Lisa Böhne und Heike Koch teilen sich die Aufgaben der Adoptionsvermittlung. Kontakt Lisa Böhne: Tel. 16 25 13, Kontakt Heike Koch: Tel. 16 27 97.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare