Tradition

Abiturienten können ihren Ball kaum planen

Abiturienten-Besprechung am Bildschirm: EMA-Stufensprecher Alessandro Costanzo (li.), Julius Kluft (Monitor) und Erva Gümüs. Foto: Roland Keusch
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Abiturienten-Besprechung am Bildschirm: EMA-Stufensprecher Alessandro Costanzo (li.), Julius Kluft (Monitor) und Erva Gümüs.

Zwischen Hoffen, Bangen und Frust: EMA-Gymnasiasten wollen trotzdem „mit Abstand die Besten sein“.

Von Andreas Weber

Remscheid. Erva Gümüs erinnert sich, wie sie als Fünftklässlerin ehrfürchtig auf die damalige Q2 im Abi-Fieber schaute mit all dem verbundenen Spaß und Feierlichkeiten. Acht Jahre später ist die Vorfreude auf ihr eigenes Abitur bei der 17-jährigen EMA-Gymnasiastin gewichen. Abitur 2021 ist eine Mischung aus Hoffen, Bangen und Frust – was die Vorbereitung auf die Prüfungen angeht wie den Festmarathon, der mit dem Abi-Ball gekrönt werden soll.

Ihr Jahrgang hat für den Schlussakkord am 26. Juni das Wuppertaler Brauhaus gebucht. Ob das Fest mit den 120 Absolventen, deren Verwandten und ausgewählten Lehrern zustandekommt, steht in den Sternen. Tendenz: eher negativ. „Wenn der Ball coronabedingt nicht stattfinden kann, erhalten wir unser Geld zurück“, sagt Alessandro Costanzo (18), mit Erva Gümüs (17) und Julius Kluft (18) einer der drei Jahrgangsstufensprecher und in Abi-Komitees beteiligt.

Immerhin eine Beruhigung für die Ausrichtung eines teuren Abends, für den die weit über 500 Gäste tief ins Portemonnaie greifen müssen. Die Finanzierung ist eine Rechnung mit vielen Unbekannten. Zweimal 40 Euro mussten die EMA-Schüler auf das Abi-Konto einzahlen. „Der Preis für eine Eintrittskarte ist aber nicht kalkulierbar. Sie wird ab 40 Euro aufwärts liegen“, erklärt Julius Kluft.

„Wir haben uns immer angepasst, positiv gedacht.“

Julius Kluft, EMA-Gymnasiast

Wie hoch die Einnahmen aus flankierenden Aktionen sind, wie viel Besucher im Sommer bei größeren Veranstaltungen zugelassen werden, ob überhaupt Feiern möglich sein werden, sind Fragen, die kein Abi-Komitee beantworten kann. 2020 standen die Vorgänger vor demselben Problem. Das Leibniz feierte seinen ausgefallenen Ball in der letzten Woche der Sommerferien im August nach, wenngleich mit weniger Teilnehmern. Beides – Ausfall wie abgespeckte Nachfeier – könnte die Abiturienten nun wieder treffen. Jahrgangsbücher und Pullis wird es zwar geben, fest steht aber, dass vieles, was den Stress vor der Zeugnisausgabe auflockerte, der Pandemie zum Opfer fällt.

Die beliebten Abi-Battles in der Schlossfabrik in Unterburg, die gutes Geld in die Kassen spülten und ihr Finale im Januar gehabt hätten, wurden abgesagt. Das Halligalli in der Mottowoche vor Ostern ist ebenfalls gestrichen. Und die bunten Abende, meist im Februar und oft die beste Einnahmequelle für klamme Abi-Kassen, fallen ebenso ins Wasser.

Bei letzterem bewiesen die EMA-Abiturienten, dass sie gewillt sind, ihrem Abi-Motto „Coronabi – Mit Abstand die Besten“ gerecht werden wollen. „Wir planen eine Alternative für den bunten Abend: Auf Twitch, einer Live-Streaming-Plattform, wollen wir Verkaufsaktionen starten, zum Beispiel mit Fotos oder Zeichnungen“, erläutert Alessandro Costanzo. „Trotz Planungsunsicherheit haben wir immer was auf die Beine gestellt“, meint Julius Kluft.

Selbst Homeschooling und Lockdowns bremsten den agilen Jahrgang nicht aus. Waffeln wurden für die Abi-Kasse verkauft, ebenso Weckmänner, Nikoläuse und Sandwiches mit Sucuk (scharfe türkische Wurst). „Wir waren gezwungen, spontan zu reagieren. Wir haben uns immer angepasst, positiv gedacht“, sagt Julius Kluft. Und Alessandro Costanzo ergänzt: „Die Hoffnung lebt ja noch, Depressivität bringt nichts. Wir halten als Stufe zusammen und wollen irgendwie ein schönes Abi machen.“

Einen ständigen Austausch wie bei den EMA-Schülern gibt es an der Sophie-Scholl-Gesamtschule nicht. „Zu Beginn 2020 waren alle noch sehr motiviert, jetzt, wo es darauf ankommt, läuft nichts“, bedauert Shirin Riethmüller. Gerade das Abi-Ball-Komitee ruht. Eine Location ist nicht festgemacht – ungewöhnlich für ansonsten langfristig planende Abschlussjahrgänge. Noch vor Corona hatte der für Sophie-Scholl-Verhältnisse kleine Jahrgang von 94 angehenden Abiturienten die Schlossfabrik oder die Eventarena im Auge.

Am Ende hätte es die Eventarena am Hauptbahnhof werden sollen. Geplant war der 25. Juni. Ein Vertrag wurde nicht unterschrieben, weil die Betreiber bei der Unterschrift nicht nur zwei Achtzehnjährige, sondern einen Erwachsenen an Bord haben wollten. Darüber kam Corona und der Stillstand. Shirin Riethmüller hofft, dass kurzfristig etwas möglich sein wird, obwohl die Durchführung des Balls umstritten in ihrem Jahrgang sei. Der Corona-Abilernstress lähme andere Aktivitäten, meint die 18-Jährige. | Standpunkt

In der Schwebe

Auch am Leibniz treten die Abi-Feierlichkeiten in den Hintergrund. „Aufgrund von Corona können wir uns nicht so kümmern, wie es sein sollte“, meinen Muriel Bachmann (18) und Laura Kickton (18), beide im Abi-Ball-Komitee: „Die Situation ist belastend, ohne soziale Kontakte umso mehr. Alles hängt in der Schwebe.“ Dennoch steht der 26. Juni in der Eventarena. Mit dem Motto „Abios Amigos –12 Jahre Siesta, jetzt Fiesta“ marschiert das Leibniz dem etwas über 20 000 Euro teuren Höhepunkt entgegen. Spendensammeln wie Waffel- oder Kuchenverkauf entfiel. „Dafür sind wir durch die Klassen gegangen und haben eingeschweißte Süßigkeiten verkauft.“

Standpunkt: Ein Grund zum Feiern

Von Michael Albrecht

michael.albrecht@rga-online.de

Es ist ein Trauerspiel. Die Pandemie droht den angehenden Abiturienten einen Strich durch sämtliche Pläne zu machen. Größere Festivitäten werden wegen der Infektionsgefahren in Frage gestellt. Das ist frustrierend und bedauerlich. Schließlich ist das Erlangen der allgemeinen Hochschulreife ein Einschnitt in das junge Leben, der es verdient hätte, riesig gefeiert zu werden. Der mittlerweile zweite Corona-Jahrgang kämpft in seinem letzten Schuljahr mit nie dagewesenen Schwierigkeiten. Präsenzunterricht war kaum möglich, und wenn, nur mit Maske und Abstandhalten.

Der Unterricht per Zoom ist sicherlich auch kein Zuckerschlecken und macht gemeinsames Lernen nahezu unmöglich. Hinzu kommt, dass die Technik nicht immer mitspielt, eine gezielte Vorbereitung auf die Reifeprüfung nur bedingt möglich ist. Angesichts dieser Hemmnisse hätten die Abiturienten 2021 einen würdigen Abschluss ihres Schülerdaseins verdient. Umso mehr darf man ihnen wünschen, dass alle es halten wie die EMA-Abiturienten, die die Hoffnung auf einen Abi-Ball nicht aufgeben und optimistisch ihre Planung vorantreiben.

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