Vereinbarung getroffen

Betrieb der S 7 ist bis Ende Januar gesichert

Viele Pendler nutzen die Linie der S 7. Abellio bemüht sich, deren Betrieb weiterhin sicherstellen zu können. Foto: Michael Schütz
+
Viele Pendler nutzen die Linie der S 7. Abellio bemüht sich, deren Betrieb weiterhin sicherstellen zu können.

Der insolvente Betreiber Abellio hat eine Vereinbarung mit den Aufgabenträgern getroffen. Die technischen Probleme sind mittlerweile behoben.

Von Kristin Dowe

Remscheid. In der letzten Zeit kam Abellio aus den Negativschlagzeilen kaum heraus: Auf der Strecke der S 7 kam es über Monate zu technischen Problemen, die für eine Vielzahl von Verspätungen und Zugausfällen sorgten. Zudem schien die Zukunft des Bahnunternehmens – und damit der Betrieb der für das Bergische elementar wichtigen Verbindung zwischen Solingen und Wuppertal über Remscheid – angesichts des laufenden Insolvenzverfahrens ungewiss.

In den Verhandlungen zwischen dem für Solingen zuständigen Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR), den zwei weiteren regionalen Aufgabenträgern NWL (Nahverkehr Westfalen-Lippe) und NVR (Nahverkehr Rheinland) sowie Abellio haben alle Beteiligten eine Fortführungsvereinbarung bis zum 31. Januar 2022 getroffen. Bis dahin ist die Finanzierung des Bahnverkehrs in NRW – und somit des weiteren Betriebs der S 7 – fürs Erste gesichert.

„Mit den technischen Problemen ist Abellio uns gegenüber äußerst transparent umgegangen.“

Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz

Dies dürfte zunächst als Teilerfolg zu werten sein, wenngleich noch unklar ist, wie es danach konkret weitergehen wird. „In diesem Zeitraum gilt es nun, gemeinsam mit allen Beteiligten langfristige Lösungen für die von Abellio in Nordrhein-Westfalen befahrenen Netze, darunter die Linie S 7, zu vereinbaren“, berichtet Abellio-Sprecher Dr. Stefan Dietrich. Aktuell fänden „vertrauliche Gespräche“ über die Frage statt, wie die Verkehrsleistungen langfristig gestaltet sein werden. Zu Details könne Abellio sich deshalb noch nicht äußern.

Das Unternehmen befindet sich seit dem 30. Juni in einem gesetzlichen Schutzschirmverfahren und ringt mit dem am 1. Oktober gestarteten Hauptverfahren um die weiteren Sanierungsschritte. Für die Fahrgäste ändere sich damit nichts, versichert Dietrich. „Der Zugbetrieb wird wie gewohnt weitergeführt.“ Auf diesem Wege versuche Abellio, sich erfolgreich neu aufzustellen.

Die Solinger Vertreter des VRR, der Vorsitzende des Fahrgastbeirats Leon Kröck (Grüne) und Stadtdirektor Hartmut Hoferichter (parteilos), haben die Verhandlungen mit Abellio in mehreren Gremiensitzungen begleitet und unterstützen die vorläufige Lösung. „Die Vereinbarung schafft nun den nötigen Zeitrahmen, um die notwendige und gewollte langfristige Perspektive zu entwickeln“, gibt sich die Solinger Stadtsprecherin Sabine Rische optimistisch. „Ein Konkurs von Abellio ist vom Tisch.“

Die technischen Probleme um den zuletzt festgestellten Radsatzverschleiß in den vergangenen Monaten auf der Linie der S 7 hatten Abellio zusätzlich unter Druck gesetzt. Die drei Oberbürgermeister der betroffenen Städte hatten unter anderem in einem Brandbrief an Abellio auf eine schnelle Lösung gedrängt. Gemeinsam mit dem VRR und der Bahn wurde in Videokonferenzen laut Angaben der Solinger Stadtverwaltung ein umfangreicher Katalog von Maßnahmen und Tests festgelegt, um die Situation in den Griff zu bekommen.

So wurden etwa vorsorglich Räder gewechselt, Kamerafahrten initiiert und rund 15 Kilometer Schienenprofile gefräst. Diese Bemühungen trugen schließlich Früchte: Im August konnte Abellio vom Not- zum Normalbetrieb zurückkehren. Darüber hinaus sollen in der zweiten Novemberhälfte auf Solinger Gebiet zwischen Mitte und Hauptbahnhof Schienen ausgetauscht werden.

Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) lobte Abellios Einsatz trotz aller gegenwärtigen Schwierigkeiten: „Mit den technischen Problemen ist Abellio uns gegenüber äußerst transparent umgegangen. Die Kommunikation hat da sehr gut funktioniert“, betonte er gegenüber unserer Redaktion.

Hintergrund

Prozedere: Im Zuge des Schutzschirmverfahrens zahlte für drei Monate die Bundesagentur für Arbeit die Löhne und Gehälter der Abellio-Beschäftigten.

Direktzug: Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr hat Mittel für einen Direktzug bereitgestellt, der ohne Zwischenstopps voraussichtlich Ende 2022 von Remscheid über Solingen-Mitte nach Düsseldorf durchfahren soll. An den Plänen halte man weiterhin fest, heißt es beim VRR.

Standpunkt: Ein knallhartes Geschäft

Kommentar von Kristin Dowe

redaktion@rga.de

Branchenkenner sehen einige Faktoren, die Abellios derzeit schwierige Situation sicherlich begünstigt haben: Dazu gehören etwa gestiegene Personalkosten durch neue Tarifverträge, coronabedingt verzögerte Fahrzeuglieferungen und häufige Ausfälle durch Arbeiten an der Schieneninfrastruktur. Wegen der vielen Baustellen müssen die Verkehrsunternehmen empfindliche Strafen für Verspätungen zahlen und zudem teuren Schienenersatzverkehr bereitstellen, mit dem die Kunden zumeist dennoch unzufrieden sind. Auch ist die Konkurrenz durch den Staatskonzern Deutsche Bahn und andere private Bahnunternehmen im Geschäft auf der Schiene knallhart. Falls Abellio, übrigens eine Tochter der niederländischen Staatsbahn, den deutschen Markt verlassen sollte, müssten per Notvergabe kurzfristig andere Anbieter gefunden werden. Im Interesse der längst überfälligen Verkehrswende ist dem Unternehmen nur zu wünschen, dass es sich trotz all dieser Fallstricke aus den roten Zahlen manövrieren kann. Für viele Remscheider Pendler ist die Linie S 7 eine unverzichtbare Verbindung in die bergischen Nachbarstädte. Sie muss unbedingt erhalten bleiben.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Neueröffnungen setzen im Lüttringhauser Zentrum neue Impulse
Neueröffnungen setzen im Lüttringhauser Zentrum neue Impulse
Neueröffnungen setzen im Lüttringhauser Zentrum neue Impulse
Einbrüche in Remscheid: Die Polizei sucht Zeugen
Einbrüche in Remscheid: Die Polizei sucht Zeugen
Einbrüche in Remscheid: Die Polizei sucht Zeugen
Schockanruf: 87-Jährige übergibt 40.000 Euro
Schockanruf: 87-Jährige übergibt 40.000 Euro
Schockanruf: 87-Jährige übergibt 40.000 Euro
Pipersberg investiert mit neuem Gaszähler in digitale Zukunft
Pipersberg investiert mit neuem Gaszähler in digitale Zukunft
Pipersberg investiert mit neuem Gaszähler in digitale Zukunft

Kommentare