Projekt

#5630: Bühne der Stille in eisiger Kälte

Der Hinterhof an der Daniel-Schürmann-Straße wurde zur Virtual-Reality-Umgebung. Foto: Roland Keusch
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Der Hinterhof an der Daniel-Schürmann-Straße wurde zur Virtual-Reality-Umgebung.

Projekt verwandelt Hinterhof in virtuellen Ausstellungsraum.

Von Peter Klohs

Remscheid. Das vor drei Jahren von Marcel Haupt und Jochen Peitz initiierte Projekt #5630 versteht sich als nachhaltige Kultur-Institution, die Talente in Bewegung, Musik, Wissen und Kunst fördert und den Jugendlichen einen Rahmen gibt, gemeinschaftlich unter dem Motto „Wert.Schätzen.Lernen“ neue Wege zu gehen und die Kultur ihrer Stadt perspektivisch mitzugestalten.

Um zu zeigen, dass dieser Anspruch auch in Corona-Zeiten aufrechterhalten bleibt, fand am Freitagabend eine Ausstellungseröffnung mit bemerkenswertem Rahmenprogramm statt. In einem brachliegenden Hinterhof an der Daniel-Schürmann-Straße (Marcel Haupt: „Dieser Ort hier hat uns inspiriert.“), keinen halben Steinwurf von der Alleestraße entfernt, wurde in bitterer Kälte die „Bühne der Stille“ vorgestellt.

Diese Bühne war der Ersatz für eine Ausstellung in geschlossenen Räumen, die augenblicklich nicht durchgeführt werden kann. Der Hinterhof wurde fotografiert und unter Zuhilfenahme komplizierter Technik als Virtual-Reality-Umgebung dargestellt, in der QR-Codes die Exponate der Ausstellung sichtbar machen, die so digital erlebbar wird.

Doch das eigentlich Sensationelle des Abends war das Rahmenprogramm. Der Moderator des Abends, Cedric Pick, schilderte zwar frierend, jedoch mit unerschütterlichem Optimismus den Anspruch des Projektes #5630 und interviewte zwei junge Frauen, die Teil der kulturellen Gemeinschaft sind. Der erste Höhepunkt wurde durch ein interaktives Künstler-Duo geschaffen. In einer Mehrkanal-Installation zeigten der in Teheran geborene Navid Razavi sowie der aus Bonn stammende Joel Jaffe auf, wie man Töne und Optik intensiv miteinander verbinden kann.

Remscheid: Animiertes Schneegestöber verwirrt menschliches Auge

Ausgangspunkt für ihre 50-minütige Darbietung waren Field-Recordings (Außenaufnahmen aus Natur und anderen Lebensräumen) sowie die Synthese zwischen verschiedenen Synthesizern und Computern. Auf den grandios großen Häuserwänden im Innenhof verwirrte animiertes Schneegestöber das menschliche Auge, eingebettet in verworrene geometrische Struktur, abstrakte Formen, die sich ständig wandelten. Die elektronische Musik blieb rhythmuslos, ein andauerndes Schweben, selbst dann, als sich ein elektronisches Schlagzeug dazugesellte. Die Strukturen in der Häuserfront machten aus der Lichtinstallation zuweilen groteske Gesichter. Eine sehr beeindruckende Performance.

Nachdem Moderator Pick auch den sichtlich unter der Kälte leidenden Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz interviewt hatte („Ja, wenn man will, dann geht eine ganze Menge in unserer Stadt.“), begann ein weiteres Duo sein musikalisches Set bei beinahe minus zehn Grad. Leo Maresch an diversen elektronischen Geräten improvisierte einige Grooves im Schnittfeld aus geschmackvollem Techno und flirrendem Trance.

Dazu sampelte sich Singer-Songwriter Vincent Kuhlen live selbst an Gitarre und Stimme, sang mit seinem klaren Tenor deutsche Texte („Wie kann der Weg das Ziel sein, wenn der Weg eine Einbahnstraße ist?“) und hielt, wenn Maresch eine ausufernde Einleitung spielte, notdürftig seine Finger warm. Gitarre spielen im tiefsten Winter ist im Freien nicht ganz einfach.

Das Duo hat durch diesen Mix aus Loopstation, Live-Samples und Gitarre / Stimme eine eigene musikalische Nische gefunden, die man so noch nicht gehört hat und die ungemein spannend ist. Nach gut zwei Stunden endete der eiskalte Abend, der bewiesen hat, dass man auch in der momentanen Zeit auf Kultur nicht verzichten muss.

Youtube

Die „Bühne der Stille“ war am Freitag nicht direkt still. Wer den 130-minütigen Kulturabend in einem Hinterhof an der Daniel-Schürmann-Straße miterleben möchte, kann dies bei Youtube unter „#5630 – Bühne der Stille“ nachholen.

5630.eu

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