Betreten auf eigene Gefahr

Waldgefahren: 250 Schilder gegen Konflikte im Wald

Mit Schildern im Wald: Rechtsdezernentin Barbara Reul-Nocke, Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz, Ronald Paas vom Forstverband und Forstamtleiter Markus Wolff (v.l.) stellen die Hinweistafeln vor. Foto: Roland Keusch
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Mit Schildern im Wald: Rechtsdezernentin Barbara Reul-Nocke, Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz, Ronald Paas vom Forstverband und Forstamtleiter Markus Wolff (v.l.) stellen die Hinweistafeln vor.

Der Wald ist unsicherer geworden: Forstverband und Stadt weisen auf aktuelle Situation im Wald und rechtliche Grundlagen hin.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. „Achtung: Waldgefahren“ steht auf rund 250 Schildern, die in kommenden Wochen in Remscheider Wäldern angebracht werden. Mit ihnen weisen der Forstverband Remscheid und die Stadt Spaziergänger und andere Besucher auf die aktuelle Situation im Wald und die rechtlichen Grundlagen hin: Das Risiko zum Beispiel durch umstürzende Bäume oder herabfallende Äste sei zuletzt gestiegen, ist dort zu lesen. Doch eine Haftung des Eigentümers bestehe in der Regel nicht: „Das Betreten des Waldes zum Zwecke der Erholung erfolgt immer auf eigene Gefahr!“

Damit reagiere man auf die Entwicklung der vergangenen Jahre, erklärt Markus Wolff, Leiter des Stadtforstamtes. „Der Wald ist ein Stück unsicherer geworden“, sagt Wolff und meint damit nicht zuletzt die Schäden, die durch drei trockene Sommer hintereinander an den Bäumen entstanden sind. „Bei Buchen aber auch bei anderen Laubbäumen zeigen sich die Symptome oft erst Jahre später.“ Gleichzeitig hätten sich aber auch die Ansprüche an den Wald verändert, auch durch Corona, weil es immer mehr Menschen in die Natur ziehe. Und viele erwarten würden, dort eine risikofreie Freizeitbeschäftigung vorzufinden.

„Das führt im Wald, gerade im urbanen Wald, immer wieder zu Konflikten“, berichtet Wolff. Unter anderem zwischen Spaziergängern und Mitarbeitern der Forstverwaltung oder den Waldbesitzern. „Wir machen das auch, um Druck von den Kollegen zu nehmen“, betont der Forstamtsleiter deswegen. Ziel der Schilder sei es also vor allem, „Klarheit und Rechtssicherheit“ herzustellen. Darauf dargestellt werde nur das ohnehin geltende Recht, das auch durch ein Urteil des Bundesgerichtshofes im Jahr 2012 bestätigt worden sei.

Was keinesfalls bedeute, dass die Waldbesitzer nicht ihrer Verkehrssicherungspflicht nachkommen, wie Ronald Paas, Vorsitzender des Remscheider Forstverbandes betont. Rund 60 Prozent der Waldfläche in Remscheid befänden sich in privater Hand, sagt Paas. „Und wir weisen unsere Mitglieder immer wieder auf ihre Pflichten hin.“ Auch Markus Wolff für den städtischen Forst sagt: „Wir tun, was notwendig ist. Natürlich wollen wir nicht, dass jemand zu Schaden kommt.“

Einen Wald aufzuräumen ist nicht sinnvoll

Doch einen Wald aufzuräumen und dort zum Beispiel alle abgestorbenen Bäume und Äste zu entfernen, sei weder möglich noch sinnvoll, sind sich die Experten einig. „Totholz ist ökologisch sehr wertvoll“, sagt Markus Wolff. Unter anderem als Lebensraum für zahlreiche Tiere. Zumal Teile des Remscheider Walds gleichzeitig auch Naturschutzgebiet seien.

Tote Fichten bleiben stehen - dem Wald zuliebe.

Von einer „Vollkaskoerwartung“ spricht Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz in diesem Zusammenhang. Den Menschen müsse einfach klar sein, dass ein Wald nicht so sicher wie ein Park sei, sagt Rechtsdezernentin Barbara Reul-Nocke: „Da müssen die Leute ein Stück weit auch selber die Augen offen halten.“ Die Schilder warnen derweil davor, den Wald bei Starkregen, Gewitter oder Sturm zu betreten. Und vor längeren Aufenthalt im Gefahrenbereich von toten Bäumen.

Weitere Infos gibt es mittels QR-Code auf den Schildern

Zudem bieten sie die Möglichkeit, weitere Informationen zum Thema zu erhalten. Neben den Kontaktdaten der Technischen Betriebe (TBR), bei denen das städtische Forstamt angesiedelt ist, findet sich darauf auch ein QR-Code, der zu einer Internetseite mit zusätzlichen Angaben führt. Und mit einem Link zu einem Online-Ratgeber mit dem Titel „Verhalten im Wald“ des NRW-Landesbetrieb Wald und Holz. Dort gibt es für nahezu jede Nutzungsart, ob zu Fuß mit und ohne Hund, mit dem Rad, auf dem Pferd oder beim Geocaching, passende Tipps für den nächsten Waldbesuch.

www.tbr-info.de/forst.html

www.wald-und-holz.nrw.de

Hintergrund

Der Bundesgerichtshof entschied 2012 (Aktenzeichen: VI ZR 311/11), dass auch im Wald grundsätzlich die Verkehrssicherungspflicht gilt, man dabei aber berücksichtigen müsse „dass nicht jeder abstrakten Gefahr vorbeugend begegnet werden kann“. Ein allgemeines Verbot, andere nicht zu gefährden, sei utopisch, so die Richter damals: „Eine Verkehrssicherung, die jede Schädigung ausschließt, ist im praktischen Leben nicht erreichbar.“

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