Weihnachtsamnestie

25 Häftlinge kommen vorzeitig frei

Andreas Schüller übernahm 2022 die Leitung der JVA Remscheid. Den Gottesdienst im Knast will er mitfeiern.
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Andreas Schüller übernahm 2022 die Leitung der JVA Remscheid. Den Gottesdienst im Knast will er mitfeiern.
  • Axel Richter
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Wer im Gefängnis bleiben muss, kann sich auf das halbe Hähnchen an Heiligabend freuen.

Von Axel Richter

Remscheid. Wer weiter sitzen muss, freut sich an Heiligabend auf ein halbes Hähnchen. Das gibt’s für alle Insassen der Justizvollzugsanstalt Remscheid, die das wollen. Für den Grillwagen öffnen sich traditionell die Tore, und es soll Häftlinge geben, die zählen die Jahre, die sie noch haben, in halben Hähnchen. Für 25 von ihnen hat das Zählen ein Ende. Sie dürfen das Gefängnis in Lüttringhausen vorzeitig verlassen.

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Zum Jahresende lässt Justitia in Nordrhein-Westfalen Gnade walten. Die sogenannte Weihnachtsamnestie entspricht seit Kriegsende christlicher Tradition. Allerdings schafft sie schlicht auch Platz in den Gefängnissen und spart damit bares Geld. 291 Häftlinge kommen deshalb in diesem Jahr NRW-weit vorzeitig frei.

JVA: Diese Häftlinge dürfen das Gefängnis vorzeitig verlassen

Wesentlich verkürzt sich ihre Haftzeit deshalb aber nicht. Nur Häftlinge, deren Zeit hinter Gittern ohnehin zwischen Mitte November und Anfang Januar endet, kommen für den Gnadenakt in Frage und dürfen das Weihnachtsfest im Kreis ihrer Familie verbringen. So sie vorhanden ist.

„Die Entlasssituation ist wichtig“, sagt Andreas Schüller, Leiter der Justizvollzugsanstalt Remscheid und damit Nachfolger von Katja Grafweg, die das Gefängnis in Lüttringhausen in diesem Jahr in Richtung Justizministerium verlassen hat. Im Idealfall wartet jemand auf den Freigelassenen. Eine Wohnung ist vorhanden, vielleicht sogar ein Job. Fest steht: „Wir entlassen niemanden auf die Straße“, sagt Andreas Schüller.

Einen Anspruch auf den Gnadenakt gibt es zudem nicht. Sexualstraftäter und Gewaltverbrecher sind von vorneherein davon ausgenommen. Und wer zwischenzeitlich in einer Arrestzelle gelandet ist, hat ebenfalls schlechte Karten.

Die ersten, die gehen durften, verließen den Knast bereits Anfang November. Acht aus dem offenen Vollzug mit 275 Haftplätzen. Und einer aus dem geschlossenen Vollzug, in dem insgesamt rund 500 Männer ihre Strafe absitzen. Am 22. Dezember öffnen sich die Tore dann für 16 weitere Insassen. Neun Häftlinge verlassen dann endgültig den offenen Haftbereich, sieben ihren Haftraum im Zellentrakt.

So wird Heiligabend in der JVA Remscheid

Wer nicht zu den Glücklichen zählt, zählt derweil weiter halbe Hähnchen. Die werden vorab bestellt und von den Häftlingen auch selbst bezahlt. An den Weihnachtsfeiertagen lädt die JVA die Insassen zu Gottesdiensten ein.

Andreas Schüller, der zuvor eine Haftanstalt in Geldern leitete, erlebt Weihnachten zum ersten Mal in der JVA Remscheid. Aus Erfahrung weiß er: „Wenn in einem Gefängnis alle gemeinsam – Christen, Muslime, Juden und Leute, die mit Religion gar nichts zu tun haben – ‚Stille Nacht, Heilige Nacht‘ singen, dann fasst einen das schon an.“

Passend dazu: So ist der Arbeitsalltag in der JVA Lüttringhausen

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