OB und demokratische Parteien besorgt

200 Corona-Protestler ziehen durch die Stadt

Erstmals gestern Abend im Stadtzentrum: die Demonstration der Corona-Leugner. Foto: Roland Keusch
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Erstmals am Montagabend im Stadtzentrum: die Demonstration der Corona-Leugner.

Fünf Parteien und der OB fordern Remscheider auf, sich nicht vor Karren spannen zu lassen.

Von Andreas Weber

Remscheid. Zehn Mal hatten sie sich zuvor montags in Lennep versammelt, am 22. März protestierten die Corona-Leugner erstmals in der Remscheider Innenstadt. 150 Teilnehmer hatte der Remscheider Veranstalter vorab kalkuliert, um sich gegen die „Unverhältnismäßigkeit der Lockdown-Maßnahmen und gegen eine direkte/indirekte Impfpflicht“ zu wehren. Nachdem vor zwei Wochen auch schon mal 250 dem Aufruf gefolgt waren, marschierten diesmal 200 vom Theodor-Heuss-Platz über die Hindenburgstraße, einige Nebenstraßen und wieder zurück. Vorneweg der rechte Verschwörungstheoretiker und Youtuber Carsten Jahn (früher NPD) aus Lennep, der Organisator des Treffens.

Es blieb friedlich, Masken wurden getragen, Abstände beachtet. Mit Trillerpfeifen, Trommeln und Kerzen zogen die Protestler 40 Minuten durch die Straßen, begleitet von Polizei und dem Kommunalen Ordnungsdienst. Das Banner „Deutschland – Gegen den Wahnsinn“ trugen sie vor sich her, bevor sie zurück vor dem Rathaus Westernhagens „Freiheit“ aus mitgebrachten Boxen erschallen ließen, Carsten Jahn den „Irrsinn“ der Regierenden anprangerte und die Demonstranten über sein Megafon aufforderte: „Lasst Euch nicht beirren, macht weiter.“ Die skandierten zurück: „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Freiheit klaut.“

„Wer demonstrieren geht, sollte wissen, wem er hinterherläuft.“

OB Burkhard Mast-Weisz

SPD, CDU, Grüne, Linke, WiR bereitet derweil Sorge, dass es von Montag zu Montag mehr Menschen werden könnten. In einer gestern veröffentlichten Presseerklärung, die von den fünf Parteien und Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz getragen wurde, setzen die Unterzeichner auf Dialog und fordern die Remscheider auf, sich nicht vor diesen Karren spannen zu lassen: „Es bringt nichts, wenn Menschen mit schwarz-rotgoldenen Fahnen, Rasseln, Pfeifen und Trommeln und viel Getöse durch unsere Stadt ziehen und gegen einen vermeintlichen ‘Corona-Wahn’ zu Felde ziehen.“ Corona könne man nicht auf Knopfdruck beenden, die Viruskrankheit sei kein Hirngespinst. „Und wenn bei solchen ‘Spaziergängen’ rechtsextreme Parolen verbreitet werden und sich die Teilnehmer – vielleicht sogar mit Gewalt – gegen bestehende Regeln wenden, ist eine Grenze überschritten“, heißt es in der Presseerklärung der Parteien weiter.

So weit ging es gestern nicht. Nach einer Stunde löste sich die Demo auf. Nächste Woche soll sie in Lennep fortgesetzt werden. Burkhard Mast-Weisz betonte gegenüber dem RGA am Ende der Veranstaltung: „Das Demonstrationsrecht ist ein sehr hohes Gut und muss geschützt werden, auch wenn man dort vertretene Meinungen nicht teilt.“ Aber, so fügte der OB ausdrücklich hinzu: „Wer demonstrieren geht, sollte wissen, wem er hinterherläuft.“ Gemünzt war dies auf die rechten Kräfte in der Menge, die aus der Krise ihr eigenes Kapital schlagen wollen.

In unserem Blog finden Sie die neuesten Informationen zu Entwicklungen rund um das Coronavirus in Remscheid

Standpunkt: Populistisches Süppchen

Ein Kommentar von Axel Richter

axel.richter@rga.de

Es ist mitunter eine merkwürdige Logik, der wir in der Pandemie folgen. Deshalb darf und muss hinterfragt und kritisiert werden, was die Regierenden entscheiden. In welchem Verhältnis die uns auferlegten Maßnahmen zur Eindämmung des Virus zu den erwartbaren Kollateralschäden stehen zum Beispiel. Schließlich sollen die Folgen der Wirtschaftskrise am Ende nicht größer ausfallen als die Folgen der Gesundheitskrise. Und natürlich geht es um unsere bürgerlichen Freiheiten, die vollumfänglich wieder herzustellen sind. Und das übrigens sofort und für jeden, der geimpft wurde, mag der Deutsche Ethikrat auch anderer Meinung sein. Auch das darf gesagt werden, auch darüber muss gestritten werden. Aber doch bitte nicht bei einer Veranstaltung, wie sie gestern vor dem Rathaus stattfand. Wer bei solchen und anderen Umzügen mitmarschiert, der marschiert auch mit Rechtsextremen, Wutbürgern und anderen Knallchargen, die auf der Verunsicherung der Menschen lediglich ihr populistisches Süppchen kochen. Ihnen geht es nicht um die Demokratie; sie wollen ihr Gegenteil.

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