Betreuung

20 OGS-Kinder ziehen ins Vereinsheim

OGS-Raum in der Dörpfeldschule, der jetzt aufgrund der Raumnot als Klassenraum genutzt wird: Judith Flohr (Schulleiterin) mit Sebastian Hill (Mannesmannschule).
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OGS-Raum in der Dörpfeldschule, der jetzt aufgrund der Raumnot als Klassenraum genutzt wird: Judith Flohr (Schulleiterin) mit Sebastian Hill (Mannesmannschule).
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Auf der Warteliste für den Offenen Ganztag stehen 370 Kinder. Dörpfeldschule geht ungewöhnlichen Weg.

Von Andreas Weber

Remscheid. 370 Kinder sind in Remscheid ohne OGS-Platz. So geht es aus einer Warteliste zum Stichtag 31. März hervor, der für die Meldung bei der Bezirksregierung Düsseldorf maßgeblich ist. Danach kamen 2604 junge Remscheider im Offenen Ganztag unter. Es handelt sich um vorläufige Zahlen, die mit dem nächsten Stichtag 15. Oktober korrigiert werden, kündigte die Stadtverwaltung im Schulausschuss an. Sie reagierte auf eine Anfrage der Linke, die sich besorgt über die hohe Zahl unversorgter Kinder geäußert hatte.

Axel Behrend sprach von einem Trauerspiel: „370 Familien dürfen wir nicht im Regen stehen lassen.“ Schuldezernent Thomas Neuhaus hielt dagegen, dass Remscheid mit einem Versorgungsgrad von über 60 Prozent bei OGS-Plätzen landesweit sehr gut dabei sei. Gleichzeitig leitet die Stadt im Rahmen der Schulentwicklungsplanung notwendige Baumaßnahmen ein, die dem zusätzlichen Raumangebot an Schulen Rechnung tragen werden. In einem ersten Schritt werden jetzt Hilda-Heinemann-Schule und fünf Grundschulen (Walther Hartmann, Teilstandort Goldenberg der GGS Adolf Clarenbach, Daniel Schürmann, Reinshagen, Hackenberg) um- und ausgebaut. 44 Millionen Euro nimmt die Stadt dafür in die Hand.

Linke kritisieren: „Das kann zu einem Existenzrisiko werden“

Schuldezernent Thomas Neuhaus sieht das Paket auf vorsichtig geschätzte 180 Millionen Euro, die Schritt für Schritt in die nicht mehr ausreichende Schulinfrastruktur fließen. „Das ist eine Summe, die so in Remscheid noch nie investiert worden ist.“ Die Realisierung wird dauern. Schon der Zeitstrahl für die ersten sechs Schulen, für die der Schulausschuss am Mittwochabend einstimmig grünes Licht gab, reicht teilweise bis 2027. Die Eltern, die keinen OGS-Platz haben, bräuchten aber kurzfristige Lösungen, findet die Linke: „Wenn die Betreuung in der Schule nicht gewährleistet werden kann, sind Eltern gezwungen, auf alternative Lösungen zurückzugreifen. Das kann mitunter Arbeitszeitreduzierungen oder sogar die Kündigung eines Arbeitsverhältnisses nach sich ziehen. Derartige Konsequenzen können für viele Familien leicht zum Existenzrisiko werden.“

Aufgrund der immer noch bestehenden Einkommenslücke von 18 Prozent seien es besonders häufig junge Frauen, die beruflich zurücksteckten, kritisiert die Linke. Thomas Neuhaus betonte, auch im Hinblick auf den im August 2026 in Kraft tretenden Rechtsanspruch auf einen OGS-Platz, dass die Stadt alles in ihrer Macht Stehende unternehme, um zusätzliche Angebote zu schaffen und dabei auch „ungewöhnliche Wege“ nicht scheue.

So werde das Vereinsheim eines Fußballclubs genutzt. Damit meinte Neuhaus den TS Struck. Die Umsetzung lässt freilich auf sich warten. Die Dörpfeldschule hatte angesichts einer enorm langen Warteliste gehofft, bereits nach den Sommerferien das Vereinsheim nutzen zu können, nachdem fruchtbare Kooperationsgespräche mit dem TS Struck geführt worden waren. Diese liefen darauf hinaus, eine „Sport- und Bewegungsgruppe“ in der OGS zu eröffnen. Der Sportplatz ist vor der Tür, der Wald nebenan.

20 zusätzliche Plätze werden entstehen. Ein großer Raum und ein kleinerer mit Küche stehen in Struck zur Verfügung, die sanitären Anlagen sind intakt. Ideal für Dörpfeld, um eine fünfte Gruppe aufzumachen und die Zahl der OGS-Kinder auf 143 zu erhöhen. Allein: Die Räume müssen von der Stadt ertüchtigt werden. Ein frischer Anstrich fehlt, Tische, Stühle, Regale und pädagogisches Material ebenso. Bis zu den Herbstferien, so der Kenntnisstand von Schulleiterin Judith Flohr soll nun die Umsetzung erfolgen.

Sehr angespannte Personalsituation

Die Anfrage der Linken zur OGS-Versorgung beinhaltete auch die Personalsituation. Diese sieht die Stadtverwaltung als „sehr angespannt“. Zwar seien die OGS-Gruppen nach einem festgeschriebenen Personalschlüssel besetzt mit einer Erzieherin im Stundenumfang von mindestens 26 Stunden plus Ergänzungskraft mit zehn Wochenstunden. Mit diesem Beschäftigungsumfang sei es jedoch schwer, das bestehende Personal zu halten, geschweige denn neues in diesem Arbeitsfeld zu gewinnen.

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