Gottesdienst in der Lutherkirche lief als Livestream

Ökumenischer Gottesdienst: 146 Lichter brennen für die Opfer der Pandemie

Antje Menn und Axel Mersmann führten durch den Streaming-Gottesdienst. Zum Gedenken der Corona-Toten sprachen auch Betroffene. Foto: Michael Schütz
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Antje Menn und Axel Mersmann führten durch den Streaming-Gottesdienst. Zum Gedenken der Corona-Toten sprachen auch Betroffene.

Auch Betroffene, der Gesundheitsamtschef und der OB kamen zu Wort.

Von Sabine Naber

Remscheid. In einem Livestream-Gottesdienst in der Lutherkirche ist am Samstagabend der Menschen gedacht worden, die seit Ausbruch der Corona-Pandemie in Remscheid an oder mit der Viruserkrankung gestorben sind. „Es ist gut zu wissen, dass Sie zu Hause mit uns feiern und Gott um seinen Beistand anrufen“, so eröffnete Pfarrer Axel Mersmann von der evangelischen Auferstehungs-Kirchengemeinde den besonderen Gottesdienst, der musikalisch vom Kantor des Gesamtverbandes der evangelischen Gemeinden Alt-Remscheids, Jörg Martin Kirschnereit, und dem Posaunenchor der Stadt begleitet wurde.

„Sammle meine Tränen in deinem Krug“ – mit dieser Zeile eines Psalms war das Gedenken überschrieben. 146 Teelichter – eins für jeden Corona-Verstorbenen in Remscheid – flackerten in den Glasbehältern, die im Altarraum aufgebaut waren. Daneben stand ein großer, blauer Krug, in dem symbolisch die Tränen gesammelt wurden. „Dahinter stehen Namen, Gesichter, Lebensgeschichten geliebter Menschen“, betonte Pfarrerin Antje Menn, Superintendentin des Kirchenkreises Lennep.

Eine Angehörige erzählte von ihrem Onkel, den sie vermisst, weil er den Kampf gegen Corona verloren hat. „Er fehlt als Ehemann, Vater, Bruder, Schwager und Freund. Mir ist klar, dass ich in der Zeit der Pandemie mit meiner Trauer nicht alleine dastehe. Wir als Angehörige bleiben zurück.“ Die Familie habe den Kranken nicht besuchen dürfen. Anfangs habe sie noch telefonischen Kontakt gehabt, später nur noch über das Personal erfahren können, wie es ihm geht. „Gerne hätten wir ihn begleitet. Die Vernunft weiß, dass es nicht geht. Was bleibt, sind Ohnmacht und Trauer.“

Andre Carouge, Pastor der Remscheider Friedenskirche, erinnerte an die viel zu vielen Verstorbenen: „Von einigen konnten wir uns noch nicht einmal verabschieden. Wir haben Angst. Das Virus ist unsichtbar.“ Gabriela Pires-Rodrigues, Leiterin des Seniorenzentrums Willi-Hartkopf-Haus, erinnerte an den vergangenen Herbst, als das Virus den Weg in ihre Einrichtung gefunden hatte. „Im Januar machte uns das mobile Impfteam Hoffnung. Und jetzt, in der dritten Welle, tun wir alles, damit das Virus nicht zurückkommt.“

„Allein Achtsamkeit und Rücksichtnahme helfen uns weiter.“

Monsignore Thomas Kaster

Dr. Frank Neveling, Leiter des Gesundheitsamtes, kann sich an den 1. März 2020 erinnern, als das Virus in Remscheid Einzug hielt. „Vorher sahen wir Bilder aus Bergamo. Wir hatten Angst und haben alles versucht, unsere Stadt vor so etwas zu bewahren.“ Inzwischen hätten sich mehr als 5000 Menschen in Remscheid infiziert, viele litten heute noch unter den Folgen. „40.000 Remscheider sind oder waren in Quarantäne, haben viel Leid erfahren. Ich bin dankbar für den Impfstoff, der wirksam ist. Und hoffe, dass wir im Juni ein Stück weiter sind“, betonte der Arzt.

„Wie kann ich es den Menschen in meiner Stadt recht machen? Die Entscheidungen sind mir schwergefallen“, erklärte Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz. Auch er würde gerne wieder essen gehen, Freunde treffen, Kultur genießen, Sport machen. „Aber wir müssen uns noch gedulden und alles tun, um die Pandemie zu bekämpfen“, betonte der Stadtchef.

Remscheid: Achtsamkeit und Rücksichtnahme helfen weiter

Stadtdechant Monsignore Thomas Kaster fasste zusammen: „Mehr als ein Jahr lang plagt uns Corona. Die 146 Toten sind der dramatischste Teil.“ Die Betroffenheit sehe für jeden anders aus. Trauer, Spätfolgen der Krankheit, Befürchtungen, die Existenz zu verlieren, Belastung durch Distanzunterricht, Isolation. „Dazu kommen diejenigen, die sich in Wut und Protest flüchten. Verletzlichkeit wird kollektiv sichtbar.“ Nur mit Solidarität könne das Problem bewältigt werden. „Allein Achtsamkeit und Rücksichtnahme helfen uns weiter.“

Welche Beschränkungen wegen des Coronavirus gelten aktuell in Remscheid? Das haben wir für Sie in einem Artikel zusammengefasst, den Sie hier finden: Ein Überblick über die Corona-Regeln in Remscheid.

Aktuelle Informationen zur Corona-Situation in Remscheid erhalten Sie in unserem Corona-Blog.

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