Hobby: Ultrawandern

100 Kilometer sind für ihn eine Kleinigkeit

Carsten Heiermann wandert 100 Kilometer am Stück – ohne Pause und ohne Schlaf. Foto: Alexandra Dulinski
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Carsten Heiermann wandert 100 Kilometer am Stück – ohne Pause und ohne Schlaf.

Ultrawanderer Carsten Heiermann erkundet die Region zu Fuß

Von Alexandra Dulinski

Remscheid. 100 Kilometer wandert Carsten Heiermann. Durch Wälder, über Wiesen, bei Tag und bei Nacht – am Stück, ohne Pause und ohne Schlaf. Ultrawandern nennt sich sein Hobby – etwas, das viele für nicht möglich halten. 24 Stunden lang wandert Carsten Heiermann ohne Unterlass. Von Bekannten bekommt er häufiger einiges zu hören: „Moment mal, wo schläfst du dann?, heißt es dann. Ja, gar nicht, antworte ich“, berichtet Carsten Heiermann. Und weiter: „Alleine wandern? Im Wald? Nachts? Im Dunkeln?“, sind nicht selten die Anschlussfragen.

Und richtig – für den 53-jährigen IT-ler ist das überhaupt kein Problem, ja sogar eher eine große Freude. „Ich höre niemals Musik, habe keine Kopfhörer dabei“, erklärt er. „Ich habe die Ohren immer frei und will wahrnehmen, was um mich herum passiert, wie sich der Wald in den Jahreszeiten verändert.“ Der Wald sei nachts zwar anders als am Tag, aber immer noch ein Wald. „Da passiert einem nichts“, sagt er.

Nach einer Verletzung im Oberschenkel hing er die Laufschuhe an den Nagel und zog die Wanderstiefel an

Vor etwa sechs bis sieben Jahren hat Carsten Heiermann mit dem Laufen angefangen und einen Marathon absolviert. Eine Verletzung im Oberschenkel machte das Laufen unmöglich, das Gehen klappte aber. So stolperte Heiermann zufällig über eine Werbeanzeige für einen 100-Kilometermarsch. „Ich dachte mir, ich kann auch einfach 100 Kilometer gehen. Das war ein Irrtum“, sagt Heiermann lachend – als Schnapsidee bezeichnet er das im Nachhinein.

Zusammen mit einem Freund ist er den 50 Kilometer langen Röntgenweg zum Üben gegangen. Den hatten sie für einen guten Einstieg gehalten. „Wir waren völlig fertig und hatten das komplett unterschätzt“, erinnert er sich. Heute weiß er, dass 50 Kilometer eine gute Strecke sind, aber kein guter Einstieg. „Es war klar: Entweder es geschieht ein Wunder oder wir trainieren.“ Das Wunder blieb aus – also trainierten sie mal auf 35, mal auf 50 Kilometern. Sechs Wochen vor dem Marsch, nach einer Distanz von 70 Kilometern, war er sich sicher: Sie würden das schaffen. Und geschafft haben sie die Strecke sogar in 18 Stunden, weit weniger als die angesetzten 24. „Das war die Übermotivation. Wir waren völlig beflügelt“, sagt der 53-Jährige.

Und seitdem wandert Carsten Heiermann, mal mit der Familie – sein 10-jähriger Sohn läuft ebenso begeistert mit – mal mit Freunden, die sich streckenweise anschließen, an einem Treffpunkt dazustoßen und dann wieder getrennte Wege gehen. Überwiegend ist er dabei in der Region unterwegs. Eine App hilft ihm bei seinen Wanderrouten. „Ich versuche, weiße Flecken auf meiner Karte zu füllen, damit ich alles mal gesehen habe“, sagt er.

Ein Packplan hilft, um das benötigte Proviant abzumessen

Pause macht er dann nur aus Rücksicht auf seine „Wanderbuddies“, wie er sie nennt. „Wenn ich Pause mache, komme ich wahrscheinlich nicht mehr auf die Füße“, sagt er. Setzen ist also nicht. Heiermann: „Nicht langsamer gehen, dann tut es nur länger weh, ist mein Motto.“ Dann isst und trinkt Heiermann beim Gehen. „Wenn man nichts isst, schafft man’s nicht“, weiß er. Bis zu 12 000 Kalorien verbraucht er auf seiner Wanderung, auf 100 Kilometern macht er um die 120 000 Schritte. Die richtige Ausrüstung ist dabei besonders wichtig. Zu schwer darf der Rucksack nicht sein. Ein Packplan hilft Carsten Heiermann dabei. Hat er nur zwei statt drei Äpfel gegessen? Ist ein Müsliriegel übriggeblieben? Dann nimmt er bei der nächsten Tour entsprechend weniger Proviant mit. „So kann ich das immer weiter optimieren“, sagt er.

Das „Runner’s High“ kennt auch Carsten Heiermann. „Wenn 100 Kilometer gehen, geht auch noch mehr“, sagt er mit Blick auf die geplante Wanderung des Wupperwegs mit rund 125 Kilometern. Als nächstes steht der Bergische Panoramamarsch auf dem Plan mit Verpflegungsstationen alle 20 Kilometer. Das wird Gewicht in Carsten Heiermanns Rucksack sparen.

Wanderung

Panoramamarsch: Der Panoramamarsch findet am 19. Juni statt. Startort ist Radevormwald, von da aus werden in 24 Stunden 100 Kilometer bis nach Odenspiel zurückgelegt. Ab 40 Kilometern gibt es eine Urkunde. https://t1p.de/7w1j

Serie: Carsten Heiermann hatte sich auf RGA-Aufruf nach ungewöhnlichen Hobbys gemeldet.

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