Sechs Objekte in Remscheid durchsucht

Mehrere hundert Beamte im Einsatz - Razzia gegen Rockergruppe „United Tribuns“

Am frühen Morgen verschafften sich bewaffnete Polizisten Zutritt zu dem Clubheim.
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Am frühen Morgen verschafften sich bewaffnete Polizisten Zutritt zu dem Clubheim.

Das Innenministerium hat die Rocker-Gruppierung „United Tribuns“ verboten. In neun Bundesländern fanden am Morgen Durchsuchungen statt. Auch ein Clubheim in Remscheid wurde durchsucht.

Remscheid. Bei einer Polizeirazzia im Rockermilieu ist auch ein Clubheim in Remscheid durchsucht worden. Landesweit bekamen seit 6 Uhr 38 Clubs unerwarteten Besuch von der Polizei. Mehrere hundert Beamte befanden sich im Einsatz.

Dieser Treffpunkt der Rocker-Gruppierung „United Tribuns“ in der Treppenstraße wurde von der Polizei geschlossen.

Insgesamt waren es sechs Objekte, die in Remscheid durchsucht wurden. Darunter die Treppenstraße und ein weiteres Vereinsheim in der Honsberger Straße. Dazu vier Wohnungen. Dort wurde dem Chapter die Verbotsverfügung ausgehändigt. Es wurden etliche Dinge beschlagnahmt. Gesucht wurde nach Waffen, Datenträgern, Kutten und Emblemen, die ja jetzt verboten sind. In Solingen gab es zwei Durchsuchungen, in Wuppertal elf. In ganz NRW waren es 38. Es waren keine Spezialeinheiten im Einsatz, sondern Beamte der Kripo und der Einsatzhundertschaft.

Die rockerähnliche Gruppierung „United Tribuns“ wurde wegen krimineller Machenschaften verboten. „Mitglieder der Gruppierung ‚United Tribuns‘ haben schwerste Straftaten begangen: Sexualstraftaten, Menschenhandelsdelikte und versuchte Tötungsdelikte“, erklärte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) am Mittwoch. Am Morgen fanden nach Angaben des Bundesinnenministeriums im Zusammenhang mit dem Verbot Durchsuchungen in neun Bundesländern statt.

Einsatzkräfte der Polizei im Clubhaus

An jedem ersten Samstag im Monat war Open-House-Party im Clubheim an der Treppenstraße. Die United Tribuns baten zum geselligen Abend. „Jeder ist herzlich willkommen“, teilte das Chapter Remscheid auf seiner Facebook-Seite im Internet mit: „Würden uns über neue Mitglieder freuen.“ Doch das Feiern dürfte den Mitgliedern und Freunden der rockerähnlichen Vereinigung vorerst vergangen sein. Auf das Verbot Bundesinnenministerin Nancy Faser durchsuchten in der Nacht schwer bewaffnete Einsatzkräfte der Polizei das Clubhaus in der Treppenstraße 2.

Der RGA hat versucht, mit den „United Tribuns“ in Kontakt zu treten. Bislang blieb das ohne Erfolg.

Hintergrund

Bundesinnenministerin Nancy Faeser hat mit Wirkung vom heutigen Tag die rockerähnliche Gruppierung „United Tribuns“ verboten. Der Gesamtverein sowie die 13 „Chapter“ als Teilorganisationen werden aufgelöst. Das Vereinsvermögen wird beschlagnahmt und unterliegt der Einziehung. Von diesem Verbot sind nach Erkenntnissen des Bundeskriminalamts knapp 100 Mitglieder in Deutschland betroffen.

Die Verbotsverfügung des Bundesministeriums des Innern und für Heimat (BMI) hat festgestellt, dass Zweck und Tätigkeit des Vereins einschließlich seiner Teilorganisationen im Inland im Widerspruch zu den Strafgesetzen stehen. Von dem Verein gehe eine „schwerwiegende Gefährdung für individuelle Rechtsgüter und die Allgemeinheit“ aus.

In der Vergangenheit sei es zu einer Vielzahl teilweise schwerster Straftaten gekommen, so das Ministerium in seiner Erklärung zum laufenden Einsatz. Dazu würden verschiedene Körperverletzungs- und versuchte Tötungsdelikte im Zusammenhang mit gewalttätigen Auseinandersetzungen zählen, in denen sich die „United Tribuns“ mit konkurrierenden Rockergruppierungen wie den „Hells Angels“ gewalttätig auseinandergesetzt hätten.

Die Mitglieder seien zudem wegen Sexual- und Menschenhandelsdelikten, Betrugsdelikten oder Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz strafrechtlich in Erscheinung getreten.

Von ehemaligem bosnischen Boxer gegründet

Die rockerähnliche Gruppierung „United Tribuns“ wurde laut Innenministerium 2004 von einem ehemaligen bosnischen Boxer in Villingen-Schwenningen gegründet. Dieser kam infolge des Bosnienkriegs aus Prijedor (Bosnien-Herzegowina) als Flüchtling nach Deutschland und betätigte sich zunächst als Türsteher im Großraum Villingen-Schwenningen. Zusammen mit weiteren Personen aus dem Türsteher-, Rocker-und Rotlichtmilieu eröffnete er zwei Bordelle. Die „United Tribuns“ stiegen, neben der rockerähnlichen Gruppierung „Black Jackets“, zu einer der mächtigsten und mitgliederstärksten Gruppierungen in Deutschland auf. ric, kaz

Weitere Infos folgen.

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