Corona

Fitnessstudios: Die Regeln haben sich längst eingespielt

Jede Menge Platz lässt Michael Rieke-Luttropp in seinem Studio zwischen den Geräten, hier den Laufbändern, um den Abstand zwischen den Trainierenden garantieren zu können. Die Hygieneregel haben die meisten Mitglieder inzwischen verinnerlicht, sagt er. Foto: Michael Schütz
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Jede Menge Platz lässt Michael Rieke-Luttropp in seinem Studio zwischen den Geräten, hier den Laufbändern, um den Abstand zwischen den Trainierenden garantieren zu können. Die Hygieneregel haben die meisten Mitglieder inzwischen verinnerlicht, sagt er.

Die Remscheider Fitnessstudios leiden unter Corona.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Andre Uhdes Antwort lässt nicht lange auf sich warten. „Schreiben Sie: schlecht“, antwortet er spontan auf die Frage, wie es in Corona-Zeiten für die Remscheider Fitnessstudios läuft. Uhde, der erst im Januar das Injoy in Lennep eröffnet hat, erwischte das Virus mitten in der Startphase seines Studios. Seither habe sich zwar vieles eingespielt, die Situation bleibe aber angespannt. „Wenn ein zweiter Lockdown kommt, dann bin ich platt.“

Dabei geht es Andre Uhde wie vielen in der Branche, darunter auch solchen, die schon sehr viel länger am Markt sind. Michael Rieke-Luttropp von InForm an der Haddenbacher Straße berichtet von Mitgliedern, die nach der zwangsweisen Schließung im Frühjahr einfach nicht wiedergekommen sind. Und vor allem von zu wenigen Neu-Mitgliedern, um das aufzufangen. „In manchen Monaten erreichen wir bei den Neuanträgen nur zehn Prozent der sonst üblichen Zahlen“, berichtet er. In „guten Zeiten“ seien es 30 bis 40 Prozent. „Und das höre ich auch von anderen Betreibern, mit denen ich mich austausche.“

„Das läuft relativ reibungslos.“

Michael Rieke-Luttropp über die Einhaltung der Hygiene-Regeln

Mitte März, auf dem ersten Höhepunkt der Corona-Pandemie, war plötzlich Schluss für die Studios, nicht nur in Remscheid. Von einem auf den anderen Tag durften sie nicht mehr öffnen. Viele Informationen habe man damals nicht erhalten, erinnert sich Michael Rieke-Luttropp. Entsprechend habe man auch die Mitglieder kaum informieren können: „Die haben das auch überwiegend aus den Medien erfahren.“ Und auch sein Kollege Uhde sagt: „Das war damals blöde gemacht von Laschet.“

Für die Unternehmen war die Schließung ein Schlag. „Mein gesamter Business-Plan war dahin“, sagt Andre Uhde. Sofort habe er das Gespräch mit den Banken und seinem Franchise-Geber gesucht, zudem habe sich sein Vermieter äußerst kulant gezeigt. Die Mitarbeiter gingen größtenteils in Kurzarbeit, dazu gab es 25 000 Euro Soforthilfe vom Land. Doch aus den anfangs geplanten drei bis vier Wochen wurden schließlich acht. „Ab April wurde es ungemütlich“, sagt Michael Rieke-Luttropp. „Die ganze Branche war perspektivlos.“

Im Januar hatte Andre Uhde (r.) sein Studio eröffnet, im März war dann erstmal wieder Schluss.

Erst Mitte Mai ging es weiter – zumindest für einige. Fast die Hälfte der Mitglieder seien anfangs trotz Öffnung nicht wiedergekommen, berichtet Andre Uhde. „Wir haben dann alle angerufen und ihnen die Hygienemaßnahmen erklärt.“ Auch im InForm blieben einige Mitglieder aus, sagt Rieke-Luttropp. Allerdings nicht die, von denen man es erwartet hatte. Das Studio, das sich mit Angeboten wie Reha-Sport und Milon-Zirkel auch an Ältere wendet, wird vormittags vor allem von Mitgliedern jenseits der 60 Jahre aufgesucht. „Wir haben gedacht, dass es nach der Wiedereröffnung vormittags ruhiger wird, weil die nicht kommen“, so Rieke-Luttropp. Doch ausgerechnet die ältesten Mitglieder waren nach dem Lockdown als erstes wieder am Start.

Unabhängig vom Alter, berichten Uhde und Rieke-Luttropp unisono, hätten nahezu alle Mitglieder die neuen Regeln sehr gut angenommen. „Wir laufen hier alle mit Mundschutz rum“, sagt Andre Uhde. Zudem werde jedes Gerät nach jeder Nutzung desinfiziert. Wo es geht, halte man Abstand ein, wo nicht, wurden Trennwände aufgebaut. „Und jeder, der hier reinkommt, muss sich erst die Hände waschen.“ Das habe sich inzwischen gut eingespielt, sagt Michael Rieke-Luttropp: „Das läuft relativ reibungslos.“

Trotzdem leidet die Branche weiterhin wirtschaftlich unter der Situation. Auch weil ausgerechnet im Herbst, wenn es die Menschen traditionell zum Training wieder nach drinnen zieht, Corona erneut in den Fokus rückt. Dadurch fehlen die Studios die notwendigen neuen Mitglieder. Wohl aus Sorge um eine mögliche Ansteckung, wie Michael Rieke-Luttropp vermutet. Aber auch und vor allem, weil in wirtschaftlich unsicheren Zeiten viele Menschen lange Vertragsbindungen scheuen. „Darauf haben wir mit flexibleren Modellen reagiert“, berichtet Rieke-Luttropp. „Da müssen wir jetzt mal sehen, wie das funktioniert.“ Und ansonsten könne man ohnehin nicht viel tun. Außer abwarten und durchhalten.

Seit Uhde im Mai wieder geöffnet hat, werden die Sportgeräte nach jeder Benutzung desinfiziert.

Hintergrund

Rund 10 000 Studios gibt es auf dem deutschen Markt, zusammen haben sie etwa elf Millionen Mitglieder. Bis Corona stieg diese Zahl kontinuierlich, übersprang zum Beispiel 2016 zum ersten Mal die Zehn-Millionen-Grenze, nachdem sie 2005 noch bei knapp über fünf Millionen gelegen hatte. Im Vorjahr gaben noch 4,4 Millionen Mitglieder an, mehrmals wöchentlich zu trainieren. Aktuellere Zahlen stehen noch nicht zur Verfügung.

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