Mein Leben als Papa

Raus aus dem Haus: „Möchtest du über deinen Tag im Büro quatschen, Papa?“

Papa rausschubsen. Ist effektiv und macht immer noch Spaß. Foto: Larissa Freudenberg
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Papa rausschubsen. Ist effektiv und macht immer noch Spaß.
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RGA-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Leben mit seinen Söhnen Hannes (6) und Michel (3)

Seit knapp zwei Jahren bin ich für Michel, Hannes und meine Frau kein Gast im eigenen Zuhause mehr, sondern als Papa, der im Schlafzimmer am Laptop arbeitet und meistens nicht gestört werden darf, fest in ihrem Alltag verankert. Längst hat sich im Homeoffice Routine eingeschlichen. In dieser Woche musste ich nach langer Zeit aber mal wieder an allen fünf Tagen ins Büro nach Solingen, um dort zu arbeiten. Für alle nicht ganz einfach . . .

Montag:

Dass in dieser Woche irgendetwas anders läuft als sonst, ist Michel schon am frühen Montagmorgen klar. Verwirrt lugt er kurz hinterm Vorhang vor, verschwindet kopfschüttelnd wieder aus dem Bad und fragt Hannes: „Warum duscht Papa?“ So kennt er das nämlich nicht. Es ist zwar nicht so, dass ich seit zwei Jahren morgens nicht mehr dusche, aber meistens eben erst, nachdem ich die Jungs in den Kindergarten gebracht habe. Oder während meine Frau das tut.

Dass ich vor ihm das Haus verlasse, gefällt Michel gar nicht. Seine Umarmung will nicht enden. Abschied ist für ihn gerade ein schweres Schaf. Oder war es ein scharfes Schwert, von dem Roger Whittaker einst sang? Als ich abends wiederkomme, gibt es allerdings keinen euphorischen Empfang. Hannes und Michel sind in ihrem Legoland versunken und nehmen meine Ankunft kaum zur Kenntnis.

Dienstag:

Sich zu verabschieden, findet Michel auch am zweiten Tag doof. Die Lösung: Papa rausschubsen! Das klappt im Kindergarten bestens – und ab sofort auch zu Hause.

Der Tag ist anstrengend. Abends wirke ich auf Hannes offenbar müde und abgespannt. „Die Hälfte der Woche hast du ja jetzt schon fast geschafft, Papa!“, baut er mich wieder auf, als hätte er diesen Satz schon häufiger mal zu jemandem gesagt.

„Mein Leben als Papa“ gibt es als Buch für 12,90 Euro in der RGA-Geschäftsstelle, im Buchhandel und im Internet.bergisch-bestes.de

Mittwoch:

Diese Woche bringt neue Routinen: Vor dem Frühstück machen die drei Männer im Haus gemeinsam einen Corona-Test. Für die Jungs gibt’s Lollis, ich muss in meiner Nase popeln. Spaß macht das nicht. Positiv aber: Alle negativ! Heute kann ich Hannes und Michel sogar in den Kindergarten bringen, denn mittwochs steht dort Turnen auf dem Programm, und es geht früher los. Dass ich auch mal wieder mehr Sport machen sollte, stelle ich fest, als ich keuchend im Büro in der dritten Etage ankomme. Ich war doch früher nicht so außer Atem . . .

Donnerstag:

„Papaaa!“ Mittlerweile freuen sich Hannes und Michel doch sehr, wenn ich nach Hause komme, und nehmen mich sofort in Beschlag. So schnell wollen sie jetzt noch nicht ins Bett, es wird spät. So spät, dass ich auf Hannes’ erstaunliche Frage, ob ich noch ein bisschen über meinen Tag im Büro quatschen möchte, nur noch mit „Ne, heute bitte nicht mehr“ antworte und noch vor ihm einschlafe.

Freitag:

Letzter Tag. Ich bin von der Woche geschafft und bekomme per Videoanruf am Handy mit, dass der Rest der Familie es auch ist. Hannes und Michel wechseln sich darin ab, ihrer Mama das Leben schwerzumachen. Abends sind sie aber die liebsten Kinder. Erst spielen sie mit mir, dann zu zweit. Ich setze mich zu meiner Frau auf die Couch und nehme sie erst in – und dann auf den Arm: „Schau nur, wie schön die beiden miteinander spielen. Ich hoffe, du hast diese ruhige Woche ganz allein mit ihnen genossen.“ Ihr Blick ist nicht in Wort zu fassen.

Nächste Woche hocke ich wieder im Schlafzimmer an meinem Laptop, darf ab und zu gestört werden – und bin fest in ihrem Alltag verankert.

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