Großprojekt in der Warteschleife

Rathaus in Remscheid soll 2022 neuen Anbau erhalten

Die vereinigten Hüttenwerke hinter dem Rathaus und der vorhandene Anbau verschwinden, ein neuer Verwaltungstrakt soll her. Foto: Michael Schütz
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Die vereinigten Hüttenwerke hinter dem Rathaus und der vorhandene Anbau verschwinden, ein neuer Verwaltungstrakt soll her.

Remscheider Feuerwehr bekommt einen Stützpunkt in zentraler Lage.

Von Frank Michalczak

Remscheid. Ein Totalunternehmer soll 2022 nach einer europaweiten Ausschreibung mit einem Großprojekt betraut werden, das sich schon seit etlichen Jahren in der Warteschleife befindet. Es geht um den neuen Anbau am Remscheider Rathaus, den der Betrieb planen und realisieren soll. Zunächst einmal müssen Verwaltung und Stadtrat aber die Frage beantworten, welche Mitarbeiter aus welchen Abteilungen dort ihre Büros finden sollen. „Wir haben wachsenden Raumbedarf, unter anderem im Ordnungsamt“, berichtet Stadtdirektor Sven Wiertz.

Gesetzt ist weiterhin, dass die Feuerwehr in dem Anbau einen neuen Stützpunkt erhält. Bislang befindet er sich für die Innenstadt im DRK-Haus an der Alleestraße. Künftig sollen die Retter aus dem neuen Trakt hinter dem Rathaus ausschwärmen, in dem sie zeitgemäße Arbeitsbedingungen vorfinden. Durch die zentrale Lage können sie zudem schneller zu den Einsatzpunkten in der Innenstadt gelangen und so die vorgeschriebenen Rettungszeiten einhalten.

Welche Mitarbeiter aber in den darüber gelegenen Stockwerken einziehen sollen, ist noch ungewiss. Bislang waren dafür vor allem die Kollegen aus dem Gesundheitsamt im Gespräch. Sie arbeiten im Stadtteil Hasten in einem Gebäude, das nur noch sehr bedingt den Ansprüchen genügt. Dabei kam ihnen 2020 im Kampf gegen Corona eine Schlüsselfunktion zu. „Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat für die Kommunen deutschlandweit Musterämter ins Gespräch gebracht“, erläutert Wiertz. Nach diesen Vorgaben richte sich die künftige personelle Ausstattung und damit auch der Raumbedarf. Diese Eckdaten seien wesentlich, um die Frage beantworten zu können, ob der neue Verwaltungstrakt genügend Platz für das Amt vorhalten könne.

Dieser ersetzt den vorhandenen Anbau und die Garagenlandschaft aus der Nachkriegszeit hinter dem Rathaus. Das alles wird abgerissen. „Der aktuelle Bebauungsplan sieht eingeschossige Bebauung vor. Er muss noch geändert werden“, nennt Stadtdirektor Wiertz einen weiteren Schritt bei dem Großprojekt, das Teil eines großen Investitionsprogramms bis 2025 ist.

Rund 151 Millionen Euro will die Stadtverwaltung investieren, um den Sanierungs- und Modernisierungsstau zu beheben. In dem Paket befinden sich vor allem Investitionen in den Bildungssektor. Dazu zählen Frischzellenkuren in der Grundschule Hasenberg und der Hauptschule Hackenberg ebenso wie der Neubau des Berufskollegs Wirtschaft und Verwaltung am Hauptbahnhof, der allein mit 31,7 Millionen Euro zu Buche schlägt. Das Freibad Eschbachtal soll mit rund 14 Millionen Euro saniert werden. Hinzu gesellen sich Straßenbaumaßnahmen, wie der Durchstich an der Intzestraße sowie die Instandsetzung von König- und Freiheitstraße.

Remscheid: Geplante Baukosten müssen neu kalkuliert werden

In Sachen Rathausanbau steht Kämmerer Sven Wiertz eine neue Kostenberechnung bevor. Es sei zu erwarten, dass „die bislang eingeplanten 21 Millionen Euro nicht auskömmlich sein werden“, stellt er in seinem Bericht an den Stadtrat fest. Grund sind die gestiegenen Baupreise. Dennoch zeigt er sich zuversichtlich, die Wirtschaftlichkeit des Projekts nachweisen zu können. Denn: Selbst wenn das Gesundheitsamt nicht in den neuen Anbau zieht, könnten andere städtische Immobilien oder angemietete Räume für Behördenmitarbeiter aufgegeben werden, was beträchtliche Ersparnisse nach sich zöge.

So oder so: Die bisherigen Überlegungen zur Raumplanung gehören auch aus Sicht von Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz auf den Prüfstand. „Neue Raumbedarfe entstehen, neue Arbeitsformen – wie die alternierende Telearbeit – verbreiten sich.“ Das alles seien Anforderungen, die in die bestehenden Überlegungen einfließen müssten. „Dazu gehört auch die Frage, welche Dienststellen neben der Rettungswache im Anbau des Rathauses untergebracht werden sollen. Diese Diskussion werden wir pragmatisch und nicht dogmatisch führen.“ Die Einbindung der Beschäftigten über den Personalrat sei dabei „eine entscheidende Grundlage für ein erfolgreiches Projekt“. 

Hintergrund

Mit dem neuen Rathaus-Anbau ist eine Rückkehr verbunden. Denn bereits vor Jahrzehnten hatte hier die Remscheider Feuerwehr ihr Domizil. Heute gilt der Verwaltungstrakt als energetisch völlig aus der Zeit gefallen, mit langen Fluren und kleinen Büroeinheiten. Bei dem neuen Anbau werden die Denkmalschützer mitsprechen. Er soll sich schließlich in die historische Bausubstanz des Rathauses einfügen. Die Verwaltung rechnete zuletzt mit einer Bauzeit von „mindestens zwei Jahren“. Der Auftrag soll 2021 vergeben werden.

Standpunkt: Zukunft einer Behörde

Von Frank Michalczak

Der neue Rathaus-Anbau ist schon seit etlichen Jahren Gesprächsthema in Politik und Verwaltung. Es wird höchste Zeit, dass dieses Projekt nun auch umgesetzt wird. Denn vor allem im Hinblick auf die Einsatzzeiten der Feuerwehr, die von diesem Stützpunkt schneller ihre vielfältigen Einsatzpunkte in der Innenstadt erreichen kann, ist das Projekt notwendig.

frank.michalczak@rga-online.de

Unstrittig ist ebenso, dass das Gesundheitsamt in Hasten neue Räume erhalten muss. Das Gebäude entspricht seit langem nicht mehr den Anforderungen. Es ist energetisch längst nicht auf der Höhe der Zeit und erinnert in manchen Ecken und Winkeln an die Nachkriegszeit. 

Wie wichtig aber die Arbeit der Behörde ist, stellte sich 2020 heraus, als sie zur Schaltzentrale im Kampf gegen die Corona-Pandemie wurde. So gilt es auch, eine Lösung für das Gesundheitsamt zu finden, das langfristig personell aufgestockt werden dürfte. Sei es nun im neuen Rathaus-Anbau oder in einem anderen Objekt. Diese Überlegungen müssen in den Raumplanungen der Stadtverwaltung in den kommenden Monaten eine zentrale Rolle spielen.

Das Rathaus soll einen neuen Anbau erhalten. Zunächst muss der bestehende abgerissen werden.

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