Strecke von Güldenwerth bis Hauptbahnhof

Radweg-Ausbau: Remscheid erteilt eine Absage

In der Diskussion steht eine Radwege-Verbindung direkt neben den Gleisen vom Bahnhof Güldenwerth (Foto) über Hasten bis Hauptbahnhof – eine der bisherigen Lücken einer großen Runde.
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In der Diskussion steht eine Radwege-Verbindung direkt neben den Gleisen vom Bahnhof Güldenwerth (Foto) über Hasten bis Hauptbahnhof – eine der bisherigen Lücken einer großen Runde.
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Der Radverkehr in Remscheid nimmt langsam Fahrt auf. Zuletzt wurden die Radboxen am Bahnhof in Lennep errichtet, und die Stadt hat das Förderprogramm für Lastenräder neu aufgelegt.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Doch an der einen oder anderen Stelle wird der Radverkehr noch ausgebremst. Einer Radwegeverbindung vom Bahnhalt Güldenwerth über Hasten zum Hauptbahnhof erteilt die Stadt nun eine Absage. Das geht aus einer Mitteilungsvorlage für den Ausschuss für Mobilität und Stadtentwicklung hervor (Donnerstag, 17 Uhr, Rathaus). Der Verein „Bergischer Brückenschlag“ hatte sich dafür eingesetzt.

Der Vereinsvorsitzende Gerd Münnekehoff.

Der aktuelle Fall: Bereits letztes Jahr hatten die Fraktionen von SPD, FDP und Bündnis 90/ Die Grünen beantragt, dass die Verwaltung die Radverbindung zwischen Bahnhof Güldenwerth, Werkzeugtrasse/Hasten und Hauptbahnhof prüft. Die Stadtverwaltung erteilt dem Vorhaben eine Absage und begründet: Große Teile führen über Fremdgrundstücke. Zudem müsste der vorgesehene Radweg durch ein Landschaftsschutzgebiet gebaut werden, in dem sich ein alter, hochwertiger Baumbestand befindet. Die Untere Naturschutzbehörde sagt: Der schutzwürdige naturnahe Freiraum unterhalb der Bahnlinie ist vollständig als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. „Der wertvolle Bereich zeichnet sich insbesondere durch vielfältige Gehölzstrukturen und seine ungestörte Lage aus. Auf das generelle Bauverbot wird hingewiesen.“

Ein Vorkommen unter anderem von Feldsperling, Habicht und Mäusebussard sei nicht auszuschließen. Die Behörde weist darauf hin, „dass die kürzeste Radwege-Verbindung Richtung Hasten – und mit vertretbarem Umweg auch Richtung Innenstadt – über die vorhandene, ruhige und ebene Straße Am Langen Siepen mit direktem Anschluss an die Werkzeugtrasse verläuft und dann eingriffsvermeidend kein Radweg-Neubau erforderlich würde.“ Der Vorschlag ist aus Sicht des Naturschutzes nicht genehmigungsfähig.

Das sagt der Verein dazu: „Diese Entscheidung ist äußerst bedauerlich“, sagt der Vorsitzende Gerd Münnekehoff. Die Entscheidung betreffe ein unverzichtbares Stück der Hauptachse einer Radwegeverbindung, die völlig abseits des Autoverkehrs die westlichen Stadtteile Remscheids mit Lennep und Lüttringhausen verbinden soll. „Einer Radwegeverbindung, die allen Anforderungen der Mobilitätswende entspricht und einen hervorragenden Beitrag zum Modal Split leistet.“ Modal Split meint den Anteil verschiedener Verkehrsmittel am Gesamtaufkommen – den Anteil des Radverkehrs zu steigern, ist politisches Ziel. Es gehe laut Münnekehoff letztlich um einen nur etwa 100 Meter langen Abschnitt in der 3,6 Kilometer langen Teilstrecke vom Bahnhof Güldenwerth zum Hauptbahnhof Remscheid – ein unverzichtbarer Lückenschluss der „Bergischen Runde“.

Zum Naturschutz sagt der Verein: „Die zu prüfende Radwegeverbindung mit einer Breite von lediglich drei Metern liegt nur wenige Meter neben dem vorhandenen Bahngleis. Damit ist sogar die Bündelung mit anderen Infrastruktureinrichtungen wie dem Bahnkörper gegeben.“ Alter Baumbestand sei in keiner Weise betroffen, da die Trassenführung auf einem ehemaligen öffentlichen Fußweg verlaufe. Der Verein fordert eine erneute Überprüfung im Sinne des Mobilitätswandels. Das gelte umso mehr, als dass die vorgeschlagene Alternativroute über die B 229 überhaupt nicht zumutbar sei. „Eine naheliegende und fahrradfreundliche Streckenführung sollte nicht einfach so zu den Akten gelegt werden.“ Der Verein sei für Gespräche bereit.

„Bergische Runde“: Der Verein „Bergischer Brückenschlag“ setzt sich für einen 60-Kilometer-Rundweg durchs Bergische ein, die „Bergische Runde“. Dabei sollen bereits bestehende Infrastruktur und regionale Radtrassen genutzt und vor allem auch überregionale große Radverkehrsnetze miteinander verbunden statt neue Wege gebaut werden. Das sei nicht nur günstiger und schneller umsetzbar, sondern schaffe den nötigen Lückenschluss, um dem stark ansteigenden Radverkehr ein Angebot machen zu können. Lücken gibt es eben in Güldenwerth, vom Hauptbahnhof bis Bahnhof Lennep und im Bereich Müngstener Brücke.

Müngstener Brücke: Der Verein wünscht sich, die Müngstener Brücke für den Radverkehr freizugeben. Bislang müssen Radfahrer durch das Tal, vor allem aber alles über die B 229 bewältigen – was zuweilen recht gefährlich ist. Es gibt bereits einen Versorgungsweg unterhalb der Bahnschienen, der genutzt werden könnte. Die Machbarkeitsstudie ist nun in Auftrag gegeben worden. Das bestätigt Baudezernent Peter Heinze auf RGA-Nachfrage. Laut Gerd Münnekehoff sei ein Frankfurter Büro damit betraut worden. Die Maßnahme werde im Zusammenhang mit dem Weltkulturerbe beurteilt. In Berlin und in Brüssel sei das Projekt bekannt und werde positiv bewertet, sagt der Vereinsvorsitzende. Neben Anbindungen, die auf beiden Seiten geschaffen werden müssten, müssten die Kommunen eine Betreibergesellschaft stellen.

Der Verein

Gegründet wurde der Verein „Bergischer Brückenschlag“ im November 2020. Hier haben sich Fahrradfahrer und Förderer zusammengetan. Heute zählt der Verein 35 Mitglieder aus Remscheid, Solingen und Wuppertal.

bergischerbrueckenschlag.de

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