Ideen

Radverkehr: Klaus Walder möchte nicht nur meckern

Mehr als 70 Seiten umfassen Klaus Walders Kommentare und Vorschläge zum Radverkehrskonzept. Foto: Michael Schütz
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Mehr als 70 Seiten umfassen Klaus Walders Kommentare und Vorschläge zum Radverkehrskonzept.

Remscheider macht mehr als 70 Seiten Anmerkungen und Vorschläge zum Radverkehr.

Von Manuel Böhnke

Remscheid. Klaus Walder liegt seine Heimat am Herzen. „Ich bin ein interessierter Remscheider“, sagt er. Dazu passt, dass er das Radverkehrskonzept der Stadt sehr aufmerksam gelesen hat. „Ein tolles Werk“ sei das. Trotzdem sind ihm in dem mehr als 300 Seiten umfassenden Dokument einige Aspekte aufgefallen, die sich aus seiner Sicht besser oder anders lösen lassen. Eingeflossen sind sie in seine „Kommentare/Vorschläge zum Radverkehrskonzept RS“. Von anfangs rund 20 Folien ist die Präsentation über mehrere Versionen inzwischen auf mehr als 70 angewachsen. Die nächste Fassung ist in Arbeit. Für seine Ideen wirbt der 67-Jährige bei Verwaltung, Politik und anderen Involvierten.

Seit er 2017 in Ruhestand gegangen ist, interessiert sich der frühere Vaillant-Teamleiter noch mehr für das Geschehen in seiner Heimatstadt. Die Gestaltungspläne für den Friedrich-Ebert-Platz überzeugten ihn nicht vollends. Gerne hätte er sich früher in den Planungsprozess eingebracht, letztlich war er aber zu spät dran. Das sollte sich beim Thema Radverkehr nicht wiederholen. „Wir müssen die Radler auf die Strecke bringen“, ist Klaus Walder überzeugt.

„Wir müssen die Radler auf die Strecke bringen.“
Klaus Walder

Und so begann er, das Konzept genau unter die Lupe zu nehmen. Er schaut sich die Inhalte an, untersucht sie auf Optimierungsmöglichkeiten. „Es bringt nichts, wenn man nur meckert, ohne sich Gedanken über Lösungen zu machen.“ Deshalb verbringt Walder bisweilen Stunden vor dem Laptop, sichtet Karten und andere Informationen. Mindestens einmal pro Woche ist er zudem auf seinem E-Bike unterwegs – bewaffnet mit Handy und Zollstock. Seine Erkenntnisse fließen in eine umfangreiche Dokumentation ein. Im Blick hat er dabei nicht nur geübte Radler, sondern auch Gelegenheitsfahrer.

Ein Beispiel: Um von der Innenstadt in den Südbezirk zu gelangen, hält Klaus Walder die stark befahrene Bismarckstraße nicht für die optimale Lösung. Stattdessen schlägt er eine Wegeführung für Radfahrer über Presover Straße, das Obi-Gelände, Industrie-, Greuling- Jan-Wellem- und Engelbertstraße bis in die Grünanlage Kuckuck. Von da aus könnte es weiter in Richtung Freibad Eschbachtal gehen.

Um diese Lösung umsetzen zu können, müsste das Obi-Gelände jedoch offiziell für Radfahrer freigegeben werden – auch außerhalb der Öffnungszeiten. Zudem wäre es notwendig, die Einbahnregelung auf der Oswald-Grebe-Straße für Radfahrer aufzuheben. Solche „dicken Bretter“ begegnen Klaus Walder immer wieder bei seinen Recherchen. Das schreckt ihn allerdings nicht ab. Stattdessen sucht er das Gespräch mit der Verwaltung, der Politik und gegebenenfalls auch Grundstückseigentümern. Dabei ist er nicht immer auf der Suche nach der großen Lösung. In den meisten Fällen könne man auf Bestehende zurückgreifen. „Manchmal würde in meinen Augen ein zusätzliches Schild reichen.“

So sind in Walders Planungen sukzessive zwei Rad-Rundwege mit geschlossenem Wegenetz um Remscheid gewachsen – einer mit Anbindung an die Wuppertaler Nordbahntrasse. Die ist ihm – neben der Vernetzung der Remscheider Stadtteile – besonders wichtig.

Gleichzeitig wünscht sich Walder, dass die Stärken Remscheids besser vermarktet werden, weist unter anderem auf fehlende Ausschilderung für Sehenswürdigkeiten und Restaurants hin. Um an diesem Punkt anzusetzen, hat der 67-Jährige unter anderem Kontakt zu Marketingexperten und Vertretern des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes aufgenommen.

Wie viele seine Überlegungen eines Tages tatsächlich umgesetzt werden, weiß Klaus Walder nicht. Er ist sich bei all seinen Bemühungen bewusst, dass für manches schlicht das Geld fehlt. An anderer Stelle gibt es technische oder rechtliche Hürden. Abschrecken lässt sich der 67-Jährige davon nicht: „Ich merke, dass Politik und Verwaltung sich ernsthaft mit meinen Vorschlägen auseinandersetzen. Das ist mein größter Erfolg.“ Und für ihn der Beweis, dass man mit konstruktiven Ansätzen etwas erreichen kann.

Radverkehr, die Zukunft der Alleestraße, eine bessere Zuganbindung Remscheids an Düsseldorf und Köln – viele Themen stehen auf Klaus Walders Liste. Er möchte sich weiter konstruktiv einbringen. Und animiert andere, es ihm gleichzutun. Warum er sich das antut, anstatt in aller Ruhe seine Rente zu genießen? „Weil ich Remscheider bin.“

Konzept

Die Stadt Remscheid verfolgt das Ziel, das Fahrrad auch im Alltag zu einem häufig genutzten und attraktiven Verkehrsmittel zu machen – der hiesigen anspruchsvollen Topographie zum Trotz. Das Radverkehrskonzept dient dabei als Grundlage für weitere Aktivitäten. Die vollständige Fassung ist auf der städtischen Internetseite einsehbar.

https://t1p.de/e0gi

Abschnitt für Abschnitt soll Remscheid in 10 bis 15 Jahren zur fahrradfreundlichen Stadt werden, doch erste Schutzstreifen für Radfahrer sorgen für Ärger.

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