Jugendhilfeausschuss

Queere wünschen sich Christopher Street Day in Remscheid

Die Solinger haben ihn schon, ihren Christopher Street Day, dort „Klingenpride“ genannt.
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Die Solinger haben ihn schon, ihren Christopher Street Day, dort „Klingenpride“ genannt.
  • Andreas Weber
    VonAndreas Weber
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Das Jugendamt will die Erfolgsgeschichte in zwei Jugendzentren unbedingt fortschreiben – Raus aus der Anonymität.

Remscheid. Die queeren Gruppen in Remscheid haben in der Welle und der Gelben Villa zwei Anlaufstationen gefunden, um sich regelmäßig auszutauschen. Queer steht für Menschen, die nicht-heterosexuell sind. Sie werden auch als LGBTQI zusammengefasst: englisch für lesbisch, schwul, bisexuell, transgender, queer und intergeschlechtlich. Im Jugendhilfeausschuss, der sich im Großen Ratssaal mit einem Antrag von SPD, Grüne und FDP beschäftigte, in dem es um die städtischen Angebote für diese Personengruppe ging, berichtete Michael Ketterer (Jugendamt) von Fortschritten.

„Queere haben die Anonymität bei Treffs in anderen Städten gesucht.“

Michael Ketterer, Jugendamt

„In der Vergangenheit haben die Queeren die Anonymität bei Treffs in anderen Städten gesucht.“ Dies habe sich gewandelt. Die Zahl derer, die sich oute, sich öffentlich der Angst vor negativen Konsequenzen, Diskriminierung und Mobbing aussetze, sei gestiegen, ihre Akzeptanz in der Gesellschaft größer geworden.

Mittlerweile gibt es eigenständige, offene Angebote in der Gelben Villa, Eberhardstraße 29, mittwochs von 18.30 bis 21 Uhr und in der Welle in Lennep, Wallstraße 54, donnerstags von 18.30 bis 20.30 Uhr. Beim einen ist die Kraftstation/Freie Jugendarbeit Remscheid Mitte der Träger, beim anderen Die Welle gGmbH in Kooperation mit Pro Familia.

Die Gruppen feiern nicht nur jährlich den Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie bzw. -feindlichkeit am 17. Mai. In Remscheid hat sich der Tag seit 2016 auf der Alleestraße etabliert. Für Queere werden auch Veranstaltungen wie Filmabende und Poetry Slams ausgerichtet. Angesprochen fühlen sich bislang laut Ketterer Jugendliche und Erwachsene von 13 bis 26 Jahren.

Michael Ketterer sprach davon, dass rund 20 000 Euro städtische Mittel jährlich nötig sind, um die Erfolgsgeschichte über 2022 hinaus fortschreiben zu können. „Das Geld benötigen wir, um die Angebote in beiden Einrichtungen passgenau machen zu können.“ In der Gelben Villa, in der am 24. September 2021 nach einem queeren Filmabend und anschließender Diskussionsrunde der Stein ins Rollen gekommen war, soll die Arbeit kommendes Jahr ausgeweitet werden. Neun Monate nach dem ersten queeren Treff dort Anfang Oktober, gab es schon über zwanzig Stammbesucher(innen).

Stephanie Dobke, in der Welle für Jugend und Kultur zuständig, nannte im Jugendhilfeausschuss einen großen Wunsch der Betroffenen: „Unsere queeren Gruppen möchten gerne 2023 einen CSD, einen Christopher Street Day, in Remscheid ausrichten.“ Es müsse noch viel getan werden, forderte Michael Ketterer. Denn trotz steigender Wahrnehmung würden viele unter Schikanen, Nachteilen und hohem seelischen Druck leiden.

In der Vorlage für den Jugendhilfeausschuss hält die Stadtverwaltung fest: „Ihre Lebenssituation geht häufig mit subjektiver Einsamkeit, Identitätsproblemen und einer erhöhten Belastung, unter anderem psychischen Erkrankungen und Suizid einher.“

Sozialdezernent Thomas Neuhaus erklärte, dass er gerade einem Gremium des Deutschen Städtetages beigewohnt habe, in dem angedeutet wurde, dass das NRW-Förderprogramm „Aufholen nach Corona“ bis 2024 fortgesetzt werden solle.

Aus diesem Topf könne es möglicherweise auch Mittel für queere Angebote geben. Die Stadt steht durch die Jugendhilfe in der Pflicht. Eine Aufgabe ist es, „junge Menschen in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung zu fördern und dazu beizutragen, Benachteiligungen zu vermeiden und abzubauen.“

Was bedeutet das Wort „queer“?

Im Englischen steht der Begriff „queer“ ursprünglich für „seltsam“, „komisch“ und „merkwürdig“. „To be queer in the head“ heißt so viel wie „nicht richtig im Kopf zu sein“. Queer galt aber auch als Schimpfwort für Schwule. In den 90er Jahren haben Lesben, Schwule und Bisexuelle den Begriff umgedreht, als Selbstbezeichnung entdeckt und ihn positiv besetzt. „Queer“ als Sammelbegriff für Personen verwendet, die nicht der heterosexuellen Geschlechternorm entsprechen. Der Begriff steht seit 2017 im Duden.

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