Mein Blick auf die Woche

Putins Krieg wird uns mehr abverlangen als hohe Preise

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Auf die Remscheider ist Verlass. Sind Menschen in Not, helfen sie und packen mit an. Doch wir stehen erst am Anfang der großen Flucht aus der Ukraine. Putins Krieg, sagt RGA-Lokalchef Axel Richter, wird uns viel mehr abverlangen als dauerhaft hohe Energiepreise.

Auf die Remscheider ist Verlass. Ob nach der Flutkatastrophe im Sommer, der Flüchtlingskrise 2015 oder dem Elbehochwasser in der sächsischen Partnerstadt Pirna: Sind Menschen in Not, geben wir gern und packen mit an. Auch jetzt wieder.

Auf den Hilferuf der polnischen Partnergemeinde Mragowo, die mehr als 1900 Flüchtlinge aus der Ukraine zu versorgen hat, brachten die Remscheider Decken, Schlafsäcke, Konserven, Körperpflegeprodukte, Feldbetten und mehr für den Hilfskonvoi, der am Mittwoch startet.

Zugleich ist die Willkommenskultur von 2015 wieder erwacht. So viele Menschen wollen den Flüchtlingen aus der Ukraine helfen, dass, verfolgt man die Diskussionen in den so genannten sozialen Netzwerken, mancher schon beinahe Sorge zu haben scheint, keinen mehr abzubekommen. Das ist bei der Aufnahme von Flüchtlingen zu beachten.

Noch ist die Zahl der Flüchtlinge überschaubar. Doch das dürfte sich ändern. Je länger Putins Krieg dauert, je weiter seine Truppen vorrücken und je mehr Städte sie verwüsten, desto größer wird ihre Zahl. Wie lange sie bleiben, ob sie je wieder zurückkehren, weiß niemand.

Zusammenhalt der Stadtgesellschaft wird auf die Probe gestellt

Für die Kinder schafft die Stadt Platz an Schulen und Kindergärten. Das ist richtig, doch: In den Kitas waren die Plätze bereits vor Kriegsausbruch rar. 500 Kinder standen auf der Warteliste für die Platzvergabe im Sommer. Nun kommen die ukrainischen Kinder hinzu.

Nicht anders ist es an den Schulen. Dort richtet die Stadt Willkommensklassen ein. Von dort wechseln die Flüchtlingskinder an die Regelschule, doch: Einen Platz an seiner Wunschschule bekommt schon heute nicht jedes Kind. Vor allem die Sophie-Scholl-Gesamtschule muss jedes Jahr viele Kinder ablehnen.

Die sich verschärfende Konkurrenz wird nicht ohne Folgen bleiben, weshalb man die ersten schon schimpfen hört: dass die Flüchtlinge alles bekommen, die eigenen Leute aber nichts. Man kennt das, und natürlich ist das alles ein großer Unfug.

Doch der Krieg in der Ukraine wird uns noch viel abverlangen. Mehr als Sach- und Geldspenden für Mragowo. Mehr auch als die hohen Preise für Sprit und Gas. Und sowieso mehr als der nochmalige Gang in den Supermarkt, um vielleicht doch noch eine Pulle Pflanzenöl zu ergattern, nachdem die Raffkes die Regale leer geräumt haben.

Es geht um unseren Zusammenhalt als Stadtgesellschaft. Nach 2015 wird er erneut auf die Probe gestellt. Vielleicht noch mehr als damals als es zwar ebenfalls viel Hilfsbereitschaft gab. Als aber auch in Remscheid Parteien vom rechten Rand wählbar wurden. Mit denen unterhält der Kriegsherr im Kreml übrigens schon lange gute Kontakte. Was sie als Putins nützliche Idioten für die Zukunft erst recht unwählbar macht.

Top: Sonnenstrom: Die Stadt fördert saubere Energie vom Hausdach.

Flop: Luftnummer: Die Stadt baut Luftpumpenstationen zur Förderung des Radverkehrs.

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