Klosterkirche

Publikum erlebt bestes Polit-Kabarett

Wilfried Schmickler lief in der Klosterkirche zur Hochform auf. Foto: Roland Keusch
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Wilfried Schmickler lief in der Klosterkirche zur Hochform auf.

Wilfried Schmickler gastierte in der Klosterkirche.

Von Sabine Naber

Remscheid. „Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger“, so begann Wilfried Schmicklers etwas andere Neujahrsansprache am Mittwochabend in der gut besuchten Klosterkirche. „Die habe ich mir aus den Ansprachen von Steinmeier, Scholz und Kretschmar zusammengebastelt“, gab der Kabarettist zu, als es beispielsweise hieß: „Behütet und vertröstet wunderbar, werden wir wohl einen Weg aus dem Schlamassel finden.“

Ohnehin seien ganze Sätze nicht ursprünglich von ihm: „Sie lagen rum, ich habe sie geklaut. So war das mit dem Laschet-Buch wohl auch. Der eine oder andere Satz ist ihm zugewandert.“ Das sei allerdings kein Wunder bei einem Mann, der seinen Wahlzettel falsch faltet.

Auch bei Karl-Theodor von Guttenberg nahm der Kabarettist kein Blatt vor den Mund: „Der hatte seinen Doktortitel geklaut. Und ich dachte schon, bei so viel Pudding in der Birne hätte er den Doktor-Oetker.“ Und dass bei Auftritten von Ministerinnen wie Franziska Giffey – „früher Ministerin für Gedöns, heute Regierende Bürgermeisterin in Berlin“ – zuerst das Äußere besprochen würde: „Das passiert keinem Mann“, polterte Schmickler zur Freude des Publikums.

Mit Blick auf die Bundesebene sprach er vom hadernden Hofreiter, dem selbstverliebten Lindner und dem braven Olaf im Kanzleramt, der komplett verstört sei, denn es müsse ja etwas getan werden, sonst sei Schluss. „Und wenn wir mit dem Latein am Ende sind, dann wird eben griechisch gesprochen“, vermutete Schmickler, bevor er Friedrich Merz als „beleidigte Schnullerschnute aus dem Sauerland“ bezeichnete. Der habe in Berlin schon den Namen des Scheinriesen Tur Tur aus „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ bekommen.

Viel Gelächter auch, als Schmickler seine eigene Situation seit Ausbruch der Pandemie beschrieb. „Ich habe mir einen Helm aufgesetzt, weil ich Angst hatte, die Decke würde mir auf den Kopf fallen. Und dann hat mir meine Frau auch noch ein Puzzle mit 2000 Teilen geschenkt. Da bin ich zeitweise in meinen kleinen Garten im Oberbergischen gezogen und habe mir die Talkrunde von 150 Schafen auf der Wiese angehört.“ Denn die Debatten im Fernsehen die sei er leid. Ob Flüchtlings-, Corona- oder Klimakrise – je größer die Verunsicherung sei, desto besser sei die Zeit für Lügen, Gerüchte, Falschmeldungen. „Da kochen sie ihr Süppchen.“ Denn die Versammlungsfreiheit gelte auch für Irre und Idioten, für politische Kreuz- und Querdenker wie die Herren Höcke, Kalbitz und Gauland. „Die Pest. Einst war sie schwarz, heute ist sie braun.“ Und als Gauland prophezeit hatte, man wolle sich sein Land zurückholen, da habe er sich geschworen: „Meinen kleinen Garten im Oberbergischen, den kriegt der Ehrenvorsitzende nicht.“ Er gab zu, dass er in Bezug auf die AfD ein Tourette-Syndrom habe: „Diese widerwärtige, unappetitliche Partei mit ihrer gezielten Vergangenheitsvergewaltigung.“

Extraklasse die Inhalte seiner gesanglichen Einlagen. Beispielsweise wenn er von der Gier singt und es am Ende heißt: „So kommt zu Neid und Gier der Hass. Und sind die erst einmal zu dritt, fehlt nur noch ein ganz kleiner Schritt, bis dass der Mensch komplett verroht. Und schlägt den anderen halbtot.“

Am Schluss viel Applaus und ein Dank Schmicklers an das Klosterkirchen-Team.

Vorschau

Am kommenden Sonntag gastiert um 17 Uhr Jan Cmejla – Weltklassik am Klavier – mit Musik von Beethoven, Chopin und Schumann in der Klosterkirche. Am Donnerstag, 27. Januar, 20 Uhr, wird das Kabarettisten-Duo „Onkel Fisch“ seinen etwas anderen Jahresrückblick präsentieren. Der für Freitag angekündigte Auftritt von „Trio Farfarello“ ist auf den 18. August verlegt worden. Am Sonntag, 30. Januar, 20 Uhr, kommt Anka Zink mit ihrem Programm „Wo pin ich“ in die Klosterkirche.

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